
Eintauchen in die Sogdische Vergangenheit
Die Bedeutung antiker Briefe
Antike Briefe sind weit mehr als bloße Dokumente; sie repräsentieren entscheidende Fenster zur Vergangenheit und gewähren uns wertvolle Einblicke in das Alltagsleben, die Kultur sowie die Denkweise vergangener Zivilisationen. Die 1907 entdeckte Sammlung antiker Briefe aus Sogdien stellt einen bedeutsamen Höhepunkt in der Geschichte der Schriftenkunde dar. Diese Briefe eröffnen einzigartige Perspektiven auf die sogdische Kultur und deren historische Entwicklung.
Die Sogdier, ein indigenes Volk der zentralasiatischen Region, hatten eine maßgebliche Bedeutung für den internationalen Handel entlang der Seidenstraße. Durch unsere umfassende Forschung und die Bewahrung dieser bedeutenden Artefakte tragen wir zur Vertiefung des Verständnisses für die Relevanz und den Einfluss der sogdischen Kultur bei. Jedes Dokument vermittelt Erzählungen über Handel, diplomatische Beziehungen und individuelle Erfahrungen.

Wir engagieren uns dafür, dieses kulturelle Erbe nicht lediglich zu bewahren, sondern es auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die antiken Briefe bilden ein zentrales Element unserer Ausstellungen und Dokumentationen, die darauf abzielen, das Verständnis für diese faszinierende Epoche der Geschichte zu vertiefen.
Die Geheimnisse der Manuskripte aus dem antiken Sogdiana
Die Seidenstraße, die bedeutende Handelsroute zwischen Eurasien und dem Mittelmeerraum, hatte nicht nur eine wirtschaftliche Funktion, sondern stellte auch einen Treffpunkt der hoch entwickelten Zivilisationen des Ostens und Westens dar. Ab dem 2. Jahrhundert BC wurden über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren Seide, Luxuswaren und diverse Güter auf dieser Route transportiert, um in städtischen Zentren und Oasen gehandelt zu werden. Zudem fungierte sie als Plattform für den Austausch von Ideen, Glaubensrichtungen, Kunstformen und Technologien. In diesem Kontext begegneten sich chinesische, indische, iranische und klassische westliche Kulturen, was zur Entwicklung einer neuen, synkretistischen Kultur führte.
Besonders an dieser historisch reichen Region interessiert war der ungarisch-britische Archäologe und Forscher Marc Aurel Stein (Pest, 1862 – Kabul, 1943). Zwischen 1900 und 1916 leitete er drei umfassende Expeditionen zur Erforschung der im Sand verborgenen Ruinen des Tarimbeckens. Dabei entdeckte er bislang unbekannte Sprachen und Schriften und trug maßgeblich zur historischen und kulturellen Aufarbeitung der dort einst lebenden Zivilisationen bei. Sein bleibender Ruhm gründet sich jedoch vor allem auf der Entdeckung des wertvollen Schatzes, der in den Höhlentempeln der Tausend Buddhas in Dunhuang aufbewahrt wurde.
Die fünf nahezu vollständigen Briefe, die Aurel Stein fand, besitzen einen unschätzbaren historischen Wert. Sie gewähren uns tiefgehende Einblicke in das alltägliche Leben und die sozialen Netzwerke des antiken Sogdien. Das antike Sogdiana war ein bedeutender Kulturraum und eine der „oberen“ persischen Satrapien im Achämenidenreich. Die Sogdianer waren eine iranische Gruppe, die sich im Raum zwischen Syrdarja und Amudarja ansiedelte. Sogdien war nicht nur politisch, sondern auch kulturell bedeutend, insbesondere durch den Handel auf der Seidenstraße. Die Sogdier spielten eine wichtige Rolle im transkontinentalen Handel und hatten auch einen kulturellen Einfluss auf andere Regionen, insbesondere in China.
Einblicke in die kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen
Die Korrespondenzen bieten nicht nur Einblicke in die persönlichen Belange der Absender, sondern reflektieren zugleich die gesellschaftlichen Normen und kulturellen Praktiken der Sogdier. Eine eingehende Analyse dieser Briefe ermöglicht ein vertieftes Verständnis darüber, wie Individuen in ihrem sozialen Kontext agierten und welche Werte sie verkörperten.
Die Relevanz der Korrespondenz für wissenschaftliche Untersuchungen
Diese Briefe stellen nicht lediglich Relikte der Vergangenheit dar, sondern fungieren zudem als bedeutende Quellen für Historiker und Archäologen. Ihre eingehende Analyse ermöglicht tiefere Einblicke in die Handelsbeziehungen sowie die interkulturelle Kommunikation im antiken asiatischen Raum.

The Sogdian “Ancient Letters”
Die sogenannten sogdischen "Antiken Briefe" erhalten ihre Bezeichnung, da sie als die ältesten bedeutenden Texte betrachtet werden, die in Sogdisch verfasst wurden. Diese Sprache war einst in der Region um Samarkand verbreitet, die heute Teile von Usbekistan und Tadschikistan umfasst. Im Jahr 1907 entdeckte der Archäologe Sir Marc Aurel Stein die "Antiken Briefe" in einem Wachturm westlich von Dunhuang, einem Bestandteil des "Jade-Tor"-Komplexes, der einst die westliche Grenze Chinas sicherte. Die Briefe stellen anscheinend den Inhalt eines während des Transports verlorenen oder beschlagnahmten Postbeutels dar. Sie wurden im frühen 4. Jahrhundert CE von sogdischen Händlern sowie deren Angehörigen in Westchina auf Papier verfasst und richteten sich an Verwandte in der sogdischen Heimat oder in der Oase von Loulan, die sich im heutigen Xinjiang befindet.
Die Erschließung der Inhalte: Methodik und Analyse
In unseren Artikeln analysieren wir die angewandten Methoden der Inhaltsanalyse zur Interpretation dieser Korrespondenzen. Des Weiteren erörtern wir sowohl die linguistischen als auch die anthropologischen Ansätze, die zur Entschlüsselung der vielschichtigen Bedeutungen in den Texten erforderlich sind.
Zukunftsperspektiven: Reliktforschung und
digitale Archivierung
Mit der kontinuierlichen Digitalisierung entwickelt sich eine umfassendere Diskussion über die verfügbaren Dokumente. Wir engagieren uns dafür, diese bedeutenden Dokumrnte online h einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zukünftige Projekte werden sich darauf konzentrieren, die Inhalte dieser Dokumente durch den Einsatz modernster Technologien zu visualisieren.
Abb. 2 unf 3: Sogdian Ancient Letters 1 and 2, rectos
Ancient Sogdiana, 312 or 313 CE
Ink on paper; H. 42 × W. 24.3 cm
Discovered in 1907 at Watchtower T.XII , west of Dunhuang 敦煌 , Gansu Province, China
The British Library, Or. 8212/92 and Or. 8212/95
Photograph © The British Library Board
Die Sogdische Sprache: Eine Übersicht der Linguistik und historischen Relevanz
Sogdisch ist eine Sprache, die dem iranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie angehört. Historisch gesehen verbreitete sich diese Sprache in einem Gebiet, dessen Mittelpunkt im heutigen Samarkand, Usbekistan, lag und das sich westlich bis nach Buchara und nordöstlich bis nach Taschkent (dem antiken Chach) erstreckte. Sogdische Händler gründeten Handelsniederlassungen entlang der historischen „Seidenstraßen“, die bis nach China und in die Mongolei reichten. Infolgedessen fand die Sogdischsprachigkeit sowohl als Muttersprache als auch als lingua franca unter Sprechern anderer Sprachen in einem weitläufigen geografischen Raum Anwendung. Bemerkenswerterweise wurden die meisten heute bekannten sogdischen Texte nicht in Sogdiana, sondern in der Oase Turfan sowie in Dunhuang im Westen Chinas entdeckt.
Im Zeitraum vom 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. war Sogdien Teil des Achämenidenreichs unter Darius I. und seinen Nachfolgern. Sogdien (Sughd) ist die historische Bezeichnung für einen Teil Zentralasiens und ein eigenständiger Kulturraum. Die am häufigsten verwendete Sprache für Fernkommunikation in diesem weitreichenden Gebiet war Aramäisch, welches aufgrund seiner Eigenschaften gut für die Schriftlichkeit auf tragbaren Materialien wie Papyrus oder Pergament geeignet war.
Nach dem Zerfall des Reiches setzte sich die Praxis fort, die aramäische Schrift für die Dokumentation der lokalen Sprache in Sogdien und anderen Regionen zu verwenden. Regionale Variationen der aramäischen Schrift führten zur Entstehung eigenständiger Schriften, die als parthisch, choresmisch und sogdisch bekannt sind. Diese Schriften bewahren zahlreiche Merkmale der aramäischen Schrift, darunter die Schreibrichtung von rechts nach links und ein Standardalphabet mit zweiundzwanzig Zeichen, die vorwiegend Konsonanten darstellen, während die vokalischen Elemente nur teilweise repräsentiert sind.
Interessanterweise wird die Präposition „von“ in nahezu allen mitteliranischen Sprachen in aramäischer Orthografie als "mn" geschrieben, jedoch unterschiedlich ausgesprochen: az im Mittelpersischen, až im Parthischen und ač oder čan im Sogdischen. Diese aramäischen Schreibweisen für iranische Wörter werden als „Logogramme“ oder „Ideogramme“ bezeichnet.
Zu den frühesten längeren sogdischen Texten gehört eine Gruppe von Inschriften, die auf Tontafeln in Kultobe im Süden Kasachstans, nördlich von Taschkent, gefunden wurden und möglicherweise bereits aus dem 1. oder 2. Jahrhundert CE stammen (Abb. 1). Diese Inschriften dokumentieren die Ansiedlung von Sogdiern aus den Städten Samarkand, Kesh (Shahr-i-Sabz), Nakhshab (Karshi) und Buchara unter dem Kommando eines Generals aus Chach (Taschkent) sowie die Landverteilung zwischen Sogdiern und den nomadischen Völkern der Region.
Die Kultobe-Inschriften sind in einer archaischen Form der sogdischen Schrift verfasst, die eng mit ihrem aramäischen Prototyp verwandt ist. Viele Wörter sind in aramäischen Logogrammen festgehalten, sodass nur wenige phonetische Schreibweisen, wie etwa sp’δny [spādh-nī], was „Heerführer“ oder „General“ bedeutet, darauf hindeuten, dass das Textmaterial tatsächlich in Sogdisch verfasst ist.
Die nächstfolgenden bedeutenden sogdischen Texte, bekannt als die „Sogdian Ancient Letters" (312 oder 313 CE), datieren aus dem frühen 4. Jahrhundert (s. Abb.2-3: Ancient Sogdiana, 312 oder 313 CE, Tinte auf Papier; H. 42 × B. 24,3 cm). Sie wurden 1907 im Wachturm T.XII westlich von Dunhuang 敦煌 in der Provinz Gansu, China, entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt ist eine höhere Frequenz phonetischer Schreibweisen zu beobachten, im Vergleich zu Logogrammen, und eine Tendenz zur Verbindung einzelner Buchstaben innerhalb eines Wortes wird deutlich. Diese Entwicklung setzte sich in den nachfolgenden Jahrhunderten fort. Nur die am häufigsten verwendeten Wörter wurden weiterhin als Logogramme verfasst, während sich die Schrift zunehmend in ihrer kursiven Form veränderte, ein Fragment einer epischen Erzählung über den Helden Rustam und die Dämonen, ca. 9. Jahrhundert CE, veranschaulicht dies (Abb. 4; Tinte auf Papier, H. 28 x B. 29 cm). Ein Nachteil dieser kursiven Schrift liegt darin, dass viele Buchstaben schwer voneinander zu unterscheiden sind. Dieses Dilemma wurde durch die Entwicklung einer formaleren und ästhetischeren Variante der sogdischen Schrift behoben, die als „Sutra-Schrift“ bekannt ist, da sie hauptsächlich für die Abschrift buddhistischer Texte wie des Vessantara-Jatakain in sogdischer „Sutra-Schrift“, datiert auf ca. 8.–9. Jahrhundert CE (Abb. 5; Tinte auf Papier; L 48,5 × B 14,7 cm. ) verwendet wurde.
Im späten 6. Jahrhundert übernahmen die uigurischen Türken die sogdische Kursivschrift und Sprache zur Erstellung ihrer frühesten Inschriften. Dementsprechend fand dieselbe Schriftform auch Anwendung in der türkischen Sprache selbst und entwickelte sich zur sogenannten „uigurischen Schrift“. Diese Schrift wurde später auch auf die mongolische und die mandschurische Sprache übertragen.
Ein charakteristisches Merkmal aller dieser vom Sogdischen abgeleiteten Schriften ist die vertikale Ausrichtung, eine Veränderung der Schreibweise, die bereits im 5. Jahrhundert bei den Sogdiern selbst einsetzte. In ihren verschiedenen Ausdrucksformen wird die sogdische Schrift gelegentlich als die sogdische „Nationalschrift“ bezeichnet, da sie sämtlichen Sprechern der Sprache zur Verfügung stand und zur Aufzeichnung unterschiedlichster Texte verwendet wurde, darunter religiöse Schriften sowie Inschriften, Briefe und Rechtsdokumente.
Auch Verfechter des Manichäismus und des Christentums in der Oase Turfan nutzten eigene Schriften zur Aufzeichnung des Sogdischen und anderer Sprachen. Die manichäische Schrift stellt eine kursive Variante des Alphabets dar, wie sie von den Bewohnern Palmyras in Syrien zur Dokumentation des palmyrenischen Dialekts des Aramäischen verwendet wurde, wie in einem fragmentarischen, verzierten manichäischer Text in manichäischer Schrift, ca. Mitte des 8. bis Anfang des 11. Jahrhunderts CE ersichtlich wird (s. Abb. 6; Tinte, Pigmente und Gold auf Seide; H. 7,4 x B. 6 cm). Diese Schrift, die von Mani, dem Begründer der manichäischen Religion, verwendet wurde, erfährt unter seinen Anhängern besondere Wertschätzung und fand Anwendung in zahlreichen Sprachen. Für einige dieser Sprachen, einschließlich Sogdisch, wurden zusätzliche Buchstaben für Konsonanten eingeführt, die im aramäischen Grundalphabet nicht adäquat wiedergegeben werden konnten.
Die manichäische Schrift, der die Logogramme der sogdischen Schrift fehlen, stellt somit die Konsonantenlaute der sogdischen Sprache klarer dar. Mani war nicht nur als Prophet einer neuen Religion bekannt, sondern auch als Künstler, was möglicherweise einen Teil der exquisiten Kalligraphie und Verzierung der Manuskripte in manichäischer Schrift erklärt.
Ebenso wie die Manichäer hatten auch die Christen eine besondere Vorliebe für eine spezifische Schrift, in ihrem Fall die syrische Schrift. Diese stellt eine weitere Variante des Aramäischen dar, die dieselben zweiundzwanzig Grundbuchstaben verwendet. Für die Aufzeichnung des Sogdischen wurden drei (und gelegentlich vier) zusätzliche Buchstaben eingeführt; noch bedeutender ist, dass einige Schreiber das ostsyrische System übernahmen, indem sie Punkte über und unter den Buchstaben verwendeten, um die Vokale voneinander abzugrenzen. Schließlich wurden einige wenige spätere sogdische Manuskripte, überwiegend medizinischer Natur, in einer zentralasiatischen Variante der indischen Brahmi-Schrift verfasst. Diese Schrift gibt grundsätzlich alle Vokale an, allerdings ist ihr Wert als Beleg für die Aussprache des Sogdischen aufgrund des schlechten Erhaltungszustands begrenzt.
Die letzten bekannten sogdischen Manuskripte jeglicher Art stammen vermutlich aus dem 11. Jahrhundert. Nach dieser Epoche wurde Sogdisch nicht mehr als Schriftsprache verwendet, da es in Sogdien durch Persisch und Arabisch sowie in der Oase Turfan und darüber hinaus durch Türkisch und Chinesisch ersetzt wurde. Dennoch wurde Sogdisch weiterhin mündlich gesprochen; tatsächlich hat sich ein sogdischer Dialekt bis in die Gegenwart in einer abgelegenen Region Tadschikistans erhalten, wo er unter dem Namen Yaghnobi bekannt ist.
Abbildungen:
Fig.1: Plaque with Proto-Sogdian Inscription No. 4, 1st–3rd century CE. Baked clay; H. 14 x W. 31 cm. Central State Museum of Kazakhstan, Almaty, KP 26859/1 - Photograph © A. N. Podushkin.
Fig.2: Sogdian Ancient Letter 1, recto. page Photograph © The British Library Board.
Fig.3: Sogdian Ancient Letter 2, 312 or 313 CE. Discovered in 1907 at watchtower (T.XII.A), west of Dunhuang 敦煌, Gansu Province, China. Ink on paper; H. 42 × W. 24.3 cm. The British Library, Or. 8212/95 - Photograph © The British Library Board.
Fig.4: Fragment of Sogdian story of Rustam and the Demons, ca. 9th century CE. Ink on paper, H. 28 x W. 29 cm. The British Library, London. Or. 8212/81 Recto - Photograph © The British Library Board.
Fig.5: Buddhist text, Vessantara Jataka, showing Sogdian “Sutra Script.” Dated to ca. 8th–9th century CE. Ink on paper; L. 48.5 x W. 14.7 cm. Bibliothèque nationale de France, département des Manuscrits. Pelliot chinois 3511 [Pelliot Sogdien1] - Photograph © Bibliotheque nationale de France, Paris.
Fig.6: Fragmentary decorated Manichean text in Manichean script, ca. mid-8th to early 11th century CE. Ink, pigments, and gold on silk; H. 7.4 x W. 6 cm. Berlin, Museum für Asiatische Kunst: MIK III 4981a; After Zsuzsanna Gulácsi, Manichaean Art in Berlin Collections (Turnhout: Brepols, 2001), 167, fig. 75.1
Literatur: Sims-Williams, Nicholas "Sogdian Language and Its Scripts" auf sogdians.si.edu, abgerufen am 25.03.2026
Sogdische Kaufleute im Kontext der Seidenstraße
Eine wichtige Rolle in Zentralasien, einem Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Schriftsysteme, spielten sogdische Händler, deren Kontakte bis nach China reichten. Erhaltene Briefe sogdischer Händler stellen zudem eine bedeutende Quelle zur Geschichte der Seidenstraße dar. Briefe wurden in dieser Zeit hauptsächlich von Händlern, Beamten, religiösen Würdenträgern sowie lokalen Herrschern verfasst. Die bedeutendsten Gruppen der Verfasser dieser Dokumentenfunde sind oftmals sogdische Händler und Fürsten.
Die Sogdier, aus dem Gebiet des heutigen Usbekistan und Tadschikistan, kontrollierten weite Teile der Seidenstraße. Eine wichtige Quelle stellen die von Aurel Stein 1907 westlich von Dunhuang und östlich von Loulan an der Chinesischen Mauer gefundenen sogdischen Briefe dar. Diese Antiken Briefe wurden von Henning in das 4. Jahrhundert CE datiert. In diesen spätantiken, von Privatpersonen verfassten Texten finden sich wichtige Hinweise zur Wirtschaft entlang der Seidenstraße, in der die Sogdier eine wichtige Rolle spielten, sowie zu politischen Ereignissen, so der Einnahme der chinesischen Hauptstadt Luoyang im Jahr 311 durch Liu Cong. Liu Cong (chinesisch 劉聰 / 刘聪, Pinyin Liú Cōng, W.-G. Liu Ts'ung) war in der Zeit von 310 bis 318 ein Herrscher der südlichen Xiongnu.
Die Sogdier, ein Volk iranischer Herkunft, spielten zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert CE eine wichtige Rolle im Handel entlang der Seidenstraße. Von ihrer Heimat in der Region um das heutige Samarkand in Zentralasien (ihr Kerngebiet erstreckte sich über das heutige südliche Usbekistan und westliche Tadschikistan) aus reisten sogdische Kaufleute durch ganz Eurasien.
Chinesische Chroniken vermerkten ihren Geschäftssinn; Mitglieder der in China gegründeten sogdischen Kolonien übernahmen Verwaltungsaufgaben. Die sogdische Sprache war entlang der Handelsrouten weit verbreitet, und Sogdier gehörten zu den Übersetzern buddhistischer Schriften in China. Die Anwesenheit der Sogdier im heutigen Nordpakistan wird durch Inschriften belegt, die in Felsen in den abgelegenen Bergtälern eingemeißelt sind, durch die die Handelswege führten. Archäologen haben in den sogdischen Stadtstaaten Zentralasiens beeindruckende Architektur und Malerei freigelegt, die dazu beitragen, eine blühende kosmopolitische Stadtkultur eines Volkes zu dokumentieren, das selbst nie ein großes Reich geschaffen hat.
Zu den wichtigsten Dokumenten der sogdischen Geschichte zählen fünf nahezu vollständige Briefe, die 1907 vom berühmten britischen Archäologen, Indologen und Forschungsreisenden in Süd- und Zentralasien, Sir Marc Aurel Stein (1862-1943) in einem chinesischen Wachturm westlich des Jadetors entdeckt wurden, einem befestigten Außenposten, der die westlichen Zugänge zum Verwaltungs- und Kulturzentrum Dunhuang (am westlichen Ende der heutigen Provinz Gansu) bewachte. Steins Fundort lag etwa 90 km westlich von Dunhuang und 550 km östlich von Lou-lan, einem weiteren wichtigen Außenposten am südlichen Zweig der Seidenstraße, die am Rande der Taklamakan-Wüste verlief.
Es scheint wahrscheinlich, dass die Briefe von einer chinesischen Garnison beschlagnahmt wurden, als die chinesische Kontrolle in diesem weit im Westen gelegenen Gebiet bedroht war. Zwar gab es erhebliche Kontroversen über die Datierung der Briefe, doch deuten die überzeugendsten Argumente (unterstützt von Prof. Sims-Williams und seinen Kollegen) auf das Jahr 313 (-314) n. Chr. hin.
Zwei der Briefe wurden von einer in Not geratenen Frau verschickt, die in Dunhuang zurückgelassen worden war (Nr. 1 und 3); die beiden anderen Briefe (Nr. 2 und 5) betreffen die geschäftlichen Aktivitäten der Verfasser. Zwar wurde in Zentralasien später ein ganzes Archiv sogdischer Dokumente aus mehreren Jahrhunderten entdeckt, doch sind die alten sogdischen Briefe die frühesten substanziellen Beispiele für die sogdische Schrift und liefern somit äußerst wichtige Informationen über die Frühgeschichte der sogdischen Diaspora entlang des östlichen Endes der Seidenstraße.
Der Verfasser von Brief 2 lebte vermutlich in Jincheng (heute Lanzhou), einer Stadt in Gansu am Eingang zum Hexi-Korridor, dem Durchgang zwischen den südlichen Bergen und den nördlichen Wüsten, der nach Dunhuang führt. Er schrieb an die „Zentrale“ in Samarkand. Der erste Teil des Briefes befasst sich mit der sogdischen Diaspora in China und enthält Informationen über die Zerstörung zweier wichtiger chinesischer Städte durch die "Hunnen", nämlich Yeh und die damalige Hauptstadt Luoyang (letzteres geschah im Jahr 311 n. Chr.). Der zweite Teil des Briefes betrifft die Verteilung von Geldern, die der Verfasser offenbar zu Hause hinterlegt hatte.
Der Verfasser von Brief 5 schrieb aus Guzang, dem heutigen Wuwei (In der Antike als Liangzhou (涼州) bekannt, das nordwestlich von Luoyang im Hexi-Korridor liegt. Der Adressat des Briefes könnte in Khotan ansässig gewesen sein, einer wichtigen Stadt an der südlichen Seidenstraße, kurz bevor diese das Pamir-Gebirge überquert, um die Oasen von Transoxanien zu erreichen, der Region zwischen den Flüssen Amu Darya und Syr Darya. Auch dieser Brief bezieht sich auf das Chaos und die schwierigen Bedingungen in China; die Lage des Verfassers hatte sich offenbar noch weiter verschlechtert, als sein Geschäftspartner Ghawtus ihn im Stich ließ. So war der Verfasser gezwungen, von Dunhuang nach Guzang zurückzukehren.
Die Briefe enthalten die Namen verschiedener Produkte – Silber, Leinen und eine Art von Rohgewebe, Moschus (dessen Herkunft aus Tibet stammt), Pfeffer und „Weiß“ (wahrscheinlich Bleiweißpulver, ein wertvolles Gut, das in Kosmetika und Arzneimitteln verwendet wurde). Leider ist die Bedeutung einiger Begriffe für andere Produkte nicht bekannt. Aus den genannten Mengen geht hervor, dass der Handel relativ begrenzt war und sich, wie zu erwarten, auf Waren mit hohem Wert pro Gewichtseinheit konzentrierte.
Literatur: "The Sogdian Ancient Letters",translated by Prof. Nicholas Sims-Williams, School of Oriental and African Studies, University of London. Introduction by Prof. Daniel C. Waugh, University of Washington, auf https://depts.washington.edu/silkroad/texts/sogdlet.html, abgerufen am 24.03.2026
Die sogdischen Briefe der antiken Korrespondenz
Diese Dokumente bieten einen einzigartigen Einblick in das Leben und die Anliegen der ausländischen Kaufleute in China. Sie erwähnen Sogdier, die zu jener Zeit in der chinesischen Hauptstadt Luoyang 洛阳/洛陽 in der Provinz Henan lebten, sowie in einigen der wichtigsten Zwischenstationen auf dem Weg nach China, wie beispielsweise Dunhuang und Jiuquan 酒泉 (das antike Suzhou) in der Provinz Gansu, Wuwei 武威 (früher Liangzhou 涼州 genannt) in der Provinz Gansu, sowie Jincheng 晉城/晋城 in der Provinz Gansu 山西省. Wie zu erwarten, befassen sie sich größtenteils mit Handelsangelegenheiten und nennen viele der gehandelten Waren, darunter Gold, Silber, Kampfer, Pfeffer, Moschus, Weizen, Seide und andere Arten von Stoffen.
Bemerkenswerterweise stammen zwei der Briefe von Frauen.
"The Sogdians. Influencers on the Silk Road. Ancient Letters", auf sogdians.si.edu, abgerufen am 27.03.2026

Brief 1: Eine Frau namens Miwnay sucht das Gespräch mit ihrer Mutter Chatis
In diesem Brief schreibt eine Frau namens Miwnay an ihre Mutter Chatis und schildert, wie sie von ihrem Ehemann Nanai-dhat in Dunhuang verlassen wurde. Sie erklärt, dass sie versucht habe, jemanden zu finden, der sie zum Haus ihrer Mutter bringe, doch einer nach dem anderen habe Ausreden vorgebracht, dies nicht zu tun, sodass sie und ihre Tochter Shayn auf die Almosen des Priesters des örtlichen zoroastrischen Tempels angewiesen seien.
Die gleichen Ereignisse werden in Brief 3 ausführlicher geschildert, in dem Miwnay sich bei ihrem Mann darüber beschwert, dass er sie mittellos zurückgelassen habe und nicht einmal auf ihre Briefe antwortete.
Das Schreiben beginnt mit den üblichen höflichen Grußformeln, "(,,,) Segen und Ehrerbietung. Es wäre ein guter Tag für den, der dich gesund und wohlauf [sehen] könnte; und [für mich] wäre jener Tag der beste, an dem wir dich selbst bei guter Gesundheit sehen könnten (...)"
Doch während sie ihr Unglück schildert, wird Miwnay immer wütender:
„Ich habe deinem Befehl gehorcht und bin nach Dunhuang gekommen und habe weder den Anweisungen meiner Mutter noch denen meiner Brüder Folge geleistet. Sicherlich waren die Götter an dem Tag zornig auf mich, als ich deinen Befehl befolgte! Lieber wäre ich die Frau eines Hundes oder eines Schweins als deine!“
Ihre Tochter fügt einen Nachsatz hinzu, in dem sie erklärt, dass sie und ihre Mutter gezwungen waren, Dienerinnen der Chinesen zu werden, doch scheint sie weniger ihrem Vater die Schuld zu geben als vielmehr einem gewissen Farnkhund. Er könnte einer der Geschäftspartner ihres Vaters gewesen sein, der offenbar untergetaucht ist und Shayn und ihre Mutter zurückgelassen hat, um seine Schulden zu begleichen.
[Verso] From her daughter, the free-woman Miwnay, to her d[ear] mother [Chatis].
[Recto] [From her dau]ghter, the free-woman Mi[wnay], to her dear [mother] Chatis, blessing and homage. It would be a good day for him who might [see] you healthy and at ease; and [for me] that day would be the best when we ourselves might see you in good health. I am very anxious to see you, but have no luck. I petitioned the councillor Sagharak, but the councillor says: Here there is no other relative closer to Nanai-dhat than Artivan. And I petitioned Artivan, but he says: Farnkhund ..., and I refuse to hurry, I refuse to ... And Farnkhund says: If your husband’s relative does not consent that you should go back to your mother, how should I take you? Wait until ... comes; perhaps Nanai-dhat will come. I live wretchedly, without clothing, without money; I ask for a loan, but no-one consents to give me one, so I depend on charity from the priest. He said to me: If you go, I will give you a camel, and a man should go with you, and on the way I will look after you well. May he do so for me until you send me a letter!
Übersetzung:
[Rückseite] [Von ihrer Toch]ter, der freien Frau Mi[wnay], an ihre l[iebe] Mutter [Chatis].
[Vorderseite] [Von ihrer Toch]ter, der freien Frau Mi[wnay], an ihre liebe [Mutter] Chatis, Segen und Ehrerbietung. Es wäre ein guter Tag für den, der dich gesund und wohlauf [sehen] könnte; und [für mich] wäre jener Tag der beste, an dem wir dich selbst bei guter Gesundheit sehen könnten. Ich sehne mich sehr danach, dich zu sehen, habe aber kein Glück. Ich habe den Ratgeber Sagharak gebeten, doch der Ratgeber sagt: Hier gibt es keinen anderen Verwandten, der Nanai-dhat näher steht als Artivan. Und ich habe Artivan gebeten, aber er sagt: Farnkhund …, und ich weigere mich, mich zu beeilen, ich weigere mich, … Und Farnkhund sagt: Wenn der Verwandte deines Mannes nicht zustimmt, dass du zu deiner Mutter zurückkehren sollst, wie soll ich dich dann mitnehmen? Warte, bis … kommt; vielleicht kommt Nanai-dhat. Ich lebe elend, ohne Kleidung, ohne Geld; ich bitte um einen Kredit, aber niemand will mir einen geben, also bin ich auf die Almosen des Priesters angewiesen. Er sagte zu mir: Wenn du gehst, werde ich dir ein Kamel geben, und ein Mann soll mit dir gehen, und unterwegs werde ich gut auf dich aufpassen. Möge er das für mich tun, bis du mir einen Brief schickst!
(Übersetzung: Ulrike-Christiane Lintz, Museo-on)
Quelle: The Sogdian Ancient Letters translated by Prof. Nicholas Sims-Williams, School of Oriental and African Studies, University of London. Introduction by Prof. Daniel C. Waugh, University of Washington, auf depts.washington.edu, abgerufen am 25.03.2026; Sims-Williams, Nichola. "Ancient Letters". Nicholas Sims-Williams (School of Oriental and African Studies) discusses the “Sogdian Ancient Letters”, auf sogdians.si.edu, abgerufen am 25.03.2026.

Brief 2: Von dem sogdischen Kaufmann Nanai-vandak
Der zweite der sogdischen Briefe, der ohne Zweifel der umfangreichste und informativste ist, wurde von Nanai-vandak verfasst, einem sogdischen Kaufmann, der vermutlich in Jincheng, Westchina, ansässig war. Der Brief richtet sich an zwei Geschäftspartner in Samarkand, der Hauptstadt von Sogdien, die mehr als 2.000 Meilen westlich gelegen ist. Er wurde durch eine innere Hülle aus brauner Seide geschützt, während ein äußerer Umschlag aus grobem Stoff die Anweisungen zur Zustellung des Briefes enthielt.
Inhalt:
Nach den konventionellen Grußformeln:
"An den edlen Herrn ... 1.000 (und) 10.000 (mal) Segen (und) Ehrerbietung auf gebeugten Knien, wie sie den Göttern dargebracht wird, gesandt von seinem Diener Nanai-vandak. Und, meine Herren, (es wäre) ein guter Tag für den, der euch glücklich (und) frei von Krankheit sehen könnte; und, meine Herren, da ich (von) eurer (guten) Gesundheit gehört habe, halte ich mich für unsterblich!"
beginnt das Dokument mit Informationen über die Vertreter und Geschäftspartner des Verfassers in verschiedenen chinesischen Städten, gefolgt von einem Bericht über die angespannt politische Situation in China. In den beschriebenen Ereignissen finden sich eine verheerende Hungersnot, die zur Flucht des Kaisers aus seiner Hauptstadt Luoyang führte, sowie die Plünderungen der Städte Yecheng 鄴城 in der Provinz Hebei und Luoyang durch die Xiongnu 匈奴, auch bekannt als "Hunnen". Das Wort HunneN wird in der Regel vom chinesischen Begriff für das Volk der Xiongnu abgeleitet. Die Bezeichnung Hunnen taucht in abgewandelter Form als Chounoi im 2. Jahrhundert n. Chr. in der Geographie des Griechen Ptolemaios auf. Dass damit die um 375 nach Osteuropa vorstoßenden Hunnen gemeint sind, wird in der neueren Forschung aber eher bezweifelt, da eine reine Namensähnlichkeit mit dieser 200 Jahre nach der Erwähnung bei Ptolemaios in Erscheinung tretenden Gruppe kaum aussagekräftig ist. In der neueren Forschung wird eine derartige Kontinuität nur von wenigen Historikern vertreten. Durch den Vergleich des Berichtes von Nanai-vandak mit den chinesischen Chroniken lassen sich diese dramatischen Ereignisse auf die Jahre 307 bis 311 n. Chr. datieren. Nach der Darstellung dieser Katastrophen widmet sich der Verfasser seinem Hauptanliegen – den Marktverhältnissen und der Situation seiner Landsleute.
Von den meisten seiner Vertreter in China hat er seit mehreren Jahren keine Nachrichten mehr erhalten. Einer von ihnen jedoch, den er vor vier Jahren nach Luoyang entsandt hatte, hatte berichtet, dass „die Inder und Sogdier dort alle verhungert seien“.
Der letzte Teil des Briefes enthält das, was faktisch das Testament von Nanai-vandak ist, der sich selbst als „am Rande des Todes“ betrachtet. Er gibt seinen Partnern daher Anweisungen, wie sie mit einer beträchtlichen Geldsumme, die er zu Hause hinterlegt hatte, sowie mit dem Vermögen seines Vaters Takut verfahren sollen. Hauptbegünstigter ist ein Kind namens Takhsich-vandak, wahrscheinlich Nanai-vandaks Sohn oder Enkel, in dessen Namen der größte Teil des Vermögens angelegt werden soll und für den eine Ehefrau gefunden werden soll, sobald er volljährig wird. Ein Teil des Vermögens wird auch den Adressaten und anderen Geschäftspartnern des Verfassers zugewiesen, vermutlich um zumindest teilweise ihre Kosten für die Betreuung von Takhsich-vandak während seiner Minderjährigkeit zu decken.
Im Gegensatz zu den anderen Briefen, die nach Tagen und Monaten (leider jedoch nicht nach Jahren) gemäß dem chinesischen Kalender datiert sind, ist Brief Nr. 2 auf den sogdischen Monat Taghmich (Juni/Juli) im dreizehnten Regierungsjahr eines ansonsten unbekannten Herrschers datiert, möglicherweise eines Herrschers von Samarkand. Bedenkt man die Zeit, die es gedauert hätte, bis die Nachricht von der Plünderung Luoyangs im Juli 311 Nanai-vandak erreicht hätte, wurde der Brief wahrscheinlich im Jahr 312 oder 313 n. Chr. verfasst.
Text:
[Envelope] . . . should send and bring [this] letter to Samarkand. And [the noble lord Varzakk . . . should receive(?)] it all(?) [complete(?)]. Sent [by his] servant Nanai-vandak.
[Verso] To the noble lord Varzakk (son of) Nanai-thvar (of the family) Kanakk. Sent [by] his servant Nanai-vandak.
[Recto] To the noble lord Varzakk (son of) Nanai-thvar (of the family) Kanakk, 1,000 (and) 10,000 (times) blessing (and) homage on bended knee, as is offered to the gods, sent by his servant Nanai-vandak. And, sirs, (it would be) a good day for him who might see you happy (and) free from illness; and, sirs, (news of) your (good) health having been heard (by me), I consider myself immortal!
And, sirs, Armat-sach in Jiuquan (is) safe (and) well and Arsach in Guzang (is) safe (and) well. And, sirs, it is three years since a Sogdian came from "inside" [i.e. from China]. I settled(?) Ghotam-sach, and (he is) safe (and) well. He has gone to Kwr¹ynk, and now no-one comes from there so that I might write to you about the Sogdians who went "inside," how they fared (and) which countries they reached. And, sirs, the last emperor, so they say, fled from Luoyang because of the famine, and fire was set to his palace and to the city, and the palace was burnt and the city [destroyed]. Luoyang (is) no more, Ye (is) no more! Moreover, the . . . Huns(?),
and they . . . Changan, so that they hold(?) it(?) . . . as far as N'yn'ych and as far as Ye, these (same) Huns [who] yesterday were the emperor's (subjects)! And, sirs, we do not know wh[ether] the remaining Chinese were able to expel the Huns [from] Changan, from China, or (whether) they took the country beyond(?). And [. . . in . . . there are] a hundred freemen from Samarkand . . . in [. . .] Dry'n there are forty men. And, sirs, your [. . . it is] three years since [. . . came] from "inside" . . . unmade (cloth)(?). And from Dunhuang up to Jincheng in . . . to sell, linen cloth is going [= selling well?], and whoever has unmade (cloth)(?) or raghzak (which is) not (yet) brought (to market)(?), not (yet) taken, [can](?) sell [all](?) of it
. . . And, sirs, as for us, whoever dwells (in the region) from Ji[ncheng](?) up to Dunhuang, we (only) survive [lit. "have breath"] so long as the . . . lives, and (we are) without family(?), both old and on the point of death. If this were not (so), [I would] not be ready(?) to write to you (about) how we are. And, sirs, if I were to write to you everything (about) how China has fared, (it would be) beyond(?) grief: there is no profit for you (to gain) therefrom. And, sirs, it is eight years since I sent Saghrak and Farn-aghat "inside" and it is three years since I received a reply from there. They were well . . ., (but) now, since the last evil occurred, I do [not] receive a reply from there (about) how they have fared. Moreover, four years ago I sent another man named Artikhu-vandak.
When the caravan departed from Guzang, Wakhush[akk] the . . . was there, and when they reached Luoyang, bo[th the . . .] and the Indians and the Sogdians there had all died of starvation. [And I] sent Nasyan to Dunhuang, and he went "outside" [i.e. out of China] and entered (Dunhuang), (but) now he has gone without (obtaining) permission from me, and he has (received) a great retribution and was struck dead in the . . .
Lord Varzakk, my greatest hope is in your lordship! Pesakk (son of) Dhruwasp-vandak holds 5[...]4 staters from me and he put it on deposit(?), not to be transferred, and you should hold [it . . .] sealed from now (on), so that without (my) permission . . . Dhruwasp-van[dak] . . .
[Lord] Nanai-thvar, you should remind Varzakk that he should withdraw(?) this deposit(?), and you should (both) count [it], and if the latter is to hold it, then you should (both) add(?) the interest to the capital and put it in a transfer document, and you (Nanai-thvar) should give this too to Varzakk. And if you (both) think (it) fit that the latter should not hold it, then you should (both) take it and give it to someone else whom you do think fit, so that this money may thereby become more. And, behold, (there is) a certain orphan . . . dependent(?) on this income(?), and if he should live and reach adulthood [lit. "years"], and he has no hope of (anything) other than this money, then, Nanai-thvar, (when) it should be heard that Takut has departed(?) to the gods -- the gods and my father¹s soul (will) be a support(?) to you! -- and when Takhsich-vandak is grown up [lit. "big"], then give him a wife and do not send him away from yourself. Mortal(?) gratification(?) has departed(?) from us(?) in the . . ., because (from) day (to) day we expect murder(?) and robbery. And when (the two of) you need cash, then you (Nanai-thvar) should take either 1,000 staters or 2,000 staters out of the money. And Wan-razmak sent to Dunhuang for me 32 (vesicles of) musk belonging to Takut so that he might deliver them to you. When they are handed over you should make five shares, and therefrom Takhsich-vandak should take three shares, and Pesakk (should take) one share, and you (should take) one share.
[Verso] This letter was written [lit. "made"] when it was the year thirteen of Lord Chirth-swan in the month Taghmich."
Übersetzung:
[Vorderseite] … soll [diesen] Brief nach Samarkand schicken und bringen. Und [der edle Herr Varzakk … soll ihn (?)] vollständig (?) [empfangen (?)]. Gesandt [von seinem] Diener Nanai-vandak.
[Rückseite] An den edlen Herrn Varzakk (Sohn von) Nanai-thvar (aus dem Geschlecht) Kanakk. Gesandt [von] seinem Diener Nanai-vandak.
[Vorderseite] An den edlen Herrn Varzakk (Sohn von) Nanai-thvar (aus der Familie) Kanakk, 1.000 (und) 10.000 (mal) Segen (und) Ehrerbietung auf gebeugten Knien, wie sie den Göttern dargebracht wird, gesandt von seinem Diener Nanai-vandak. Und, meine Herren, (es wäre) ein guter Tag für den, der euch glücklich (und) frei von Krankheit sehen könnte; und, meine Herren, da ich (von) eurer (guten) Gesundheit gehört habe, halte ich mich für unsterblich!
Und, meine Herren, Armat-sach in Jiuquan geht es gut und Arsach in Guzang geht es gut. Und, meine Herren, es ist drei Jahre her, seit ein Sogdier von „innen“ [d. h. aus China] kam. Ich habe Ghotam-sach angesiedelt (?), und (es geht ihm) gut und er ist wohlauf. Er ist nach Kwr¹ynk gegangen, und nun kommt niemand mehr von dort, sodass ich euch über die Sogdier schreiben könnte, die „nach innen“ gingen, wie es ihnen erging (und) welche Länder sie erreichten. Und, meine Herren, der letzte Kaiser, so sagt man, floh wegen der Hungersnot aus Luoyang, und sein Palast und die Stadt wurden in Brand gesteckt, und der Palast brannte nieder und die Stadt [wurde zerstört]. Luoyang (gibt es) nicht mehr, Ye (gibt es) nicht mehr! Außerdem die … Hunnen(?),
und sie … Changan, sodass sie es (?) … bis nach N'yn'ych und bis nach Ye halten, diese (selben) Hunnen, [die] gestern noch Untertanen des Kaisers waren! Und, meine Herren, wir wissen nicht, ob die verbliebenen Chinesen in der Lage waren, die Hunnen aus Changan, aus China, zu vertreiben, oder ob sie das Land jenseits davon eingenommen haben. Und [. . . in . . . gibt es] hundert Freie aus Samarkand . . . in [. . .] Dry'n gibt es vierzig Männer. Und, meine Herren, es ist [. . .] drei Jahre her, seit [. . .] aus dem „Inneren“ . . . ungefertigtes (Tuch)(?) [kam]. Und von Dunhuang bis nach Jincheng in . . . zum Verkauf, Leinenstoff geht [= verkauft sich gut?], und wer auch immer ungefertigten (Stoff)(?) oder raghzak (das) (noch) nicht (auf den Markt) gebracht(?), (noch) nicht genommen hat, [kann](?) [alles](?) davon verkaufen
. . . Und, meine Herren, was uns betrifft, alle, die (in der Region) von Ji[ncheng](?) bis nach Dunhuang leben, überleben wir (nur) [wörtlich: „atmen“] so lange, wie der . . . lebt, und (wir sind) ohne Familie(?), alt und dem Tod nahe. Wäre dies nicht (so), [wäre ich] nicht bereit(?), euch zu schreiben, wie es uns geht. Und, meine Herren, wenn ich euch alles darüber schreiben würde, wie es China ergangen ist, (wäre es) jenseits(?) aller Trauer: Ihr habt keinen Gewinn (zu ziehen) daraus. Und, meine Herren, es ist acht Jahre her, seit ich Saghrak und Farn-aghat „nach drinnen“ geschickt habe, und es ist drei Jahre her, seit ich eine Antwort von dort erhalten habe. Es ging ihnen gut …, (aber) jetzt, seit das letzte Unglück geschehen ist, erhalte ich keine Antwort mehr von dort (darüber), wie es ihnen ergangen ist. Außerdem habe ich vor vier Jahren einen weiteren Mann namens Artikhu-vandak geschickt. Als die Karawane Guzang verließ, war Wakhush[akk] der … dort, und als sie Luoyang erreichten, waren sowohl der … als auch die Inder und die Sogdier dort alle verhungert. [Und ich] sandte Nasyan nach Dunhuang, und er ging „nach draußen“ [d. h. aus China hinaus] und betrat (Dunhuang), (doch) nun ist er ohne meine Erlaubnis gegangen, und er hat eine große Strafe (erhalten) und wurde im … erschlagen.
Herr Varzakk, meine größte Hoffnung ruht auf Eurer Herrschaft! Pesakk (Sohn von) Dhruwasp-vandak ist im Besitz von 5[...]4 Stater von mir, die er hinterlegt hat (?), damit sie nicht weitergegeben werden, und Ihr solltet sie von nun an versiegelt aufbewahren, damit ohne (meine) Erlaubnis . . . Dhruwasp-van[dak] . . .
[Herr] Nanai-thvar, du solltest Varzakk daran erinnern, dass er diese Einlage abheben soll, und ihr solltet sie (beide) zählen; und falls dieser sie behalten soll, dann solltet ihr (beide) die Zinsen zum Kapital hinzurechnen und dies in einem Übertragungsdokument festhalten, und du (Nanai-thvar) solltest auch dies Varzakk übergeben. Und wenn ihr (beide) es für angebracht haltet, dass dieser es nicht behalten soll, dann solltet ihr (beide) es nehmen und es jemand anderem geben, den ihr für geeignet haltet, damit dieses Geld dadurch mehr wird. Und siehe, es gibt einen gewissen Waisen . . . der von diesem Einkommen(?) abhängig ist, und sollte er leben und das Erwachsenenalter [wörtlich: „Jahre“] erreichen und keine Hoffnung auf (etwas) anderes als dieses Geld haben, dann, Nanai-thvar, (wenn) man hört, dass Takut zu den Göttern gegangen ist(?) -- Die Götter und die Seele meines Vaters (mögen) dir eine Stütze sein! – Und wenn Takhsich-vandak erwachsen [wörtlich: „groß“] ist, dann gib ihm eine Frau und schick ihn nicht von dir fort. Die irdische(?) Befriedigung(?) hat sich von uns(?) in der . . . entfernt, denn (von) Tag (zu) Tag erwarten wir Mord(?) und Raub. Und wenn ihr (beide) Bargeld benötigt, dann sollst du (Nanai-thvar) entweder 1.000 Stater oder 2.000 Stater aus dem Geld nehmen. Und Wan-razmak ließ mir aus Dunhuang 32 (Fläschchen) Moschus von Takut schicken, damit er sie dir übergibt. Wenn sie übergeben sind, sollst du fünf Anteile daraus machen, und davon soll Takhsich-vandak drei Anteile nehmen, und Pesakk (soll) einen Anteil nehmen, und du (sollst) einen Anteil nehmen.
[Rückseite] Dieser Brief wurde im dreizehnten Jahr der Herrschaft von Lord Chirth-swan im Monat Taghmich verfasst."
(Übersetzung: Ulrike-christiane Lintz, Museo-on, 23.05.2026)
Quelle: The Sogdian Ancient Letters translated by Prof. Nicholas Sims-Williams, School of Oriental and African Studies, University of London. Introduction by Prof. Daniel C. Waugh, University of Washington, auf depts.washington.edu, abgerufen am 25.03.2026; Sims-Williams, Nichola. "Ancient Letters". Nicholas Sims-Williams (School of Oriental and African Studies) discusses the “Sogdian Ancient Letters”, auf sogdians.si.edu, abgerufen am 25.03.2026.
Galerie antiker Manuskripte
Diese Galerie bietet einen umfassenden Einblick in das Erbe vergangener Epochen, einschließlich bedeutender Schriftstücke von historischer Relevanz. Jedes Exemplar vermittelt eine eigene Erzählung und demonstriert die hohen Standards der multilingualen Korrespondenz. Sie ermöglichen uns Einblicke in das Alltagsleben sowie die sozialen Netzwerke der antiken Welt. Jedes dieser Dokumente fungiert als ein Fenster in die Vergangenheit und gestattet uns, die sozialen Interaktionen und Beziehungen jener Zeit nachzuvollziehen. Lassen Sie sich von der Vielfalt und dem Detailreichtum dieser antiken Manuskripte inspirieren.
Sir Marc Aurel Stein (1862-1943)

Sir Marc Aurel Stein hat sich als „die herausragendste Synthese aus Gelehrtem, Entdecker, Archäologen und Geographen seiner Epoche“ profiliert. Seine breit gefächerten Interessen führten ihn nach Indien, Iran und Irak, doch besonders bekannt ist er für seine Erforschungen und Entdeckungen entlang der Seidenstraße in den abgelegenen Regionen des chinesischen Turkestans, dem heutigen Xinjiang, sowie in Dunhuang.
Als hochbegabter Sprachwissenschaftler beherrschte Stein bereits im Jugendalter Griechisch, Latein, Französisch und Englisch; zu Hause sprach er Ungarisch und Deutsch. Sein Studium absolvierte er an den Universitäten Wien, Leipzig und Tübingen, wo er 1883 in Indologie und Altiranisch promovierte. Im darauffolgenden Jahr hielt er sich in England auf, um seine Studien in orientalischen Sprachen und Archäologie fortzusetzen. Seine sprachlichen Talente und seine während des Militärdienstes in Ungarn erworbenen Kartografie-Fähigkeiten prädestinierten ihn für kommende Unternehmungen in Zentralasien.
Im Jahr 1904 nahm Stein die britische Staatsbürgerschaft an, nachdem er 1887 nach Indien gereist war, um das Amt des Registrars an der Universität des Punjab zu bekleiden. Im darauffolgenden Jahr wurde er zum Rektor des Oriental College in Lahore ernannt, eine Position, die er bis 1899 innehatte. Dies ermöglichte es ihm, sich intensiv mit den Reisewegen Alexanders des Großen durch Iran und Indien sowie dem chinesischen Pilger Xuanzang nach Zentralasien zu befassen.
Das Interesse der Briten an dem damals als Chinesisch-Turkestan bekannten Gebiet war durch den Wettlauf um den Einfluss zwischen Russland und Deutschland ("The Great Game") geweckt worden. Als "The Great Game" wird der historische Konflikt zwischen dem Britischen Weltreich und dem Russischen Kaiserreich um den Einfluss in Zentralasien bezeichnet. Er dauerte von den Napoleonischen Kriegen bis zum Vertrag von Sankt Petersburg im Jahr 1907, in dem ein Ausgleich und eine Abgrenzung der Interessensphären erreicht wurde. Ähnliche Konflikte gab es später zwischen der Oktoberrevolution im Jahr 1917 bis zur Teilung Britisch-Indiens, 1947. Die Bezeichnung The Great Game wird gewöhnlich dem 1835 bis 1840 in Mittelasien eingesetzten britischen Geheimdienstoffizier Arthur Conolly zugeschrieben.
Obwohl das "The Great Game" zwischen Großbritannien und Russland um Afghanistan und angrenzende Regionen bis 1895 weitgehend abgeschlossen war, gelang es Stein, die Konkurrenzsituation seines neuen Heimatlandes zu seinem Vorteil zu nutzen und Mittel für seine Expeditionen zu akquirieren. Im Jahr 1900 verließ er den Komfort Kaschmirs, um teils Xuanzangs Reise nachzuvollziehen und die Route nach Khotan entlang der südlichen Seidenstraße zu erkunden, wo die iranische, indische und chinesische Kultur historisch aufeinandertrafen. Diese Unternehmung stellte den Auftakt zu seinen vier archäologischen, geografischen und ethnologischen Expeditionen in Türkistan und Ost-Zentralasien dar (Abb. 1).

Steins zweite Expedition (1906–1908) stellt einen entscheidenden Meilenstein in der Erforschung der Sogdier dar. Während dieser Reise, die größtenteils zu Fuß zwischen Lahore, im heutigen Pakistan, und Dunhuang in der nordwestchinesischen Provinz Gansu stattfand, trafen die nördliche und die südliche Seidenstraße nach der Umrundung der Taklamakan-Wüste zusammen.
Zu den bedeutenden buddhistischen Höhlen in der Umgebung von Dunhuang zählen die Mogao-Grotten, auch bekannt als Qianfodong oder „Höhlen der tausend Buddhas“. Stein hatte von einer kürzlich getätigten Entdeckung gehört, die eine kleine, 900 Jahre lang verborgene Höhle betraf, die reich an Manuskripten in verschiedenen Sprachen war. In einem Gespräch mit einem taoistischen Mönch, der sich als "Wächter von Dunhuang" bezeichnete, teilte Stein seine Bewunderung für den renommierten buddhistischen Gelehrten Xuanzang mit. Nach mehreren erfolglosen Versuchen des Mönchs, von lokalen Behörden finanzielle Unterstützung für die Restaurierung der Höhlen zu erhalten, war dieser bereit, Stein die unzähligen religiösen und weltlichen Manuskripte sowie Gemälde und Textilien zu veräußern.

Unter den Funden befand sich eine gedruckte Ausgabe des Diamant-Sutra aus dem Jahr 868 CE., die als ältester bekannter gedruckter Text gilt (Abb. 2). Das Diamant-Sutra wurde etwa im 1. Jahrhundert n. Chr. verfasst, und zählt und zu den wichtigsten Texten des Mahayana-Buddhismus. Es ist Bestandteil der "Prajnaparamita-Sutras“ (sanskr. prajnaparamita = „Vollkommenheit der Weisheit“). Das Diamant-Sutra hat in den verschiedensten asiatischen Ländern schon früh eine weite Verbreitung gefunden. Die erste Druckversion stammt aus Tibet, sie wurde als Holztafeldruck hergestellt und ist vom 11. Mai 868 CE datiert.
Unter den Funden befanden sich auch Dokumente in Sprachen wie Sogdisch, Tibetisch, Sanskrit und Khotanisch. Ein weiterer bedeutender Fund, den Stein machte, war rein zufällig: Bei der Erkundung eines Gebiets etwa neunzig Kilometer westlich von Dunhuang stießen er und sein Team in einem verfallenen Wachturm auf einen verwaisten Postbeutel. In den Ruinen eines Turms wie diesem (Abb.3) fand Sir Aurel Stein den Postbeutel mit den antiken sogdischen Briefen.

Dank des trockenen Klimas und des Schutzes durch die Ruinen sind der Postbeutel und sein Inhalt – fünf nahezu vollständige Briefe in sogdischer Sprache von Sogdiern, die in verschiedenen Teilen Chinas lebten – erhalten geblieben. Diese erweisen sich als unschätzbar wertvoll für unser Verständnis verschiedener Aspekte des sogdischen Handels und der sogdischen Kultur. Sie lassen sich auf die Jahre 313–314 n. Chr. datieren und sind die frühesten umfangreichen Beispiele sogdischer Schrift, die Einblicke in das Leben dieser „Auswanderer“ und die turbulenten Ereignisse in China zu jener Zeit gewähren. Obwohl Stein den Inhalt der antiken Briefe nicht entziffern konnte, wusste er, dass sie von Bedeutung waren (siehe Abb. 4).
Stein war ein begeisterter und akribischer Schreiber. Trotz der gnadenlosen Kälte der Wüste hielt er jeden Abend die Ereignisse des Tages in seiner ordentlichen Kursivschrift fest. Sein umfangreiches Werk „Ruins of Desert Cathay“ ist eine detaillierte Schilderung der gesamten Reise. Mit Hilfe einer Gruppe talentierter Sikh-Führer durchquerte Stein Gebiete, die selbst heute noch als gefährlich gelten. Mehrfach entging er nur knapp Lawinen und überquerte Bergpässe um Mitternacht, um sicherzustellen, dass der Schnee kalt und gefroren blieb. Auf dieser und anderen Expeditionen wurde Stein von einem Hund begleitet – oder besser gesagt, von einer Reihe von Hunden, die er alle Dash nannte.

Trotz der Bedeutung seiner Entdeckungen beschäftigte sich Stein nie sonderlich mit den Sogdiern. Seine Expeditionen führten ihn nie durch das Kernland Sogdiens und seine Begegnungen mit ihrer materiellen Kultur waren eher zufällig. Ihre Wege kreuzten sich, weil Stein dieselben Orte aufsuchte, die schon Jahrhunderte zuvor von sogdischen Händlern aufgesucht worden waren.
1943 starb Stein im Alter von einundachtzig Jahren in Kabul, eine Woche nach seiner Ankunft und mitten in den Planungen für eine Afghanistan-Expedition. 1932 hatte Freya Stark (1893–1993), selbst eine unerschrockene Entdeckerin und versierte Linguistin, Stein als „einen kleinen, zwergenhaften Mann mit Apfelbäckchen und jugendlichen Augen“ beschrieben. Seine unerschütterliche Begeisterung für Zentralasien war damals inspirierend und hat seitdem unzählige Forscher inspiriert.
Die beeindruckende Kultur der Sogdier: Von historischen Schriften bis hin zu 3D-Scannertechnologien
Sogdien, einst ein bedeutendes Handelszentrum an der Seidenstraße, übt aufgrund seiner reichen Geschichte und Kultur eine anhaltende Faszination auf Historiker und Archäologen aus. Bei Museo-on laden wir Sie ein, sich mit uns auf eine Entdeckungsreise durch eindrucksvolle Texte zur Geschichte von Manuskripten und Briefen zu begeben, einschließlich deren Entdeckung durch Aurel Stein. Lassen Sie sich von den Erzählungen über das Leben der Sogdier, ihre Handelsnetze und kulturellen Errungenschaften inspirieren. Diese Texte bieten fundierte Einblicke in die Archäologie und die zentrale Rolle Sogdiens als Verbindungsglied zwischen Ost und West. Der folgende Überblick über die „Wiederentdeckung“ der Sogdier in den letzten 120 Jahren illustriert die verschiedenen Ansätze, mit denen Wissenschaftler eine als verloren geglaubte Kultur rekonstruiert haben.
Zunächst zeigt sich, dass ein überraschend umfangreicher Fundus an Informationen in Texten verschiedener Sprachen – darunter Griechisch, Persisch, Arabisch und Chinesisch – überliefert ist. Diese Erkenntnisse ermöglichen die Zusammensetzung entscheidender Daten über die Sogdier aus verstreuten Hinweisen, die in unterschiedlichen wissenschaftlichen Quellen weltweit dokumentiert sind. Zudem wird erörtert, wie das „Zeitalter der Imperien“ im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine Vielzahl bedeutender Entdeckungen der materiellen Kultur der Sogdier durch britische, russische, französische, deutsche und japanische Wissenschaftler nach sich zog. Diese materielle Kultur ermöglichte es den Sogdiern, nach Jahrhunderten des Schweigens seit dem Verlust einer kohärenten politischen und kulturellen Einheit im 9. Jahrhundert n. Chr. „zu sprechen“.
In der Folge haben weitere archäologische Entdeckungen, insbesondere von sowjetischen Forschern sowie einer internationalen Gemeinschaft von Wissenschaftlern aus Europa und Asien, unser Verständnis für die facettenreichen Aspekte der sogdischen Kultur erheblich erweitert. Dazu zählen unter anderem ihre jenseitigen Vorstellungen sowie die Bekleidung zu gesellschaftlichen Anlässen. Es bleibt spannend abzuwarten, welche neuen Erkenntnisse die kommenden 100 Jahre der Forschung bereithalten werden.
Die Funktion von Briefen im historischen Kontext Sogdiens
Die Briefe aus Sogdien fungieren nicht lediglich als Kommunikationsmittel, sondern stellen auch bedeutende historische Dokumente dar, die wertvolle Einblicke in die soziale, wirtschaftliche und politische Infrastruktur dieser Region bieten. Sie sind ein Beleg für die Multilingualität und den kulturellen Austausch, der in dieser Epoche florierte. Diese Dokumente verdeutlichen, auf welche Weise Nachrichten über weite Distanzen übermittelt wurden und unterstreichen die zentrale Rolle der schriftlichen Kommunikation im Handel sowie in der Diplomatie.
Marc Aurel Steins Entdeckungen
Aurel Stein, ein wegweisender Archäologe, hat durch seine Expeditionen in Sogdien bemerkenswerte Entdeckungen erzielt. Seine Funde von antiken Manuskripten und Artefakten haben das Verständnis über die Sogdier und deren Lebensweise signifikant vertieft. Diese Dokumente zeugen nicht nur von klassischen Entdeckungen, sondern auch von den Herausforderungen, die Stein während seiner Reisen bewältigen musste.
Die Bedeutung der Sogdier für den Handel
Die Sogdier galten als versierte Händler, die die Seidenstraße durchquerten und verschiedene Kulturen miteinander verbanden. Ihre Sprachkenntnisse sowie ihre Anpassungsfähigkeit ermöglichten die Entwicklung eines umfassenden Handelsnetzwerks. In unseren Analysen beleuchten wir, auf welche Weise diese Handelspraktiken das Sogdien zu einem kulturellen Schmelztiegel formten und in welchem Umfang sie am Austausch von Wissen und Gütern zwischen unterschiedlichen Zivilisationen beteiligt waren.
Archäologie in Sogdien
Die archäologischen Stätte in Sogdien gewähren einen außergewöhnlichen Einblick in die Vergangenheit. Die in dieser Region getätigten Entdeckungen sind von erheblichem Wert, sowohl für die Archäologie als auch für die umfassende Geschichte der Region. In unseren Analysen befassen wir uns eingehend mit den Herausforderungen und Errungenschaften der archäologischen Forschungen in Sogdien sowie deren Einfluss auf unser Verständnis der antiken Welt.


































