Die Biografie von Moshe Kalontar

Die herausragende Geschichte von "Moshe Kalontar"

 Einblick in das Leben eines bedeutenden
 jüdischen 
Philanthropen

Moshe Kalontar (Moshe ben Abulkhair), geboren im Jahr 1815 in Samarkand, war ein herausragender jüdischer Philanthrop, der für seine großzügigen Beiträge und sein unermüdliches Engagement zugunsten der jüdischen Gemeinschaft in Samarkand weithin anerkannt wird. Schon in jungen Jahren offenbarte er bemerkenswerte Fähigkeiten im Umgang mit Menschen sowie eine bemerkenswerte Fertigkeit, Ressourcen zu mobilisieren, um die nötige Unterstützung bereitzustellen.

Im 19. Jahrhundert sah sich die jüdische Gemeinschaft in Samarkand, Usbekistan, mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die sowohl kulturelle als auch wirtschaftliche Dimensionen umfassten. Moshe Kalontar identifizierte die Bedürfnisse seiner Mitbürger und engagierte sich kontinuierlich, um sicherzustellen, dass diese, insbesondere in Krisenzeiten, die erforderliche Unterstützung erhielten. Die von ihm ins Leben gerufenen Initiativen leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der jüdischen Gemeinde und ermöglichten es zahlreichen Beteiligten, ein Leben in Würde zu führen.

Seine herausragendste Leistung war der Ausbau und die Etablierung des jüdischen Viertels in Samarkand, das zahlreichen jüdischen Familien als sicherer Hafen diente. Dieser Ort entwickelte sich nicht nur zu einem bemerkenswerten Zentrum des kulturellen Lebens, sondern auch zu einem bedeutenden Symbol für Hoffnung und Resilienz. Das Erbe von Moshe Kalontar findet bis zum heutigen Tag in der Gemeinschaft der bucharischen Juden seine Fortdauer, die maßgeblich durch seine selbstlosen Taten und seine visionäre Perspektive geprägt wurde.

Moshe Kalontar: Ein Leben geprägt von unerschütterlicher Hoffnung

Moshe Kalontar (1815–1878) wurde in einer dynamischen Zeit geboren, in der der Einfluss und die Herausforderungen der jüdischen Gemeinde seiner Heimat stark spürbar waren. Er  war ein bedeutender  Philanthrop und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde (Kalontar)  bucharischer Juden im zentralasiatischen Emirat Buchara. Er gilt als maßgeblicher Gestalter des historischen jüdischen Viertels in Samarkand und spielte eine zentrale Rolle bei der Stärkung der dortigen Gemeinde im 19. Jahrhundert. Moshe Kalontar  wurde 1815 in Shahrisabz geboren. Shahrisabz, etwa 80 km südlich von Samarkand gelegen, ist nicht nur  eine der ältesten Städte Usbekistans, sondern auch  die Geburtsstadt eines der berühmtesten Herrscher der Geschichte: Timur Lenk, auch bekannt als Tamerlan. Nach dem frühen Tod seines Vaters Ilyov Abulkhair zog er als Zehnjähriger mit seiner Familie heimlich nach Samarkand.

 

Einflussfaktoren in der Jugendphase

Moshe Kalontar wurde im Jahr 1815 als Sohn von Ilyov Abulkhair und Khano in Shahrisabz geboren, einer Stadt, die zu jener Zeit die drittgrößte im Emirat Buchara war. Diese Epoche war für die jüdische Gemeinschaft in Buchara von gravierenden Schwierigkeiten geprägt. Im Alter von zehn Jahren musste Moshe den Tod seines Vaters hinnehmen, was dazu führte, dass die verwaiste Familie heimlich nach Samarkand übersiedelte. In seiner Jugend erwarb Moshe umfangreiche Kenntnisse über die jüdische Geschichte sowie deren Traditionen. Diese einschneidenden Erfahrungen prägten seine Identität und festigten sein Engagement für relevanten Themen innerhalb seiner jüdischen Gemeinschaft.

Frühe Aktivitäten und  Erfolge

Bereits in ihrer Jugend erlangten Moshe und sein älterer Bruder Benyamin ihr Einkommen als Wasserträger und etablierten sich gleichzeitig als versierte Experten in der Färbekunst von Textilien und Garnen. Amir Nasrulloh Khan, der Emir von Buchara, begegnete Moshe, der zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt war, in der Nähe des Registan-Platzes, bevor er 1827 die Herrschaft über Samarkand (reg. 1827 bis 1860 n. Chr.) antrat. In Anerkennung von Moshes Talenten ernannte er ihn zum Kalontar. In dieser Funktion wurde Moshe als erster offiziell eingesetzter Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Samarkand benannt. Diese frühen Erfahrungen legten den Grundstein für sein späteres Engagement in der jüdischen Gemeinschaft Zentralasiens.

Sein Engagement für die jüdische Gemeinschaft

Moshe Kalontars Engagement für die jüdische Gemeinschaft gründet auf einer tief verwurzelten Verbindung zu deren Kultur und Geschichte. Er hat sich intensiv mit sozialen Fragen auseinandergesetzt und sich aktiv für die Stärkung der Stimme der jüdischen Bevölkerung eingesetzt. Sein unermüdlicher Einsatz zur Bewältigung der Herausforderungen sowie zur Anerkennung der Errungenschaften der jüdischen Gemeinschaft hat nachhaltige Spuren hinterlassen.

Ein Vermächtnis der Inspiration

Moshe Kalontar ist ein herausragendes Beispiel für den Einfluss eines Einzelnen auf die jüdische Gemeinschaft. Seine zahlreichen Beiträge und wegweisenden Errungenschaften inspirierten weiterhin viele Personen dazu, sich aktiv in ihren eigenen Gemeinschaften zu engagieren und die bedeutenden Geschichten der Vergangenheit zu bewahren.

Das jüdische Viertel in Samarkand - Einblicke in eine faszinierende Geschichte

Die antike Stadt Samarkand, „Perle des Orients“ im heutigen Usbekistan, war eines der wichtigsten Handelszentren und das schlagende Herz der alten Seidenstraße. Als historischer Schmelztiegel der Kulturen verbindet die Oasenstadt spektakuläre islamische Architektur mit einer über 2.000-jährigen Geschichte, die bis heute fasziniert. Aufgrund ihrer strategischen Lage zwischen China, Persien und dem Mittelmeer war die Stadt ein zentraler Umschlagplatz für Händler. Neben Seide, Gewürzen und Keramik wurden hier vor allem Wissen, Religionen und Technologien ausgetauscht. Im 14. Jahrhundert machte der Eroberer Timur Lenk die Stadt zur prunkvollen Hauptstadt seines Weltreich, in der vielfältige  Kulturen und Traditionen unterschiedlicher Völker auf harmonische Weise koexistierten. Ein bedeutendes Element der Geschichte, Wirtschaft und Kultur von Samarkand stellen die Bucharischen Juden dar. Allerdings sind historische Nachweise über die Ansiedlung jüdischer Bevölkerung in Samarkand vergleichsweise spärlich. 

Ein Beispiel hierfür stellt die Erwähnung von Juden in Samarkand durch den islamischen Universalgelehrten Abū Ḥafṣ  Umar al-Nasafi (1067–1142 CE) dar, der in seinem Werk „Al-Qandiyya“ (1112) Bezug auf diese Gemeinschaft nimmt. 

Mittelalterliche Quellen liefern einige Angaben zur Architektur, den Basaren und  Handelszentren von Samarkand in jener Zeit. Eine dieser Quellen ist das historisch-biografische Werk "al-Qand fī dhikr ʿulamāʾ Samarqand“ ("Das Süße in der Kunde über die Gelehrten von Samarkand“), verfasst in arabischer Sprache von dem berühmten zentralasiatischen Gelehrten und Enzyklopädisten Nadschm ad-Dīn Abū Hafs ʿUmar ibn Muhammad an-Nasafī al-Māturīdī (1068–1142 CE). Er zählt zu den herausragendsten Gelehrten Zentralasiens aus der Zeit der Karachaniden auf dem Gebiet der Sozial- und Religionswissenschaften (Brockelmann 1898, 426; Brockelmann 1937, 757; Sezgin I, 353). Abū Ḥafṣ al-Nasafī stammte ursprünglich aus Nasaf, verbrachte jedoch den Großteil seines Lebens in der Hauptstadt der Karachaniden-Dynastie, Samarkand. Abū Ḥafṣ al-Nasafī war in Samarkand ansässig und kannte seine Heimatstadt gut. Daher enthält sein Werk wertvolle Informationen zur historischen Topografie des mittelalterlichen Samarkand, insbesondere zu dessen städtischen Basaren und Handelszentren (Rabats, Tims), die im Wirtschaftsleben dieser  Region eine bedeutende Rolle spielten.

Aus schriftlichen Quellen sind die Titel von mehr als einhundert Werken Abū Ḥafṣ al-Nasafīs bekannt – unter anderem aus den Bereichen Hadith- und Fiqh-Studien, Geschichte, Philologie sowie Koranexegese (Tafsir) (al-Ziriklī V, 222) –, doch in den Handschriftensammlungen und -beständen weltweit sind nur etwa dreißig davon erhalten (Brockelmann 1898, 427–428). 

Zu den Werken von Abū Ḥafṣ al-Nasafī zählt sein besonders interessantes historisch-biografisches Werk "Al-Qand fi dhikr ‚ulama‘ Samarqand“ („Das Süße in der Referenz der Gelehrten von Samarqand“), geschrieben auf Arabisch (al-Nasafi 1991; al-Nasafi 1999), als eine Fortsetzung  der Werke   "Die Geschichte von Samarqand“ von Abu Sa'd 'Abd al-Rahman ibn Muhammad al-Idrisi (gestorben 1014-15 CE) und "Die Geschichte von Samarqand“ von Abu-l-Abbas Dja‘far ibn Muhammad al-Mustaghfiri (gestorben 1040-41 CE) (Haji Khalifa II, 13; IV: 571; Barthold 1963, 60; Sezgin I, 353). Das Werk von  Abū Ḥafṣ al-Nasafī wurde von seinem Schüler Abu-l-Fadl Muhammad ibn ‘Abd al-Djalil al-Samarqandi abgeschrieben, der auch eine gekürzte Fassung davon verfasste. Es gibt zudem zwei gekürzte persische Fassungen mit den Titeln "Qandiya-i Khurd“ "Die kleine Qandiya“) und "Qand dar ta‘rif-i Samarqand“ ("Das Süße in der Darstellung Samarkands“); beide sind bis heute in zahlreichen Abschriften erhalten und werden in verschiedenen Handschriftensammlungen weltweit aufbewahrt (Storey II, 1113–1115; Miklukho-Maklay 1955, 15–12; Ivanow 1926, 252). Die erste Fassung der "Qandiya“ wurde 1906 in russischer Übersetzung veröffentlicht (Kandiya), die zweite Fassung hingegen 1909 in Samarkand sowie 1955 in Teheran (Storey II, 1114–1115).

Das Werk Abū Ḥafṣ al-Nasafī  wurde stark überarbeitet und verändert, sodass man sich nach der Lektüre kaum noch ein Bild von seinem ursprünglichen Charakter machen kann. Die erhaltenen Teile des Buches enthalten halb-legendäre Erzählungen aus vorislamischer Zeit sowie Legenden über die arabische Eroberung und die Bauwerke Samarkands. Der Großteil des Werks besteht aus Angaben zu lokalen Heiligen, Geschichten über deren Taten und Beschreibungen ihrer Grabstätten (Masare). 

Von besonderem Wert sind die Informationen über das Bewässerungssystem Samarkands und einiger Dörfer in dessen Umgebung (Belenitskiy 1973, 138; Barthold 1963, 60). Wahrscheinlich geht nur der erste Teil der "Qandiya“ – der die Ereignisse der vorislamischen Zeit und der arabischen Eroberung behandelt – auf eine im 12. Jahrhundert verfasste Kurzfassung von Muhammad ibn ‘Abd al-Djalil al-Samarqandi zurück, während die übrigen Teile möglicherweise erst später, im 13. bis 15. Jahrhundert, entstanden sind [Barthold 1963, 61; Paul 1993, 80–81].

Abū Ḥafṣ al-Nasafī Angaben zu Samarkand sind von großem Wert, da er den Großteil seines Lebens in dieser Stadt verbrachte und folglich über fundierte Kenntnisse ihrer Topografie verfügte.

Insgesamt nennt Abū Ḥafṣ al-Nasafī 88 historische Ortsbezeichnungen von Samarkand: 3 Mauern (ḥā’iṭ) der Stadt, 3 Tore der Innenstadt (bāb), 2 Tore der Außenstadt (darb), 15 Stadtviertel (maḥalla), 32 Straßen (sikka), 7 Friedhöfe (maqbara), 8 Moscheen (masǧid), 3 religiöse Schulen (madrasa), 3 Sufi-Herbergen (ḫānaqāh), 7 Karawansereien (ribāṭ), 4 Handelszentren (ḫān, ḥānūt) und 1 Wasserbecken (ḥauḍ). 

Shamsiddin Kamoliddin, Doctor of Historical Sciences, Professor, Tashkent, Uzbekistan und Shoirakhon Saidjabbor Doctor of Philosophy in Economics (PhD), Associate Professor, National University of Uzbekistan, präsentieren in ihrem  Beitrag insbesondere die Angaben von Abū Ḥafṣ al-Nasafī zu den Märkten (bāzār) des mittelalterlichen Samarkand. Das historische Werk von Abū Ḥafṣ al-Nasafī enthält somit zahlreiche wertvolle und interessante Informationen zur historischen Topographie des mittelalterlichen Samarkand, insbesondere zu den Basaren und Handelszentren. Die Angaben im Buch belegen, dass sich die wichtigsten Handelszentren und Basare Samarkands im Frühmittelalter in der südlichen Vorstadt konzentrierten, während sie in vorislamischer Zeit innerhalb der "Madīna" auf dem Gelände der Siedlung Afrasiab gelegen hatten. Es gab verschiedene Basare, die auf den Handel mit unterschiedlichen Arten handwerklicher Erzeugnisse spezialisiert waren. Die Handwerker - darunter  Jüdische Bewohner (Anm. des Autors: Noch bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohnten die Juden in separaten Stadtteilen der Altstadt) -  lebten am selben Ort in der Nähe ihrer dukkān (دكان) und ḥānūt (حانوت) – also kleiner Läden; auch ihre Arbeitsstätten befanden sich in unmittelbarer Nähe dieser Geschäfte. Die Handwerkerviertel lagen nahe bei fließenden Gewässern, da für die Produktion Wasser benötigt wurde. Die Handwerker mieteten ihre Werkstätten und die entsprechenden Grundstücke meist an; als Eigentümer kamen Herrscher, deren Angehörige, sonstige Grundbesitzer oder Waqf-Stiftungen infrage. Es gab zudem bedeutende Handelszentren – bekannt als Khan (خان), Tim (تيم) oder Ribat (رباط) –, in denen Händler abstiegen, die mit Karawanen aus anderen Teilen der Region sowie aus dem Ausland anreisten und umfangreiche Handels- und Finanzgeschäfte von internationaler Bedeutung abwickelten.

Abū Ḥafṣ al-Nasafīs historisches Werk  bietet wertvolle Einblicke in die frühere Geschichte sowie die Topographie der zentralasiatischen Stadt Samarkand. Es enthält unter anderem Aufzeichnungen über das jüdische Leben in der Region sowie bedeutende Bauwerke, darunter das  Blei- Aquädukt (lat: aquaeductus „Wasserleitung“), das eine wichtige Wasserleitung im mittelalterlichen Samarkand darstellte. Diese Anlage versorgte den alten Stadtkern mit Wasser aus dem Serafschan-Fluss und gilt als herausragende ingenieurtechnische Leistung der damaligen Zeit. Historische Quellen, wie etwa die "Qandiya-i Khurd“ ("Die kleine Qandiya“)“ von Abū Ḥafṣ al-Nasafī, berichten, dass dieses Aquädukt von jüdischen Einwohnern erbaut wurde, während andere Berichte die Verantwortung der zoroastrischen Gemeinde für dessen Unterhalt einstufen. Die Konstruktion leitete Frischwasser durch einen Kanal, in dessen Bau Blei verwendet wurde, zu den höhergelegenen und trockenen Stadtteilen. Im Jahr 1220 CE wurde der Aquädukt während der Eroberung durch die Truppen Dschingis Khans zerstört, was die Wasserversorgung innerhalb der "Madīna" auf dem Gelände der antiken Siedlung Afrasiab  erheblich beeinträchtigte. Die antike Siedlung  Afrasiab  ist der Ursprung des heutigen Samarkand in Usbekistan und eines der wichtigsten archäologischen Areale Zentralasiens. Die etwa 220 Hektar große, dreieckige Hügelfestung war das blühende Herz der Region vom 8. Jahrhundert BC bis zu ihrer Zerstörung durch Dschingis Khan im Jahr 1220 CE. Die Stadt war ein zentraler Knotenpunkt der Seidenstraße. Archäologen fanden hier Reste von Palästen mit aufwendigen Wandmalereien, gepflasterte Straßen, Wasserversorgungssysteme und Werkstätte.

Das Bauwerk ist eines der historisch dokumentierten Wasserbauprojekte entlang der Seidenstraße. Abū Ḥafṣ al-Nasafīs Schrift ist eine bedeutende Quelle für die regionalhistorische Forschung zu Transoxanien und dem islamischen Leben im Mittelalter dieser Region. In seinen Ausführungen thematisiert er das Zusammenleben sowie die Bauprojekte der verschiedenen Glaubensgemeinschaften, einschließlich der Geschichte eines jüdischen Architekten des genannten Aquädukts „Juyi Arziz“ in Samarkand. 

In europäischen Quellen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts CE  berichtet Benjamin von Tudela  (hebräisch בִּנְיָמִין בֶּן יוֹנָה מִטּוּדֵלָה), auch Benjamin ben Jona, eigentlich Benjamín bar Jonás de Tudela (er lebte ca. vom ersten Jahrzehnte des 12. Jahrhunderts CE in Tudela im Königreich Navarra bis ca. 1173 CE in Kastilien), einer der bedeutendsten jüdischen Reisenden des Mittelalters, in seinem Reisebericht "Massaot Binjamin mi-Tudela“ (מסעות בנימין מטודלה), auch bekannt als "Das Buch der Reisen" ("Sefer ha-Massaot"),  über die Existenz jüdischer Gemeinden im zentralasiatischen Samarkand. Er berichtet, dass in Samarkand rund 50.000 "Israeliten“ (Juden) leben. Dabei hebt er hervor, dass es sich um eine sehr wohlhabende Gemeinschaft handelt und sich unter ihnen viele „weise und sehr reiche Männer“ befinden . Die Stadt Samarkand, an der legendären Seidenstraße gelegen, zog durch ihren Handel Gelehrte und Kaufleute aus verschiedenen Regionen an. Benjamín von Tudelas Schilderungen gelten als wichtige historische Quelle, die belegt, wie weit vernetzt jüdische Gemeinden im Mittelalter bereits waren. Historiker gehen jedoch davon aus, dass die von ihm genannte Zahl von 50.000 eine symbolische oder deutlich übertriebene Schätzung war.

Der Zeitraum seiner grossen Reise wird mit 1165 bis 1173 CE angenommen. Kenntnisse über ihn selbst haben wir im Wesentlichen nur aus seinem eigenen Werk, dem "Sefer ha-Massaot". Von diesem Reisetagebuch existieren zwei frühe Drucke, nämlich eine Ausgabe von Eliezer ben Gershon, erschienen in Konstantinopel 1543 CE sowie jene von Abraham Usque, gedruckt in Ferrara 1556 CE. Es folgte eine Vielzahl von Nachdrucken und Übersetzungen (unter anderem von Leopold Zunz). Bemerkenswert ist, dass in einer Sammelhandschrift des British Museums der Reisebericht zusammengebunden ist mit einer Reihe von Werken des Maimonides (1135/38–1204 CE), ferner verschiedenen Midraschim sowie einem Haggadah-Kommentar. Auch bei anderen Ausgaben handelt es sich um Bindungen in sogenannten Sammelbänden, wobei nicht immer leicht erkennbar ist, welche Idee des Herausgebers oder des Bestellers der Sammlung für die Kompilation massgeblich war. Die Standardedition ist jene von Adolf Asher aus dem Jahr 1841. Wichtig für die weitere Beschäftigung mit dem Werk ist Marcus Adlers Übersetzung ins Englische aus dem Jahr 1907.

Die Geschichte  der antiken Stadt Samarkand ist facettenreich.  Folgt man dem Bericht  des deutsch-baltischen, russischen Offizier und Forschungsreisen Georg von Meyendorff (vollständig Baron Georg Wolter Konrad von Meyendorff, russisch Егор Казимирович Мейендорф, Jegor Kasimirowitsch Meiendorf (1795- 1863) so existierten zum Beispiel  zur Zeit Moshe Kalonars (dieser war damals ca. 5 Jahre alt) im Jahr  1820 nur zehn bucharisch-jüdische Häuser (Haushalte) in Samarkant und Herat. 

Georg von Meyendorff berichtet:  Die Juden in Buchara  bewohnen achthundert Häuser; sie geben an, vor etwa siebenhundert Jahren aus Samarkand dorthin gelangt zu sein, nachdem sie zuvor aus Bagdad aufgebrochen waren. Von allen Städten Zentralasiens weist Buchara die größte jüdische Bevölkerung auf; es kann als ihr wichtigstes Zentrum in diesem Teil des Orients betrachtet werden. Maschhad zählt dreihundert jüdische Haushalte;  Shahrisabz (der Geburtsort von Moshe Kalondar) dreißig – ebenso viele wie Balch; Samarkand und Herat kommen auf jeweils nur zehn, Chiwa auf vier. Badachschan, Kokand und Kaschgar haben keine jüdischen Einwohner. In Buchara ist es ihnen gestattet, lediglich in drei Straßen zu wohnen. Unter ihnen gelten nur zwei Personen als wohlhabende Kapitalisten;  die übrigen sind im Allgemeinen gut situiert – größtenteils Fabrikanten, Färber sowie Händler von Rohseide und Seidenstoffen.

In seinem Bericht "Voyage d'Orenbourg à Boukhara fait en 1820" beschreibtGeorg von Meyendorff  die Situation der Juden in Zentralasien und insbesondere in  Buchara wie folgt: 

"Les Juifs occupent à Boukhara huit cents maisons; ils disent qu'ils y sont venus de Samarcande, il y a environ sept cents ans, après avoir quitté Bagdad. De toutes les villes de l'Asie centrale, Boukhara et celle qui contient le plus grand nombre de Juifs; ou peut la regarder comme leur chef-lieu dans cette partie de l'Orient. Mechehed a trois cents maisons juives, Cheri-sébz trente, Balkh autant, Samarcande et Hérat seulement dix, Khiva quatre. Badakhchan, Kokhan et Kachghar non't pas d'habitans juifs. Il ne leur est permis  d'habiter á Boukhara que dans trois rues: on ne compte parmi eux que deux riches capitalistes; les autres sont en général á leur aise, et pour la plupart fabricans, teinturiers, marchands de soi écrue et de soieries. Les Juifs de Boukhara prétendent qu'ils y sont mieux traités que dans les autres villes d'Asie; cependant ils sont méprisés et vexés; le gouvernement exige d'eux des impots assez considérables. Par exemple, le Juifs propriétaire d'une maison doit acquitter par mois contribution de quatre tongas (trois roubles en assignations de banque).Parvenu á l'áge de seize ans, un Juif qui a une fortune médiocre paie par mois deux tongas* (* un tonga vaut rnviron 76 centimes): le pauvre  la moitié de cette somme; ce qui produit un revenue d'environ quatre-vingt mille roubles par an.Il est défendu aux Juifs de monter á cheval dans la ville et de porter des vetements en soie; leur bonnet doit avoir une bordure de peau de mouton noire qui ne peut etre que de deux pouces de large; on ne leur permet pas de batir une nouvelle synagogue, et ils n'ont le droit que de réparer l'ancienne.
(...) actuellement tous les Juifs de Boukhara savent lire et écrir, ils étudient le Talmud.Le vieux rabbin goutait un plaisir  infini á m'entendre citer l'ouvrage de Benjamin de Tudela, qu'il avait; il appelait cet auteur Massoul-Benjamin. Les Juifs boukhares s'écartent de quelques usages prescrits par le Talmud.Par exemple, ils ne lavent pas une poule dans l'eau chaude avant de la faire cuire; ils ne coupent pas le cheveux á une fincée, et ne lui posent pas sur la tete une espéce de drap pendant la cérémonie du mariage (...) (de Meyendorf, 1826, S.172-175)

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen bucharisch-jüdische Kaufleute und Handwerker nach Samarkand, da sie das  große Potenzial dieser zentralasiatischen Stadt  im Handel mit Russland erkannten. Dies trug erheblich zum Wirtschaftswachstum in Samarkand bei.

Der deutsch-baltische Naturforscher und Geologe Alexander Lehmann (1814–1842) nahm in den Jahren 1841 und 1842 an einer russischen  wissenschaftliche Expedition nach Buchara und Samarkand teil. Seine historischen Aufzeichnungen und Reisebeschreibungen sind auch heute noch eine bedeutende Quelle zur Geschichte Zentralasien. Alexander Lehmann erstellte die erste umfassende Beschreibung historischer Bauten  an der Seidenstraße – so etwa  der Karawanserei Rabati Malik – und fertigte frühe Skizzen von  diesem Bauwerk an. Seine Tagebücher dokumentieren wichtige historische Details. So hielt er beispielsweise fest, dass die Zahl der jüdischen Gemeinde in Samarkand im Jahr 1841 etwa 500 Personen betrug.
Offiziell ging es bei dieser Expedition um die Suche nach Goldvorkommen im Serafschan-Flusstal sowie um die Erforschung der Region. Auf der Rückreise erkrankte der erst 28-jährige Wissenschaftler schwer und verstarb am 11. September 1842 in einem Krankenhaus in Simbirsk. Nach Alexander Lehmanns frühem Tod wurden seine hinterlassenen Aufzeichnungen und Tagebuchnotizen von G. v. Helmersen bearbeitet. 1852 veröffentlichte die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg das berühmte Werk "Alexander Lehmann's Reise nach Buchara und Samarkand in den Jahren 1841 und 1842"

Vom 20. September bis zum 4. Oktober 1841 besuchte Alexander  Lehman die Stadt Samarkant und berichtet:

"Die Bewohner Samarkants gehören folgenden Nationen an: Usbeken, Perser, Tadshiks (Sarten), Nogaier, Indier, Juden. Die Anzahl der letzteren soll 500 betragen und ein kasanscher Tatar, der seit 12 Jahren in Samarkand ansässig war, erzählte L e h m a n n sie seyen fast alle erst vor wenigen Jahren von Buchara herübergekommen  des viel wohlfeileren Lebens wegen, früher aber wären ihrer kaum 20 dagewesen.  Sie beschäftigen sich auch hier vorzugsweise mit Baumwoll- und Seidenspinnerei und mit dem Färben dieser Zeuge. Verriethen sie sich nicht  schon auf den ersten Blick durch ihre karakteristischen Gesichtszüge, so könnte  man sie hier an den blau-oder gelbgefärbten Händen erkennen." (Lehmann, 1852, S. 162)
 

Samarkand, eine der ältesten Städte der Welt, ist nicht nur für ihre beeindruckende Architektur und kulturellen Schätze bekannt, sondern auch für die facettenreiche Geschichte ihrer unterschiedlichen Gemeinschaften. Das jüdische Viertel, ein integraler Bestandteil des urbanen Gefüges, reflektiert sowohl die kulturellen Einflüsse als auch die komplexe Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Region.

Die Gründung  bzw. Erweiterung des bucharisch-jüdische Viertels "Sharq" in Samarkand wurde maßgeblich durch die Initiative Moshe Kalontars gefördert. Kalontars Einfluss verdeutlicht die sozialen Dynamiken und die politische Unterstützung, die zur Etablierung und langfristigen Bewahrung einer lebendigen jüdischen Gemeinde führten.

Im 19. Jahrhundert nahm Moshe Kalontar die Rolle des weltlichen Gemeindeoberhauptes (Kalontar) ein und vertrat die jüdische Gemeinschaft gegenüber den muslimischen Autoritäten in der Region. Er organisierte Spenden zur Sicherung von Land und unterhielt den Bau von Häusern, Schulen, Bädern und Synagogen für die jüdische Gemeinde in Samarkand. Noch bis  zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohnten die Juden in separaten Stadtteilen der Altstadt. 

Erst im März 1843 gelang es der jüdischen Gemeinde, ein Grundstück von 11 Tanobs, was etwa 3 Hektar (30.000 m2) entspricht, zu erwerben. Dieses Grundstück, nahe dem bekannten Registan-Platz gelegen,  kostete 10.000 Tenga und war die Grundlage für das jüdische Viertel „Mahalla-i Yahudion“, das symbolisch in zwölf Abschnitte unterteilt wurde, entsprechend den zwölf Stämmen Israels.  

Im mittleren 19. Jahrhundert nutzte das Emirat ausschließlich Münzen. Die Währung basierte auf Silber- und Kupfermünzen (Tenga).   Im 19. Jahrhundert waren die Münzen wesentlich kleiner und bestanden aus Silber (Tenga) oder Gold (Tilla). Eine solche Summe  besaß im  Jahr 1843  einen enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert. Die Währung der Standard Münzen, die im  Emirat Buchara im Umlauf waren,  basierte zu dieser Zeit (ca. 1827-1858)  auf dem Silber-Tenga (1 Tenga = 10 Falus / Pul) und dem Gold-Tilla (1 Tilla = ca. 24–28 Tengas).

Am Beispiel einer zur damaligen Zeit im Umlauf befindlichen  Goldmünze "Tilla - Nasr-Allah bin Haydar Tora"  zu 4.55 g Gold (1827-1858) lässt sich errechnen, dass   10.000 Tenga etwa 350 bis 400 Tilla entsprachen. Davon  konnte man zum Beispiel  große Ländereien, herrschaftliche Häuser oder Hunderte von Schafen kaufen. Dieser Betrag  hätte den Gegenwert für die Ausrüstung einer gesamten Karawane gedeckt.

Der Registan-Platz (usbekisch Registon maydoni, von persisch میدان ریگستان, DMG Maidān-i Rēgistān, "Platz des sandigen Ortes") in der usbekischen Stadt Samarkand ist einer der bedeutendsten historischen Orte Mittelasiens. An ihm befinden sich die Ulugbek-Medrese, die Tillakori-Medrese und die Scherdor-Medrese, die zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert CE  errichtet wurden und zusammen ein herausragendes architektonisches Ensemble bilden. Der Registan ist das Herz des antiken Samarkands. Timur selbst ließ an dieser Stelle einen überkuppelten Basar  errichten, an dem alle wichtigen Handelswege zusammenliefen. Heute erinnert nur noch eine restaurierte Handelskuppel aus dem 15. Jahrhundert östlich hinter der Scherdor-Medrese an diesen Basar. Unter Timurs Enkel Ulugbek wurde der Basar durch den Registan, einen Versammlungsort für Paraden, Hinrichtungen, Feierlichkeiten und die Verkündung von Gesetzen, ersetzt.

Moshe Kalontar spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Erweiterung  des bucharisch-jüdischen Viertels in Samarkand. Seine Bedeutung als weltliches Gemeindeoberhaupt im 19. Jahrhundert hinterließ nicht nur in Samarkand, sondern auch in anderen zentralasiatischen Städten einen bleibenden Eindruck. Er war ein engagierter Bewahrer tradierter bucharisch-jüdischer Praktiken und agierte als Diplomat, der in einer kritischen Phase von Samarkands Geschichte als Verteidiger und  Vorstand  seiner jüdischen Gemeinde  auftrat, während er die Herausforderungen der Diaspora mit Geschick meisterte. Moshe Kalontar war maßgeblich an der Sicherstellung des Grundstücks im Jahr 1843 beteiligt, das für den Bau des jüdischen Viertels bestimmt war. 

Sowohl der Friedhof als auch das jüdische Viertel von Samarkand gehen auf einige bedeutende Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts zurück. Moshe Kolontar 1878 initiierte, organisierte  und leitete den Bau  des bucharisch-jüdischen Friedhofs von Samarkand. Nach seinem plötzlichen Tod waren es unter anderem seine Söhne David und Raphoel, die zur Fertigstellung der Anlage beitrugen. Der Bau des Friedhofs und die weiteren Projekte der Gemeinde wurden erfolgreich von seinen  beiden Söhnen David und Rafoel fortgeführt, die die jüdische Gemeinde in Samarkand in den darauffolgenden 43 Jahren maßgeblich prägten.

Eine weitere Familie, die sich für den Friedhof engagierte,  - so erfahren wir von Zack Zav, einem  Nachfahren bucharischer Juden   - war die Familie Boruhov. Rabbiner Zecharia Boruhov und seine Familie kümmerten sich über einen Zeitraum von insgesamt 116 Jahren um den Erhalt und die Pflege des Friedhofs. Ihre  Grabstätten befinden sich auf dem bucharisch-jüdischen Friedhofs von Samarkand:  Zecharia Boruhov 1844–1955 (71 Jahre); Nison Boruhov 1874–1922 (48 Jahre) und Uriel Boruhov 1949–1977 (28 Jahre). Auf dem Friedhof gab es  einen eigenen Bereich für die verstorbene Kinder. 

"It is a Jewish custom to try to ensure that headstones are clean and in good standing. I felt it was proper for me to take a bucket of water and a rag to keep some of the children’s headstones clear of dirt or dust. The feeling of fulfillment overwhelmed me to my core. It was a selfless act of kindness in which the favor could never be returned" (op. cit. Zack Zav, 2022). 

Der bucharisch-jüdische Friedhof von Samarkand wurde 2019 von der Organisation „Fund Samarkand“ (samarkandfund.org) neu gestaltet; für die Restaurierung des Friedhofs wurde dabei eine Summe von rund einer halben Million Dollar aufgebracht (Zack Zav, 2022).

Die  „Gumbaz Synagoge “ ("Gumbaz" pers: für „Kuppel“) der Bucharischen Juden befindet sich im jüdischen  Viertel („Mahalla-i Yahudion“) von Samarkand. Der Bau der Synagoge begann 1885 und wurde 1891 dank Rabbiner Raphoel (Raphael) ben Moshe Nosi Kalontar (Sohn von Moshe Kalontar) im Gedenken an seine verstorbene Frau Sporo vollendet. Während des Zweiten Weltkriegs fanden hier Juden aus dem europäischen Teil der Sowjetunion, die nach Samarkand evakuiert worden waren, einen sicheren Zufluchtsort (Zack Zav, 2022).

Zack Zav, ein Nachfahre bucharischer Juden und US-Staatsbürger, der in den Vororten von Philadelphia lebt - berichtet über seine Reise  -  organisiert durch die  Sephardic American Mizrahi Initiative (SAMi) -  nach Uzbekistan:  "There are no words that could possibly come close to explaining how my trip to Uzbekistan went. Coming from a Bukharian Jewish background, whose ancestors have lived in this region for over 2000 years, and being able to get a gist of what life was like for them was absolutely surreal. Amongst my immediate family members, I was the only one to be born outside of that region, thousands of miles away in New York City. I have only heard stories upon stories of what life was like for my family members before they moved to the United States in 1992. Finally, after nearly 30 years I was able to piece some of the puzzle pieces together by going on this heritage retreat." (op.cit. Zack Zav, 2022)

Zack Zav beschreibt die  "Gumbaz Synagoge", die er 9. September 2022 besuchte:  "The synagogue had beautiful wooden doors upon entry, a large white menorah standing, photos of many Rabbis, as well as 2 huge blue stars of David on the ceiling. Once you actually enter the synagogue you will see the magnificent blue dome and architecture. See attached video of Gumbaz Synagogue that I took." 

Er ergänzt, wie einige der Mitglieder in  der "Gumbaz Synagoge" in Kindheitserinnerungen schwelgten: Manashe erzählte, wie er früher mit dem Fahrrad hierhergekommen war und wie voll die Synagoge an den hohen Feiertagen stets gewesen sei."

 

"Walking in the Footsteps of my Ancestors"

 

David Kalontarov, der jüngste Sohn  Moshe Kalontars (1815–1878; geb. Moshe ben Abulkhair) war ein erblicher Kalontar (Gemeindevorsteher), ungeachtet der Tatsache, dass dieses Amt ursprünglich ein Wahlamt war, bei dem die  würdigsten Mitglieder der Gemeinschaft in diese Position gewählt wurden. Nach dem Tod seines Vaters,  dem eigentlichen Initiator der Gründung des jüdischen Viertels von Samarkand, der die Gemeinde von 1836 bis 1878 leitete – wurde zunächst dessen ältester Sohn Raphoel (Raphael) zum Kalontar ernannt; von 1891 bis 1921 wurde die Gemeinde schließlich vom jüngsten Sohn, David, geführt. 
 

Zu den Aufgaben des Kalontars und seiner Gehilfen gehörte die Beilegung strittiger zivil-, familien- und strafrechtlicher Angelegenheiten, die zwischen den jüdischen Mitgliedern der Gemeinde aufkamen. Der Kalontar vertrat und verteidigte die Interessen seiner Glaubensgenossen gegenüber den  muslimischen Behörden, und war u.a. für die fristgerechte Eintreibung der Steuern verantwortlich.

Das historische jüdische Viertel von Samarkand in Usbekistan stellt ein bedeutendes Zeugnis der jahrhundertealten Kultur der Buchara-Juden dar. Einst beherbergte diese Region über 20.000 Juden. Heute ist die Gemeinde erheblich kleiner, dennoch ermöglicht das Viertel wertvolle Einblicke in die lokalen Traditionen. Es befindet sich zentral in der Altstadt, in unmittelbarer Nähe zur renommierten Bibi-Chanum-Moschee. Vom Registan-Platz aus folgt man der Taschkent-Straße und biegt an der Touristeninformation rechts in die Hujum Ko'chasi ab; dort entfaltet sich ein komplexes Netz aus engen, gewundenen Gassen. Die traditionellen Wohnhäuser vermitteln oft den Eindruck einer schlichten Außenansicht, während sie im Inneren große, offene Innenhöfe mit kunstvoll verzierten Holzsäulen (Aivans) verbergen. Das Herzstück des Viertels bildet die traditionelle Synagoge aus dem späten 19. Jahrhundert, die zu den wenigen erhaltenen Gotteshäusern zählt, die von der Gemeinde bis heute betreut werden. 

Zudem sind historische Friedhöfe in diesem Viertel zu finden, die wichtige Zeugnisse der Geschichte der Buchara-Juden darstellen. Vor etwa einem Jahrhundert war Samarkand die Heimat der größten Gemeinde von Buchara-Juden, wo florierender Handel und traditionelles Handwerk eine entscheidende Rolle spielten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion migrierten die meisten Familien in die USA oder nach Israel, sodass gegenwärtig lediglich etwa 250 Juden in Samarkand leben. Trotz dieser demografischen Veränderungen bleibt das Viertel ein bedeutendes Kulturdenkmal, das im Rahmen geführter Kulturtouren erkundet werden kann. 

Das ehemalige jüdische Viertel von Samarkand, bekannt als "Mahalla-i Yahudion“, ist nach wie vor bewohnt, jedoch ist der jüdische Bevölkerungsanteil äußerst gering. Aufgrund massiver Auswanderungswellen, insbesondere seit den 1990er Jahren infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion, sind nur noch wenige jüdische Familien in der Stadt ansässig. Die historisch wertvollen Gebäude des jüdischen Viertels werden überwiegend von muslimischen Familien und anderen ethnischen Gemeinschaften bewohnt. Obwohl die architektonische Substanz der Gebäude in diesem alten Viertel in der Nähe des Registan-Platzes erhalten geblieben ist, hat das aktive religiöse und kulturelle Leben infolge des demografischen Wandels erheblich abgenommen. Es existieren noch Synagogen, die von der verbleibenden Gemeinde genutzt werden, auch wenn das religiöse und kulturelle Leben stark zurückgegangen ist.

Literatur:  "The family of the head of the Jewish quarter of Samarkand - Kalontar David Kolontarov. Bukharan Jews of Samarkand: expedition photographs by S. M. Dudin", Archive of the cultural heritage of Uzbekistan and Central Asia, auf humodoc.com, abgerufen am 04.06.2026; Shamsiddin Kamoliddin  und Shoirakhon Saidjabbor,  "New data on the bāzārs of the medieval Samarqand". In: O'ZBEKISTON.TIL VA MADANIYAT" - "UZBEKISTAN. LANGUAGE  & CULTURE" 2 (2022), S . 104-122, auf www.navoiy-uni.uz / www.uzlc.navoiy-uni.uz, aberufen am 05.06.2024; Zand, Michael. "BUKHARA vii. Bukharan Jews." (01.01.2000) auf  Encyclopaedia Iranica, abgerufen am 03.06.2026; Frye, Richard N. The History of Ancient Iran.  München: Beck'she Verlagsbuchhandlung, 1984; "Jüdisches Viertel in Samarkand", auf uzbekistan.travel, abgerufen am 03.06.2026;  Meyendorf, Georges de. Voyage d'Orenbourg à Boukhara fait en 1820. Paris: Dondey-Dupré, 1826, S.172-175; Baldinger, Christian."Buch der Reisen Benjamin von Tudela", auf davidkultur.at, aberufen am 05.06.2026;  Zav, Zack."Walking in the Footsteps of my Ancestors"  September 20, 2022, auf zackzav.com, abgerufen am 06.06.2026.

Auf den Spuren Moshe ben Eliyahu Abulkhair Kalontars   

Der Ethnograph, Fotograf, Künstler, Forschungsreisende und Gründer der Ethnographischen Abteilung des Russischen Museums in St. Petersburg, Samuil Martynowitsch Dudin (russisch: Самуил Мартынович Дудин; 1863–1929), unternahm drei Expeditionen nach Turkestan und in das Emirat Buchara, um Sammlungen zusammenzustellen und „Typen der vielfältigen Bevölkerung dieser Region“ fotografisch zu erfassen. Als ausgebildeter Künstler beherrschte Dudin nicht nur die Fotografie, sondern auch deren technische Vorbereitung; er war mit der fotografischen Ausrüstung überaus vertraut. Für seine Reisen wählte der Wissenschaftler zwei Großformatkameras der Hersteller Derozha und Zuter sowie einen Schlitzverschluss der britischen Firma Thornton-Picard aus. Zudem erwarb er auf Kosten des Russischen Museums in St. Petersburg fotografische Glasplatten der Firma Ilford Impress. Die ausführliche Liste der für die Expedition zusammengestellten Fotoausrüstung – einschließlich Kameras, eines stabilen Stativs, Kisten mit verpackten Glasnegativen sowie einem Zelt, das als Labor mit Chemikalien genutzt wurde – demonstriert die gewissenhafte Vorbereitung des Projekts. 

Über die technische Ausrüstung hinaus bereitete sich Dudin auch inhaltlich auf die bevorstehenden Aufnahmen vor. Die Themenwahl war sorgfältig durchdacht, und er erstellte im Vorfeld eine Liste potenzieller Motive und Sujets. Als Dudin jedoch während der Expedition vor der Herausforderung stand, lebendige Szenen und Trachtendarstellungen unter den wechselhaften Lichtverhältnissen (intensives Sonnenlicht abwechselnd mit Schatten) festzuhalten, beantragte er beim Museum die Genehmigung zum Erwerb zweier zusätzlicher Zeiss-Objektive: eines Weitwinkelobjektivs sowie eines lichtstarken Objektivs „für Gruppenporträts und Landschaftsaufnahmen“. 

Das  Gruppenporträt "Bukharan Jews of Samarkand“ (siehe Abbildung), das bucharische Juden aus Samarkand während seiner Expedition im Jahr 1902 zeigt, ist ein eindrucksvolles Zeugnis seiner fotografischen Arbeit.

 

"Bukharan Jews of Samarkand",  expedition photographs by 
Samuil Martynowitsch. Dudin, 1902

 

Samuil Martynowitsch Dudin wurde 1863 in Riwne im Gouvernement Cherson des Russischen Kaiserreichs (heute Ukraine) geboren. Sein Vater war Dorfschullehrer. Samuil Martynowitsch  Dudin selbst schloss sich – wie viele andere junge Menschen jener Zeit – einer politischen Gruppe an, die Verbindungen zur revolutionären Partei "Volksfreiheit“ (Narodnaja Wolja) unterhielt. Im Jahr 1884 wurde er verhaftet und 1887 nach Selenginsk (Sibirien)  verbannt; daraufhin gab er seine revolutionären Aktivitäten endgültig auf.
Während seines Exils in Sibirien begann er, ethnographische Materialien zu sammeln (die er später dem örtlichen Museum übergab) und sich mit der Fotografie zu beschäftigen. 1891 schloss er sich der von Wassili Wassiljewitsch Radlow geleiteten russischen Orchon-Expedition an. Wassili Wassiljewitsch Radlow (auch Wilhelm Radloff; 1837-1918) war  einer der bedeutendsten deutsch-russischen Sprachwissenschaftler, Turkologen und Ethnografen.

Die Russische Orchon-Expedition (1889–1891) unter Leitung der Petersburger Akademie der Wissenschaften war ein Meilenstein der Erforschung Zentralasiens. Sie führte zur Entdeckung der alttürkischen Orchon-Runeninschriften, die 1893 die wissenschaftliche Entzifferung dieser ältesten bekannten Turksprachen ermöglichten. Die große russische Orchon-Expedition unter der Leitung  Friedrich Wilhelm Radloffs  im Jahr 1891 fertigte detaillierte Pläne der alten uigurischen Hauptstadt Karbalgasun an und sicherte weitere Inschriften und Relikte für die Wissenschaft.

Nach Abschluss seiner Tätigkeit  im Rahmen der Russische Orchon-Expedition (1889–1891) wurde er begnadigt und erhielt die Erlaubnis, nach St. Petersburg zurückzukehren.

In St. Petersburg schrieb er sich als Student an der Kunstakademie in der Klasse des russischen Malers und  bedeutendsten Vertreter des russischen Realismus, Ilja Jefimowitsch Repin (1844-1930)  ein und schloss sein Studium im Jahr 1898 ab. Bereits  Jahre zuvor, im Jahr 1893, hatte er eine Anstellung am Anthropologischen und Ethnologischen Museum in Petersburg angetreten, dem er bis zu seinem Lebensende verbunden blieb.

Literatur:  "The family of the head of the Jewish quarter of Samarkand - Kalontar David Kolontarov. Bukharan Jews of Samarkand: expedition photographs by S. M. Dudin" ( Archive of the cultural heritage of Uzbekistan and Central Asia), auf humodoc.com, abgerufen am 04.06.2026; Shamsiddin Kamoliddin  und Shoirakhon Saidjabbor  "New data on the bāzārs of the medieval Samarqand". In: O'ZBEKISTON.TIL VA MADANIYAT" - "UZBEKISTAN. LANGUAGE  & CULTURE" 2 (2022), S. 104-122, auf  www.navoiy-uni.uz / www.uzlc.navoiy-uni.uz, aberufen am 05.06.2024; Zand, Michael. "BUKHARA vii. Bukharan Jews." (01.01.2000) auf  Encyclopaedia Iranica, abgerufen am 03.06.2026; Frye, Richard N. The History of Ancient Iran.  München: Beck'she Verlagsbuchhandlung, 1984; "Jüdisches Viertel in Samarkand", auf uzbekistan.travel, abgerufen am 03.06.2026;  Meyendorf, Georges de. Voyage d'Orenbourg à Boukhara fait en 1820. Paris: Dondey-Dupré, 1826, S.172-175; Alexander Lehmann's Reise nach Buchara und Samarkand in den Jahren 1841 und 1842: nach den hinterlassenen Schriften desselben bearbeitet, und mit Anmerkungen versehen von G. v. Helmersen. Nebet einem soziologischen Anhange von J. F. Brandt. St. Ptersburg: Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 1852; "Tilla - Nasr-Allah bin Haydar Tora"   (Referenz KM# 65, Album Islamic# 3035) auf  en.numista.com, abgerufen am 05.06.2026; Adler, Marcus Nathan. The Itinerary of Benjamin of Tudela: Critical Text, Translation and Commentary. London:  Oxford University Press, 1907; Benjamin, Sandra. The World of Benjamin of Tudela, A Medieval Mediterranean, Travelogue. Cranbury, London u.a.: Associated University Presses, 1995; Benjamin von Tudela. Buch der Reisen, Seferha-Massa’ Ot, ins Deutsche übertragen von Rolf P. Schmitz, Reihe Judentum und Umwelt, herausgegeben von Johann Maier, Band 22, Frankfurt am Main, Bern, New York u.a.:Verlag Peter Lang , 1988.
 

Parascha Hukkat - „Mirjam starb. Da gab es kein Wasser mehr.“

Rafail Sofiev,  eine engagierte Persönlichkeit innerhalb der bucharisch-jüdischen Gemeinde in den USA  und Autor zahlreicher Artikel, u.a.  für die Bukharian Times,  eine wöchentlich auf Englisch und Russisch erscheinende Zeitung für bucharische Juden mit Sitz in New York,  verweist auf  die Parascha Hukkat, die  - wie Rabbi  Jonathan Henry Sacks, Baron Sacks (1948-2020, der  britische Philosoph, Theologe und Politiker und von  1991 bis 2013  britische Oberrabbiner darlegt -  eine bemerkenswerte Interpretation der Passage: „Mirjam starb. Da gab es kein Wasser mehr“ bietet.

Die Parascha Hukkat (Numeri 19,1–22,1) ist der 38. wöchentliche Tora-Abschnitt und thematisiert entscheidende Eeignisse der Wüstenwanderung, darunter die rituelle Reinigung durch die Rote Kuh, den Tod von Mirjam und Aaron, das Schlagen des Felsens (Meriba) sowie die siegreichen Kriege gegen die Könige Sichon und Og. 

In Numeri 19,1–22,1 (bekannt als der Tora-Abschnitt Chukkat) geht es um den dramatischen Übergang der Israeliten: von der Zeit der rituellen Vorbereitung hin zum Durchzug ins verheißene Land. Das Volk lagert in Kadesch,  der Wüste Zin, und Mirjam, die Schwester von Mose und Aaron, stirbt dort. Das Volk  leidet unter Wassermangel, nachdem die Prophetin Mirjam verstorben ist.  Erneut gibt es kein Wasser, und das Volk murrt. Gott befiehlt Mose, zu einem Felsen zu sprechen, um Wasser bereitzustellen. Mose schlägt jedoch—in einem Moment des Zweifels—zweimal mit seinem Stab auf den Stein  anstatt mit ihm zu sprechen. Wasser strömt zwar, jedoch bestraft Gott Mose und Aaron für ihren Ungehorsam, indem ihnen der Zutritt zum Gelobten Land Kanaan verwehrt wird.

Der Zusammenhang zwischen Mirjams Tod und den nachfolgenden Ereignissen, so Rafail Sofiev,  ist weniger durch äußere Umstände als vielmehr durch Moses’ Reaktion auf die Klagen der Israeliten geprägt. Zum ersten Mal sieht sich Mose einer Herausforderung ohne die Unterstützung Mirjams gegenüber und verliert in der Gegenwart des Volkes die emotionale Kontrolle.

Wie bekannt, war Mirjam während Moses’ Kindheit eine schützende Präsenz, indem sie über ihn wachte, als er in einem Korb den Nil hinabtrieb, so Rafail Sofiev. Sie sprach mit der Tochter des Pharaos und sorgte dafür, dass Mose von seiner eigenen Mutter Jochebed gestillt wurde. Ihr Leben lang war Mirjam die treue Beschützerin ihres Bruders – stets eine unterstützende Kraft im Hintergrund und seine behutsame Wächterin. 

Der Verlust eines Geschwisters wird oft als belastender empfunden als der Verlust eines Elternteils; während der Verlust eines Vaters oder einer Mutter als Teil des Lebens anerkannt wird, wird der Verlust eines Bruders oder einer Schwester häufig als traumatisches Ereignis  wahrgenommen. Geschwister fungieren als Hüter unserer Emotionen und bringen uns zurück auf den Boden der Realität, wenn wir uns in unserer eigenen Welt verlieren, so  Rafail Sofiev.

Das bekannte orientalische Sprichwort der bucharischen Juden „Jigar jigare, digar digare“ (persisch / tadschikisch: جگر جگره، دیگر دیگه)  bedeutet: "Die eigene Familie ist etwas Einzigartiges (wörtlich: die Leber ist die Leber), und alle anderen sind Fremde.“ Es unterstreicht die bedingungslose Loyalität zu den eigenen Geschwistern und Verwandten. 

Im historischen Kontext der bucharischen Juden spielte die Unterstützung durch Geschwister stets eine entscheidende Rolle, dies insbesondere  im Hinblick auf die Entwicklung bedeutender Persönlichkeiten aus  ihrer Gemeinschaft, wie zum Beispiel des herausragenden  Gemeindevorstehers Moshe Kalontar (1815–1887). Zu seinem 210. Geburtstag im Jahr 2025 wurde eine Straße in Petah Tikva (hebräisch: פתח תקווה, arabisch: بتاح تكفا, "Öffnung der Hoffnung"), im Gebiet des Gusch Dan, nur wenige Kilometer östlich von Tel Aviv gelegen, nach Moshe Kalontar benannt. 

Nach der Hinrichtung seines Vaters, die auf falschen Anschuldigungen beruhte, entwickelte Mosh eKalontar zusammen mit seinem älteren Bruder Benyamin und seiner Schwester Lea ein starkes und dauerhaftes Band, das ihm als Kraftquelle diente. Benyamin, ein kluger und fleißiger Seidenfärber und Kaufmann, erinnert an die biblische Mirjam, indem er dem jungen Moshe Kalontar als vertrauter Beschützer und Mentor zur Seite stand. 

Jahre später wurde Moshe vom  Amir Muhammad Nasrullah Bahadur Khan (Regierungszeit 1827–1860)  - dieser regierte das usbekische Emirat Buchara als absoluter Herrscher, und war gefürchtet für seine Grausamkeit und seine strikten, autoritären Methoden -  zum Steuereintreiber ernannt und erlangte hohes Ansehen, wobei er bald das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde wurde. 

Im Jahr 1843 erwarben die beiden Brüder Land, um das bucharisch-jüdische Viertel "Sharq" in Samarkand zu erweitern. 

Moshe Kalontar leitete den Bau der ersten Synagoge in der "Mahalla" sowie weiterer Einrichtungen. Im Jahr 1863 unternahm er eine Pilgerreise nach Jerusalem.  Nach seiner Rückkehr erwarb er Torarollen, Gebetbücher, Pessach-Haggadot sowie Zizit und Tefillin für die jüdische Gemeinde seiner Heimatstadt. Zudem beaufsichtigte er im Jahr 1868 den Bau der Hauptsynagoge "Kanesoyi Kalon" im Zentrum des jüdischen Viertels und wurde für seine vielen philanthropischen Taten von den russischen Kolonialbehörden ausgezeichnet. 

Er sorgte auch für die Errichtung einer Trennmauer für den Friedhof,  um den jüdischen vom muslimischen Teil abzutrennen. 

Moshe Kalontar verstarb im Alter von 63 Jahren.  Eine Gedenkstele in Samarkand erinnert heute an sein Lebenswerk. 

Sowohl aus der Geschichte der bucharischen Juden als auch aus der wöchentlichen Toralesung lernen wir, so Rafail Sofiev,  dass jene, die anderen eine Quelle der Stärke sind, oft selbst einer solchen Quelle bedürfen. Mirjam war eine Stütze für Mose, und ebenso waren Benyamin und Lea dies für Moshe Kalontar. 

Rafail Sofiev, ergänzt:  "Mögen wir stets von einem einzigartigen Band der Verbundenheit mit unseren Geschwistern geleitet werden – getragen von Unterstützung, Liebe und Verständnis!"  

Der Name von Moshe ben Eliyahu Abulkhair ist dauerhaft in der Geschichte der bucharischen Juden verankert. Am 11. März 2025 wurde in New York City die „Moshe Kalontar International Charity Foundation“ gegründet, um Bildungsprogramme zu fördern, Friedhöfe zu erhalten, bedürftige Familien zu unterstützen und sich für das religiöse Selbstverständnis einzusetzen.

Quelle:  Sofiev, Rafail. "Jewish Values. From Moshe till Moshe ... Leaders Need Confidants", The Bukharian Times (10 – 16 ИЮЛЯ 2025 №1222),  S. 29, auf bukhariantimes.org, abgerufen am 04.06.2026.

Rafail Sofiev,  eine engagierte Persönlichkeit innerhalb der bucharisch-jüdischen Gemeinde in den USA  und Autor,  u.a. für die Bukharian Times, eine wöchentlich auf Englisch und Russisch erscheinende Zeitung für bucharische Juden mit Sitz in New York, verfasst  Artikel über das Gemeindeleben, Kultur und die Entwicklung jüdischer Zentren, so etwa dem Bukharian Jewish Center. Er ist Vorstandsmitglied der Eduard Nektalov Memorial Foundation, einer Organisation die bedürftige Familien der Gemeinde, insbesondere durch die Verteilung koscherer Lebensmittel vor jüdischen Feiertagen wie Pessach,  unterstützt. Zudem untertützt er Organisationen wie die Zionist Organization of America (ZOA) und setzt sich für die Vernetzung und Stärkung bucharisch-jüdischer Gemeinschaften weltweit ein.

 

Die Ursprünge des 
jüdischen Viertels von  Samarkand

Die Ursprünge der jüdischen Gemeinde in Samarkand lassen sich bis in vergangene Jahrhunderte zurückverfolgen. Zunächst zogen jüdische Händler über die Handelsrouten der Seidenstraße in diese prosperierende Stadt. Im Laufe der Zeit formierte sich eine dynamische  jüdische Gemeinschaft, die ihre Traditionen und Bräuche bewahrte und zugleich aktiv zur kulturellen Vielfalt Samarkands beitrug.

Kulturelle Aspekte 
und 
Traditionen

Das historische jüdische Viertel in Samarkand, bekannt als „Mahalla-i Yahudion“, stellt nicht lediglich einen physischen Raum dar, sondern verkörpert einen dynamischen Ausdruck jüdischer Kultur und Traditionen. Die Feste, Rituale und alltäglichen Praktiken sind tief in der jüdischen Gemeinschaft verankert und tragen maßgeblich zur einzigartigen Identität dieses Viertels bei. Die hier praktizierten Sitten und Bräuche spiegeln die Resilienz sowie den Glauben der ansässigen Gemeinschaft wider.

Moshe  Kalontar und das 
jüdischen Viertel

Moshe Kalontar war ein prägender Gemeindevorsteher der jüdischen Gemeinschaft in Samarkand und hatte  erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des jüdischen Viertels. Durch seine engagierte Förderung wurden sowohl religiöse als auch kulturelle Institutionen etabliert, die für das Wohlergehen der jüdischen Gemeinde von fundamentaler Bedeutung waren. Darüber hinaus wird sein Beitrag nicht nur als außergewöhnlich anerkannt, sondern spiegelt auch die Wertschätzung und den Respekt gegenüber der vielfältigen kulturellen Landschaft Samarkands wider.

Herausforderungen - Ressilienz  und  kulturelles Erbe 

Die jüdische Gemeinde in Samarkand steht, wie viele historische jüdische Gemeinden Zentralasiens, vor einer Vielzahl an Herausforderungen, die sowohl aus der komplexen historischen Entwicklung als auch aus sich wandelnden gesellschaftlichen Gegebenheiten resultieren. Trotz dieser widrigen Umstände weist die Gemeinschaft eine bemerkenswerte Resilienz auf und engagiert sich aktiv für die Erhaltung ihrer Geschichte sowie ihrer kulturellen Identität. Die Zukunft des historischen jüdischen Viertels "Mahalla-i Yahudion“ in Samarkand ist entscheidend von der Fähigkeit abhängig, Traditionen mit Innovationen zu verknüpfen, um das reiche Erbe, das es repräsentiert, langfristig zu bewahren.

Entdecken Sie das Leben von Moshe Kalontar

Dieser Abschnitt präsentiert ein kurzes Video über die bedeutendsten Stationen im Leben von Moshe Kalontar. Das Video beleuchtet seine wichtigen Beiträge und seinen Einfluss auf die jüdische Gemeinschaft. Durch eindrucksvolle Aufnahmen und sorgfältig ausgewählte Interviews erfahren Sie, wie Kalontar als eine zentrale Figur in der jüdischen Kultur und Geschichte Zentralasiens  agierte. Sehen Sie, wie sein leidenschaftlicher Einsatz als Gemeindevorstand  für seine jüdische Gemeinde in  Samarkand eine Brücke zwischen Kulturen und Generationen geschlagen hat. Dieses Video bietet nicht nur Einblicke in sein persönliches Leben, sondern auch in die gesellschaftlichen Veränderungen, die er mitgestaltet hat. Besuchen Sie uns bei Museo-on, um mehr über Moshe Kalontar und sein Lebenswerk  zu erfahren.

 

Literatur: Zand, Michael. "BUKHARA vii. Bukharan Jews." (01.01.2000) auf  Encyclopaedia Iranica, abgerufen am 03.06.2026; Frye, Richard N. The History of Ancient Iran.  München: Beck'she Verlagsbuchhandlung, 1984; "Jüdisches Viertel in Samarkand", auf uzbekistan.travel, abgerufen am 03.06.2026;  Meyendorf, Georges de. Voyage d'Orenbourg à Boukhara fait en 1820. Paris: Dondey-Dupré, 1826, S.172-175; Alexander Lehmann's Reise nach Buchara und Samarkand in den Jahren 1841 und 1842: nach den hinterlassenen Schriften desselben bearbeitet, und mit Anmerkungen versehen von G. v. Helmersen. Nebet einem soziologischen Anhange von J. F. Brandt. St. Ptersburg: Buchdruckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 1852. "Tilla - Nasr-Allah bin Haydar Tora"   (Referenz KM# 65, Album Islamic# 3035) auf  en.numista.com, abgerufen am 05.06.2026.

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