Inspirierende Einblicke in die Verlagsbranche
In unserer Reihe „Literatur - Aktuelle Neuigkeiten aus den Verlagen“ präsentieren wir eine sorgfältig kuratierte Auswahl zeitgenössischer Literatur, die von unserer Redaktion Museo-on empfohlen wurde. Insbesondere umfasst diese auch Werke jüdischer Autoren in verschiedenen Sprachen, vornehmlich von amerikanischen und israelischen Schriftstellern, die international hochgeschätzt und erfolgreich sind.
Die zeitgenössische jüdische Literatur gewährt tiefgreifende Einblicke in die komplexen Erfahrungen jüdischen Lebens in der modernen Welt. Diese Werke erstrecken sich von Erzählungen, die in historischen Erinnerungen verwurzelt sind, bis hin zu tiefgreifenden Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität in einer globalisierten Gesellschaft.
Die jüdische Literatur zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt an Perspektiven aus, die sowohl zutiefst persönlich als auch universell ansprechend sind. Wir erinnern an bedeutende Autoren wie Nicole Krauss, Jonathan Safran Foer und Michael Chabon, die sich universellen Themen wie Freundschaft, Liebe und Kreativität widmen, stets verankert im historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs.
Der zweite Roman der amerikanischen Schriftstellerin Nicole Krauss, "Die Geschichte der Liebe," wurde im Jahr 2005 veröffentlicht und erlebte 2006 seine deutsche Erstveröffentlichung im Rowohlt Verlag. Im Jahr 2016 wurde die Verfilmung unter der Regie des rumänisch-französischen Filmregisseurs Radu Mihăileanu präsentiert.
Der 2000 erschienene Debütroman des US-amerikanischen Autors Michael Chabon, "Die erstaunlichen Abenteuer von Kavalier und Clay" (im Original: "The Amazing Adventures of Kavalier & Clay"), thematisiert zentrale Fragen der Flucht vor Gewalt. Michael Chabon wurde unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
Im Jahr 2002 folgte der Debütroman "Everything Is Illuminated" des US-amerikanischen Schriftstellers Jonathan Safran Foer, dessen deutsche Übersetzung im Frühjahr 2003 unter dem Titel "Alles ist erleuchtet" (Übersetzung von Dirk van Gunsteren) erschien. Der Roman narriert die Reise eines jungen amerikanischen Schriftstellers, Jonathan Safran Foer, der in die Ukraine aufbricht, um die Frau zu finden, die, den Erzählungen seiner Familie zufolge, seinen Großvater vor den Nazis rettete. Auf einer zweiten Erzählebene lässt sich der Leser in die Geschichte des jüdischen Schtetls Trachimbrod entführen, die sich über Jahrhunderte erstreckt und die Erlebnisse seiner Bewohner mit einem Hang zur märchenhaften Fabulierung schildert.
Die einzigartigen Stimmen dieser Autoren bereichern die literarische Landschaft, indem sie zeitgenössische Themen aus einer jüdischen Perspektive reflektieren. Ein Beispiel ist der Essayband "People Love Dead Jews: Reports from a Haunted Present" (deutsch: "Menschen lieben tote Juden: Berichte aus einer gespenstischen Gegenwart") der US-amerikanischen Autorin, Schriftstellerin und Professorin für jüdische Literatur, Dara Horn, der 2021 im Norton Verlag veröffentlicht wurde. Für seine kritische Auseinandersetzung mit Antisemitismus und der Kommerzialisierung jüdischer Geschichte fand der Essayband große Anerkennung.
Im Zentrum der zeitgenössischen jüdischen Literatur stehen essentielle Themen wie Erinnerung, Identität und Vertreibung. Der Holocaust bleibt ein zentrales Motiv, das in vielfältiger Weise behandelt wird. Sowohl das historische Trauma als auch die Resilienz des jüdischen Volkes finden in dieser Literatur eindringlichen Ausdruck.
Werke wie die Graphic Novel "Maus. Die Geschichte eines Überlebenden" (Originaltitel: "Maus. A Survivor's Tale"), ein Comic von Art Spiegelman, einem renommierten amerikanischen Cartoonisten und Comicautor, illustrieren eindrucksvoll die Erlebnisse seines Vaters, eines Überlebenden von Auschwitz, und erfassen zudem seine eigenen Reaktionen auf diese Geschichte.
Die deutsch-jüdische Literaturszene wird zudem durch israelische Autoren bereichert, die zeitweise oder dauerhaft in Deutschland leben, wie Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa und wohnhaft in Berlin. Sein Debütwerk „Stein, Papier“ erschien 2011 auf Hebräisch und erhielt 2013 eine deutsche Übersetzung. 2016 veröffentlichte er den Roman „Broken German“, der beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt besondere Anerkennung fand. Für seinen Roman „Eine runde Sache“ wurde er 2022 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.
Tomer Gardi wurde für seine literarischen Arbeiten mehrfach mit angesehenen Stipendien belohnt. Sein neuestes Werk, „Liefern“ (in Teilen aus dem Hebräischen übersetzt von Anne Birkenhauer, 2. Druckauflage, 2026), erschienen im Kett-Cotta Verlag, ist das Ergebnis umfassender Recherchen, die über drei Jahre hinweg in sechs Städten durchgeführt wurden. Essenslieferanten sind omnipräsent in Städten wie Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin. Gardi vereint ihre Erfahrungen zu einem globalen Epos, das die Gegenwart eindrucksvoll widerspiegelt.
»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.« Pieke Biermann
»Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat" (Klett-Cotta Verlag)
Zeitgenössische israelische Autoren beschäftigen sich nicht nur mit der Rückschau auf die Shoah, sondern auch mit der vielschichtigen Natur der modernen jüdischen Identität. Zentral behandelte Themen umfassen Assimilation, kulturelle Bewahrung sowie das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne. In ihrer kontinuierlichen Entwicklung spiegelt die zeitgenössische jüdische Literatur die dynamischen und vielfältigen Erfahrungen des gegenwärtigen jüdischen Lebens wider.
Die Werke dieser Autoren gewähren tiefgehende Einblicke in Essenzen wie Erinnerung, Identität und Resilienz, untermauert durch eine Vielzahl von Stimmen und innovative Erzähltechniken. Diese zeitgenössischen jüdischen Schriftsteller fungieren als literarische Schnittstelle, die Leserinnen und Leser mit dem facettenreichen Wesen jüdischer Kultur und den spezifischen Erfahrungen der heutigen jüdischen Gemeinschaft verbindet. Diese Verknüpfung erfolgt sowohl durch eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als auch durch eine kritische Reflexion der Komplexität der Gegenwart.
Wir laden Sie ein, unsere Auswahl an Literatur zu erkunden, die die Diversität globaler Kulturen und Religionen widerspiegelt. Diese umfasst verschiedene Genres, die sich mit Themen wie Verfolgung und Identität auseinandersetzen, sowie Werke, die die Lebensrealitäten und aktuellen Herausforderungen von Personen unterschiedlicher ethnischer Herkunft beleuchten. Darüber hinaus präsentieren wir religions- und kulturwissenschaftliche Publikationen sowie detaillierte Porträts außergewöhnlicher Persönlichkeiten und informieren begleitend über eine vielfältige Auswahl an Autorenevents.
Wir freuen uns, eine Schnittstelle zwischen Kunst, Literatur und visuellen Medien zu schaffen. Unsere Bildgalerie dient nicht nur als Inspirationsquelle, sondern auch als Medium zur Würdigung der Vielfalt menschlicher Erfahrungen, die durch literarische Werke repräsentiert und zum Ausdruck gebracht werden.

Persönliche Einsichten – Ein Bekenntnis zur Literatur
Eine Auswahl die unsere Literaturredaktion empfiehlt
Amir Tibon
"Die Tore von Gaza"
In "Die Tore von Gaza" wird dargelegt, dass Reportage und Erzählung nicht lediglich als Instrumente der Geschichtsschreibung fungieren, sondern auch zur Dokumentation persönlicher Erfahrungen beitragen. Amir Tibons Werk bietet bedeutende Erkenntnisse über die Entstehung zentraler literarischer Werke und deren nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft.
"Die Tore von Gaza" - Lesung und Gespräch mit Amir Tibon
Video: Literatur im Fokus
Amir Tibon spricht mit Verleger Jonathan Landgrebe über sein neues Buch Die Tore von Gaza, in dem er seine Erlebnisse vom 7. Oktober 2023 schildert. Tibon lebte bis zum Hamas-Angriff an diesem Tag gemeinsam mit seiner Frau und Kindern im Kibbuz Nahal Oz, einer israelischen Siedlung an der Grenze zum Gazastreifen. Sein Buch ist ein Protokoll der brutalen Ereignisse am 7. Oktober und erzählt auf einer zweiten Ebene zugleich die konflikthafte Geschichte Israels und seiner Nachbarstaaten. So nähert er sich dem Tag des Massakers auch aus historischer Sicht und benennt, welche Verantwortung die Regierung Benjamin Netanyahus für die Zuspitzung des Konflikts bis zum Angriff der Hamas trägt. Die Veranstaltung fand am 17. September 2024 im Suhrkamp Verlag statt, das Gespräch wurde auf Englisch geführt, deutsche Untertitel sind vorhanden. Die Lesung der deutschen Texte aus Tibons Buch, übersetzt von Ursula Kömen, übernahm Johanna Polley.
Reportage und Geschichte des 7. Oktobers 2023 – geschildert von einem Überlebenden des Kibbuz Nahal Oz. Die Tore von Gaza erzählt die Geschichte des 7. Oktobers durch das Prisma der Ereignisse, die in Nahal Oz über die Familie von Amir Tibon hereinbrachen, die schließlich von seinem eigenem Vater mit unglaublichem Mut gerettet wurde. Das Buch schildert den jahrzehntelangen Kampf einer Gemeinschaft um Leben, Wohlstand und Wachstum an einer der gefährlichsten Grenzen der Welt. Es ist zugleich eine kurze Geschichte Israels, auch über das Versagen der israelischen Politik, für die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu sorgen. Mit großer Einfühlung und auf der Grundlage israelischer und palästinensischer Quellen sowie Originalinterviews mit den Polizisten und Soldaten, die am 7. Oktober an der Seite seiner Eltern kämpften, zeichnet Amir Tibon einen schonungslosen, aber letztlich hoffnungsvollen Blick auf diesen scheinbar unlösbaren Konflikt und seine globalen Auswirkungen. Das Buch ist Reportage und Geschichte des Massakers, dessen Datum für immer im Gedächtnis bleiben wird: der 7. Oktober 2023.
"Amir Tibon ...verwebt in seinem Buch den dramatische Angriff auf einen der
Kibbuzim, Nagal Oz, mit der Geschichte dieses direkt dem Gazastreifen gelegenen Ortes.
... Die Kapitel, in denen Tibon die Vorgänge jenen Tages im Kibbuz schildert, muten
teils an wie ein mit besonders viel Fantasie - und Grausamkeit - erdachter Actionthriller."
René Wildangel, Süddeutsche Zeitung
"Es ist ein 24-Stunden-Protokoll des Todes. das verstört und berührt."
DER SPIEGEL
"Tibon verbindet ... das Erleben des Überfalls mit einer scharfen Analyse der israelischen
Gesellschaft."
Andreas Fanizadeh, wochentaz
"Amir Tibon als Redner, Buchautor und Überlebender besteht in der Sichtbarmachung
der Bezüge von Gegenwärtigem und Vergangenem ..."
Len Sander, Berliner Zeitung
Quelle: Suhrkamp Verlag


















