Musikinstrumente in der Bibel

Musik, die die Seele berührt: Biblische Texte und ihre Melodien

Willkommen bei Museo-on !  Wir präsentierem Ihnen eine faszinierende Sammlung von Musikinstrumenten in biblischen Texten und ihren musikalischen Interpretationen. Diese Sektion bietet nicht nur relevante Bibelstellen, sondern beleuchtet auch, wie Musik in der biblischen Überlieferung eine tiefgreifende Rolle spielt. Unsere sorgfältige Auswahl an Versen und deren musikalischen Ausgestaltungen ermöglicht es Ihnen, die Verbindung zwischen der Heiligen Schrift und der Musik auf eine neue Weise zu erleben.

Es bleibt unklar, inwieweit die im Alten Testament erwähnten Musikinstrumente einer kulturellen Klassifizierung mit festen Kriterien unterlagen. Dennoch kann festgestellt werden, dass diesen Instrumenten eine symbolische Bedeutung innewohnte, die unausweichlich zu einer Überlappung in ihrer Einteilung führte, wodurch eine klare und konsistente Kategorisierung erschwert wird. Zu den Instrumenten der frühen nomadischen Epoche, die mit magischen Konnotationen behaftet sind, zählen das gebogene Widderhorn (shofar), die gerade Metalltrompete (chazozra), die Rahmentrommel (tof) sowie die Zimbeln (mesiltayim), die in der Septuaginta als kimbalom aufgeführt werden. Darüber hinaus existieren Instrumente der städtischen Musik sowie der Kunstmusik aus der Zeit der Königreiche, wie die Leier (kinnor), das größere Zupfinstrument (nevel) und das Blasinstrument (chalil). 

Zu den sakralen Musikinstrumenten im Tempel gehörten ebenfalls das shofar, die chazozra, das chalil, die kinnor, die nevel und die mesiltayim.

Chalil oder Ḥālīl 

Die oder der Chalil oder Ḥālīl (hebräisch, von der Wurzel ḥll, „aushöhlen, durchbohren“), auch Halil geschrieben, ist ein Blasinstrument, dessen Name in der Bibel genannt wird. Martin Luther übersetzte es als Flöte und auch Pfeife. Luther hat sich bei seiner Übersetzung allerdings auf die altgriechische Septuaginta bezogen und daher vom altgriechischen Wort Aulos ins Deutsche übersetzt. Vermutlich war die Chalil ein Einfach- oder Doppelrohrblattinstrument, wobei Curt Sachs (1940) zwei Spielröhren wie beim Aulos für wahrscheinlich hält.

Die Chalil bestand dem Talmud zufolge aus Schilfrohr, Holz, Knochen, Bronze oder Kupfer. Sie ähnelte möglicherweise dem griechischen Aulos und der arabischen Mizmar. Zur Zeit des Alten Testaments war die Chalil in Israel ein sehr populäres Instrument, das bei unterschiedlichen Anlässen gerne gespielt wurde. Das Instrument wurde beispielsweise auch am Laubhüttenfest beim Gottesdienst der Juden gespielt. Auch der Gesang Hallel wurde auf dem Chalil geblasen.

Der Klang einer Chalil war durchdringender und spitzer als der einer Oboe, mitunter recht penetrant. Im antiken Israel erzählte man sich daher, dass immer wenn die Chalil im Jerusalemer Tempel gespielt wurde, der Klang bis nach Jericho zu hören gewesen sei.

Leonard Bernstein schrieb 1981 ein Nocturne für Flöte, Streichorchester und Schlagzeug mit dem Titel Ḥalil, das dem Flötisten Yadin Tanenbaum gewidmet ist, der 19-jährig im Jom-Kippur-Krieg fiel.

In dieser Sektion werden die verschiedenen Musikinstrumente beschrieben, die in der Bibel erwähnt werden. Dazu zählen Flöten, Harfen, Zithern und Trompeten, die eine bedeutende Rolle im religiösen und sozialen Leben des alten Israel spielten. Ihre Verwendung wird im Kontext von Anbetung und Feiern erläutert.

Die Chalil oder Ḥālīl (hebräisch, abgeleitet von der Wurzel ḥll, „aushöhlen, durchbohren“), auch als Halil bekannt, stellt ein Blasinstrument dar, das aus zwei Pfeifen besteht; vermutlich einer Melodiepfeife sowie einer Brummpfeife. Dieses Instrument wird in der Bibel erwähnt. Es ist anzunehmen, dass das Mundstück der Chalil, ähnlich dem der Klarinette, mit einem einfachen Rohrblatt versehen war. Die Verwendung des Instruments erstreckte sich über Freude- und Trauerzeremonien.

Martin Luther übersetzte den Begriff als "Flöte" beziehungsweise Pfeife, wobei er sich auf die altgriechische Septuaginta stützte und das griechische Wort Aulos ins Deutsche übertrug. Es wird vermutet, dass die Chalil ein Einfach- oder Doppelrohrblattinstrument war; der deutsche Musikethnologe Curt Sachs (1881–1959), als Pionier der wissenschaftlichen Musikinstrumentenkunde anerkannt, hielt eine Konstruktion mit zwei Röhren, ähnlich dem Aulos, für wahrscheinlich (Sachs, 1940).

Laut dem Talmud bestand die Chalil aus Materialien wie Schilfrohr, Holz, Knochen, Bronze oder Kupfer. Diese Konstruktion könnte der des griechischen Aulos und des arabischen Mizmar geähnelt haben. In der Zeit des Alten Testaments erfreute sich die Chalil in Israel großer Beliebtheit und wurde zu vielfältigen Anlässen verwendet. Insbesondere beim Laubhüttenfest fand die Chalil während der jüdischen Gottesdienste Anwendung. Darüber hinaus wurde der Gesang Hallel ebenfalls auf dem Chalil dargeboten. Die Klangqualität einer Chalil erwies sich als durchdringender und schärfer als die der Oboe, manchmal sogar als recht aufdringlich. Es wird erzählt, dass der Klang der Chalil, wenn sie im Jerusalemer Tempel erklang, bis nach Jericho zu hören war.

Im Jahr 1981 komponierte Leonard Bernstein ein Nocturne für Flöte, Streichorchester und Schlagzeug mit dem Titel Ḥalil, das dem Flötisten Yadin Tenenbaum gewidmet ist, der im Alter von 19 Jahren im Jom-Kippur-Krieg fiel.

Bernstein widmete „Halil“ „dem Geist von Yadin (Tenenbaum) und seinen gefallenen Kameraden“. Yadin Tenenbaum war ein israelischer Flötenschüler, der während des Krieges von 1973 in seinem Panzer nahe dem Sueskanal ums Leben kam. Der Titel „Halil“ ist das hebräische Wort für" Flöte.

„Formal unterscheidet sich ‚Halil‘ von jedem anderen Werk, das ich geschrieben habe; doch wie ein Großteil meiner Musik ist es geprägt von dem Ringen zwischen tonalen und nicht-tonalen Kräften. In diesem Fall empfinde ich dieses Ringen als einen Konflikt, der Kriege und Kriegsdrohungen, den überwältigenden Lebenswillen sowie den Trost durch Kunst, Liebe und die Hoffnung auf Frieden umfasst.“ – Leonard Bernstein

 

 

Literatur: Braun, Joachim. Die Musikkultur Altisraels/Palästinas. Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen. ‎ Fribourg: Academic Press Fribourg; 1999 (= Orbis biblicus et orientalis. Band 164), S. 36–37; Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas: Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte). Göttingen:  Vandenhoeck & Ruprecht; 1999, S. 52f.; Avenary, Hanoch. "Jüdische Musik. I. Einleitung. 2. Quellen". In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Sachteil, Band 4 (Hanau – Kartäuser).  Kassel u. a. :  Bärenreiter/Metzler,1996;   Braun, Joachim. "Biblische Musikinstrumente. IV. Instrumente. 3. ḥālîl." In: MGG Online, November 2016 (Musik in Geschichte und Gegenwart, 1994);  Sachs, Curt: The History of Musical Instruments. New York: W. W. Norton 1940, S. 119; Markovits, Michael. Die Orgel im Altertum. Leiden: Brill,  2003, S. 327; "Halil: Nocturne (1981)", auf leonardbernstein.com, abgerufen am 18.06.2026; Steinberg, Jessica. "‘Israeliana’ display at Israel Museum showcases country’s early memorabilia. A family’s collection in memory of their fallen son brings new  area of interest to Jerusalem institution, even if it’s not considered ‘art’" (14 April 2021) auf timesofisrael.com, abgerufen am 18.06.2026.
 

Antike Trompeten

Die frühesten Funde trompetenähnlicher Objekte, gefertigt aus Silber und Gold, weisen eine Länge von 10 bis 20 Zentimetern auf und stammen aus dem Iranischen Hochland (s. Abb.). Diese Artefakte wurden in den archäologischen Stätten Tepe Hissar, Gorgan und Schahdad in der Provinz Kerman entdeckt. Sie sind auf einen Zeitraum zwischen 2200 und 1750 v. Chr. datiert und stehen in Verbindung mit der Oasenkultur Zentralasiens, bekannt als der Bactria–Margiana Archaeological Complex (BMAC). 

Die kurzen Trompeten, die aus dem Gebiet zwischen Nordafghanistan und Südtadschikistan stammen, werden als „Oxus-Trompeten“ bezeichnet, nach dem antiken Namen des Flusses Amudarja. Dieser spezifische Trompetentyp zeichnet sich durch einen hohen Klang aus und könnte möglicherweise bei der Jagd verwendet worden sein. Charakteristisch für diese Instrumente ist ein Wulst in der Mitte der Röhre, der teilweise in Form eines Kopfes oder mehrerer Köpfe mit menschlichen Gesichtszügen gestaltet ist.

Die wahrscheinlich älteste bekannte Darstellung einer geraden Trompete findet sich auf einem fragmentarisch erhaltenen sumerischen Steinrelief aus Ḫafāǧī, das auf die Zeit um 2600 v. Chr. in der Mesilim-Periode datiert wird. Um 2400 v. Chr. wurden Trompeten in Mesopotamien dokumentiert und als Instrumente für rituelle Zwecke erwähnt. Darstellungen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. belegen, dass es sich um endgeblasene Kupfertrompeten handelte, die aufgrund ihrer leichten Krümmung als Nachahmungen von Tierhörnern konzipiert waren.

Die in Nordeuropa während der Bronzezeit gefundenen Luren, die vorwiegend paarweise vorkommen und aus der Zeit des späten 2. Jahrtausends bis zur Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. stammen, stellen vermutlich eine Weiterentwicklung der zuvor rituell verwendeten Ochsenhörner dar.

Die vermutlich älteste Darstellung einer ägyptischen Trompete ist ein Relief in der Vorhalle (Raum II/III) der Mastaba des Kagemni in Sakkara (Wesir unter Pharao Teti, 6. Dynastie) datiert auf den Übergang von der 5. zur 6. Dynastie, etwa 2400 v. Chr. Die Vorhalle ist berühmt für ihre exzellenten Flachreliefs und als Fundort der ältesten ägyptischen Trompetendarstellung. Sie war ursprünglich von Pfeilern getragen. Kagemni (Kurzform Gemni, „schöner Name“ Memi) war ein altägyptischer Wesir unter Pharao Teti (6. Dynastie). 

Die Mastaba des Kagemni (arabisch مصطبة, maṣṭaba ‚Steinbank‘) stellt einen repräsentativen Typus der altägyptischen Grabarchitektur dar und befindet sich im Teti-Bezirk von Sakkara, nördlich der Teti-Pyramide. Mit Abmessungen von 32,5 × 33,3 Metern beinhaltet die Anlage zehn unterschiedlich gestaltete Innenräume. Die im Süden gelegene Drei-Pfeiler-Halle illustriert vielfältige Themen wie Tanz, Jagd und Bootszenen. In den anderen Räumen sind Darstellungen von Vogelfang, Fischfang sowie Opferhandlungen zu finden (s. Video).

Besonders bemerkenswert ist ein Relief, das ein seltenes rituelles Trompetenspiel abbildet, welches im Rahmen des Totenkultes aufgeführt wurde. Dieses Relief zeigt eine Gruppe von Würdenträgern, die den Nil überqueren. Zwischen den Ruderern befindet sich ein Junge, der in der rechten Hand ein waagrecht gehaltenes Blasinstrument präsentiert. Obwohl das Instrument lediglich als dünne Röhre ohne Schallbecher erkennbar ist, identifiziert der Ägyptologe Hans Hickmann (1961) aufgrund der einhändigen Spielweise dieses Blasinstrument als Trompete, die während eines Totenkults verwendet wurde. 

Im Nordostteil des Grabes führt eine in das Mauerwerk integrierte „Himmelstreppe“ auf das Dach, wo zwei 11 Meter lange, schiffsförmige Gruben eingelassen sind, die vermutlich für die Sonnenbarken konzipiert wurden.

Im Alten Ägypten wurden metallene Trompeten, die als „scheneb“ bezeichnet werden, gemäß den meisten bildlichen Darstellungen von einem Musiker gespielt, der beispielsweise in der Grabkapelle des Nebamun, datiert auf das frühe 14. Jahrhundert v. Chr., eine Parade von marschierenden Soldaten anführte. Diese Trompeten kamen auch in königlichen Zeremonien zum Einsatz. Aus dem Grab des Tutanchamun (regierte um 1332–1323 v. Chr.) stammen zwei gut erhaltene kurze Trompeten, die die Metallherstellung dieses Instruments belegen.

Im Rahmen des Neubabylonischen Reiches belegen bildliche Darstellungen die Herstellung von Trompeten mit einer Länge von 70 bis 90 Zentimetern. Diese Instrumente erfüllten, ähnlich wie im antiken Mittelmeerraum, eine zentrale Rolle als Signalinstrumente. 

Das Neubabylonische Reich war eine prägende spätbabylonische Großmacht im Zweistromland, das dem heutigen Irak entspricht, und existierte von 626 bis 539 v. Chr. Unter der Herrschaft König Nebukadnezar II. erlebte das Reich eine Blütezeit in kultureller und politischer Hinsicht. Diese Epoche wurde 539 v. Chr. mit der Eroberung Babylons durch den persischen König Kyros II. beendet.

 Im Zuge mehrerer militärischer Feldzüge gegen die mesopotamischen Völker dokumentieren Darstellungen des neo-assyrischen Eroberers König Sanherib, dessen Regierungszeit etwa von 705 bis 680 v. Chr. dauerte und der für seine brutale Kriegsführung sowie den umfassenden Ausbau der Prachtmetropole Ninive bekannt ist, die Zwangsarbeit deportierter Völker. So zeigt ein Orthostatenrelief zwei Trompeter, die sich auf einer kolossalen, aus Stein gemeißelten Tierfigur befinden. Der erste Trompeter bläst eine waagrecht gehaltene, zylindrische Trompete, die an ihrem Ende leicht konisch gestaltet ist. Der zweite Trompeter hingegen positioniert sein Instrument mit der linken Hand nach unten und scheint mit der ausgestreckten rechten Hand Anweisungen zu erteilen. In dieser Darstellung wird die Trompete als Signalinstrument verwendet, durch das der Trompeter Befehle an die Arbeiterkolonnen übermittelt.

Die im Tempel verwendete Trompete erscheint in einer späteren Darstellung auf einem Wandgemälde in der Synagoge von Dura Europos, datiert auf ca. 250 n. Chr., auf dem König David zusammen mit seiner Leier, der kinnor, und Trompetenbläsern abgebildet ist (s. Video).

Nach den Eroberungen von Alexander dem Großen kam es im Seleukidenreich, das ab circa 320 v. Chr. entstand und sich von den Küsten des Mittelmeeres bis nach Zentralasien erstreckte, zur Verwendung von Trompeten in militärischen Einsätzen. 

Dies gilt ebenso für die zentralasiatischen Reiterkulturen, die im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Konflikte mit den Chinesen führten. 

Ein bemerkenswertes Felsrelief aus Taq-e Bostan in Kermānschāh, Iran, zeigt ein sassanidisches Militärorchester, das in Paaren Trompeten spielt, deren Form der römischen tuba ähnelt. Dieses Relief wurde unter der Herrschaft von König Chosrau II. (reg. 590–628) geschaffen und zeigt den König, der zur Hirschjagd reitet, mit einem Diener, der einen Sonnenschirm hält. Hinter diesen beiden, am rechten Rand des Reliefs, findet sich eine Militärkapelle in drei Reihen aufgestellt. Zu erkennen sind eine große Kesseltrommel (arabisch kūs), ein Paar kleiner Kesseltrommeln (tāsa), eine zweifellige Röhrentrommel, die Kegeloboe (surnā) sowie zwei Musiker, die Paarweise Langtrompeten spielen. 

 

Im direkten Gegensatz zu diesem lautstarken Ensemble ist das Hoforchester auf der anderen Seite des Königs zu finden, das überwiegend mit leisen Winkelharfen (tschang) und der Mundorgel (muschtaq) aufspielt. In dem im Jahr 1010 vollendeten persischen Nationalepos Schāhnāme wird mehrfach von Langtrompeten, bezeichnet als karranāy, berichtet. An einer Stelle der von Firdausi verfassten historisch-mythischen Erzählung blasen Trompetenspieler, die auf Elefanten sitzen, während andere die Trommeln schlagen.   Indessen setzten bereits die antiken Griechen Trompeten (salpinx), doppelte Rohrblattinstrumente (aulos) und Trommeln in ihren Militärorchestern ein. Zudem ist das Bildnis von trompetenblasenden Reitern auf dem Schlachtfeld auch bei den Kelten und Römern dokumentiert. In der sassanidischen Zeit wurden in Iran Kesseltrommeln auf Pferden befestigt, die gemeinsam mit trompetenblasenden Reitern während der Kämpfe zum Einsatz kamen.

Taq-e Bostan (Tāq-e Bostān), auch bekannt als Taq-i-Bustan oder Taqwasân (persisch طاق بستان, kurdisch Taqwesan), ist ein  bedeutender historischer Ort in der iranischen Provinz Kermanschah. Hier befinden sich eine Reihe großflächiger Felsreliefs, die aus der Zeit des Sassanidenreiches stammen, dessen Herrschaft von 226 bis 650 n. Chr. währte. Diese als „Gartenbogen“ übersetzbare Anlage, die einst Teil eines Paradeisos war, liegt etwa 5 km nordöstlich der Stadt Kermanschah im Westiran und erstreckt sich über die nördlichen Regionen des Zagros-Gebirges, zwischen den Provinzen Kurdistan und Luristan, und gehört zur historischen Region Medien. 

Die Reliefs gelten als einige der herausragendsten und am besten erhaltenen Exemplare sassanidischer Kunst. Sie illustrieren Szenen der Investituren, darunter die Einsetzung von „Mazda verehrenden Gottheiten“ zum König der Könige der Arier und Nicht-Arier, der als „von den Göttern abstammend“ gilt, sowie die Darstellungen von Ardaschir II., Schapur III. und Chosrau II. Wie viele andere Werke der sassanidischen Kunst betonen die Darstellungen in Tāq-e Bostān Macht, religiöse Strömungen, Ruhm, Ehre, die Größe des Könighofes sowie auch Kriegergeist, Geselligkeit, Festlichkeiten, Freude und Jubel. 

Die sassanidischen Monarchen wählten diese malerische Umgebung für die Anbringung der Reliefs, die sich geschickt entlang eines Rastplatzes der historischen Seidenstraße anordnen. Die Reliefs befinden sich in unmittelbarer Nähe zu einer heiligen Quelle, die in ein Becken am Fuße einer Felswand mündet.

Literatur:   Lawergren, Bo. "Oxus Trumpets, ca. 2200–1800 BCE". In: Iranica Antiqua, Band 38, Januar 2003, S. 41–118; Brunner-Traut,  Emma.  Ägypten: Kunst- und Reiseführer mit Landeskunde. 5. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 1986, S. 514; Schlögl, Hermann A. Das alte Ägypten. 3. Auflage, Beck, München 2008,  S. 104;  Rashid, Subhi Anwar. "Mesopotamien". In: Werner Bachmann (Hrsg.): Musikgeschichte in Bildern. Band II: Musik des Altertums. Leipzig:   Deutscher Verlag für Musik; 1984, S. 124, 160; Braun, Joachim. Music in Ancient Israel/Palestine. Archaeological, Written, and Comparative Sources. Grand Rapids (Michigan):  William B. Eerdmans Publishing Company,  2002; Merchan, Tanya. "Karnā". In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 3, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 115f.; Montagu, Jeremy. Musical Instruments of the Bible. Lanham: Scarecrow Press, 2002, S. 56f.; Alram, Michel. "Die Kunst im Sasanidenstaat". In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Wien: Kunsthistorisches Museum, 2001, S. 263–295, hier S. 269–270.
 

Chazozra

Der hebräische Begriff für die aus gehämmertem Silber gefertigte Metalltrompete, "chazozra“ (im Plural "chazozrot“), wird im Alten Testament insgesamt 31 Mal erwähnt. Sie fungiert überwiegend als Kultinstrument der Priester, während nur drei Erwähnungen in einem militärischen Kontext zu finden sind, darunter in 2 Könige 11,14. 

Nach Joachim Braun (2002) könnte der Begriff "chazozra“ etymologisch mit dem arabischen Verb "hsr“, das "heulen“ oder "schreien“ bedeutet, verknüpft sein. David Wulstan hingegen interpretiert die hebräische Konsonantenwurzel als "Gehäuse“ oder "Umzäunung“, was wiederum auf die Bezeichnung "Röhre“ hindeutet. 

Dies lässt darauf schließen, dass die Bezeichnung der israelitischen Metalltrompete nicht ägyptischen Ursprungs ist. Allgemein wird jedoch angenommen, dass die „chazozra“ von den in Design und Material ähnlichen altägyptischen Militärtrompeten, bekannt als "scheneb“, inspiriert wurde, wobei ein Einfluss von Trompeten der Philister oder Phönizier nicht ausgeschlossen werden kann. 

Im Grab von Tutanchamun wurden zwei Exemplare entdeckt: Die erste misst 58 Zentimeter und ist aus Silber gefertigt, während die zweite, 49 Zentimeter lang, aus teilweise vergoldetem Bronzeblech besteht. Beide Fundstücke erzeugen zwei spielbare Töne, die in einem ähnlichen Intervall angeordnet sind wie die einer über 1000 Jahre später entstandenen Trompete aus der griechisch-römischen Ära (1. Jahrhundert v. Chr.).

Die Chazozra (auch bekannt als Hazozra, Hasosrah, Hasoserah, Plural Chazozrot, Hasoserot) war eine in religiösen Ritualen verwendete Naturtrompete der Israeliten, die üblicherweise aus edlen Metallen wie Silber oder Silberlegierungen gefertigt wurde. Dieses Instrument kam insbesondere bei Opfer- und Krönungszeremonien zum Einsatz, die von Priestern geleitet wurden. 

Die Chazozra wird im Alten Testament insgesamt 31 Mal erwähnt und in der Vulgata als "tuba" übersetzt. Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen der Chazozra findet sich im vierten Buch Mose Hier erteilt der Prophet Mose auf Anweisung von Elohim den Befehl (4 Mose 10, 1-10):

1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 2 Mache dir zwei Trompeten von getriebenem Silber und gebrauche sie, um die Gemeinde zusammenzurufen und wenn das Heer aufbrechen soll. 3 Wenn man mit beiden bläst, soll sich bei dir versammeln die ganze Gemeinde vor dem Eingang der Stiftshütte. 4 Wenn man nur mit einer bläst, so sollen sich bei dir versammeln die Fürsten, die Häupter über die Tausende in Israel. 5 Wenn ihr aber laut trompetet, so sollen die Lager aufbrechen, die nach Osten zu liegen. 6 Und wenn ihr zum zweiten Mal laut trompetet, so sollen die Lager aufbrechen, die nach Süden zu liegen. Denn wenn sie weiterziehen sollen, so sollt ihr laut trompeten. 7 Wenn aber die Gemeinde zu versammeln ist, sollt ihr nur blasen und nicht laut trompeten. 8 Es sollen aber blasen mit den Trompeten die Söhne Aarons, die Priester; und das soll eine ewige Ordnung sein für euch und eure Nachkommen. 9 Wenn ihr in den Krieg zieht in eurem Lande gegen eure Feinde, die euch bedrängen, so sollt ihr laut trompeten mit den Trompeten, dass euer gedacht werde vor dem HERRN, eurem Gott, und ihr errettet werdet vor euren Feinden. 10 Desgleichen, wenn ihr fröhlich seid an euren Festen und an euren Neumonden, sollt ihr mit den Trompeten blasen bei euren Brandopfern und Dankopfern, dass sie euch seien Erinnerungsopfer vor eurem Gott. Ich bin der HERR, euer Gott."

Die gerade Metalltrompete, bekannt als chazozra, eine rituell verwendete Langtrompete der Israeliten, unterscheidet sich in ihrer Bauform von dem gebogenen Naturhorn, dem schofar. Der Begriff „schofar“ hat seine Wurzeln im Akkadischen, während „chazozra“ auf der hebräischen Konsonantenwurzel ḤṢR basiert, was „Gehäuse“, „Umzäunung“ und in der Ableitung „Röhre“ bedeutet. Die Form der chazozra, jedoch nicht ihr Name, scheint aus Ägypten importiert worden zu sein. Sie ist  möglicherweise auf die einfachere ägyptische Militärtrompete, die scheneb, zurückzuführen, welche lediglich zwei Töne erzeugte. Bei der  scheneb handelt es sich demnach um ein Signalinstrumente, das  nicht als Musikinstrument qualifiziert werden kann.

Laut biblischer Überlieferung waren zur Einweihung des salomonischen Tempels unter anderem 120 Priester anwesend, die mit Trompeten bliesen. Und es war, als wäre es einer, der trompetete,so  als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN (2 Chr 5,12–13). 

2 Chr 5,12–13  "12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes." 

Im Jahr 70 n. Chr., am Ende des Jüdischen Krieges, wurde das geraubte Tempelgerät nach Rom gebracht, wovon zwei Reliefdarstellungen auf dem Titusbogen in Rom (ca. 70 n. Chr.) zeugen, die erst nachträglich um 190 hinzugefügt wurden. Der jüdisch-hellenistische Historike Flavius Josephus (altgriechisch Φλαύιος Ἰώσηπος Flavios Iṓsēpos; geboren 37/38 n. Chr. in Jerusalem; gestorben um 100 vermutlich in Rom) dokumentiert in seiner Schrift "Jüdische Altertümer“ die Länge einer Chazozra mit einer „knappen Elle“ (ca. 46 cm).

In der Regel wurde die chazozra paarweise gespielt (s. Abb.). Während die chazozra eng mit dem institutionalisierten sakralen Bereich sowie dem Machtzirkel des Zweiten Tempels verbunden ist, gehört das schofar zur magisch-mystischen Praxis der Gottesverehrung.

 

 

 

Abb. Relief (Triumphzug) des Titusboge,Rom mit zwei chazozrot rechts im Bild - Foto: Dnalor 01 (6 April 2006)


Scheneb

Der Begriff "scheneb" (altägyptisch: šnb) bezeichnete im Alten Ägypten gerade Naturtrompeten, die militärischen Zwecken dienten. Zwei original erhaltene Exemplare  (s. Abb.) stammen aus dem Grabschatz des Pharaos Tutanchamun, dessen Regierungszeit zwischen 1332 und 1323 v. Chr. lag. Diese beiden  Signalinstrumente  sind Teil einer umfangreichen Sammlung von über 5.000 Artefakten, die im Grab KV62 im Tal der Könige entdeckt wurden.

 

Abb. Zwei  Silberne Trompete aus dem Grab des Tutanchamun mit Transportsicherung aus Holz (Fund-Nr. 175) - Foto: Suaudeau (29 April 2019)

 

Osiris wird in Ägypten als der Schöpfer der Musik und als Erfinder zahlreicher Musikinstrumente, insbesondere von Blasinstrumenten wie Flöte und Trompete, hochgeachtet. Die frühesten Belege für Trompeten wurden im antiken Ägypten gefunden. Der deutsche Musikethnologe Curt Sachs (1881-1959), der als Pionier der wissenschaftlichen Musikinstrumentenkunde gilt, postuliert folglich, dass deren Ursprung in dieser Region zu verorten ist (Sachs 1921:89). 

Die ägyptische Trompete diente als Modell für andere Kulturen, so wurde beispielsweise die griechische Trompete, bekannt als Salpinx, sowohl im Militärdienst als auch bei Festlichkeiten, ähnlich wie in Ägypten, eingesetzt (Wegner 1949:61). 

Bemerkenswert ist die hohe Frequenz der trompetenbezogenen Darstellungen im Kontext von Nubien, wo sie offensichtlich von Nubiern gespielt oder in deren musikalischer Begleitung verwendet wurde. In dieser Verbindung erscheint auch die fassförmige Trommel, deren Ursprung ebenfalls in Nubien vermutet wird. Insbesondere während der 25. Dynastie wird die Trompete häufig in Nubien dargestellt. Die Darstellungen von Trompetenspielen in Gegenwart von Gottheiten sind in dieser Region einzigartig und von erheblicher Bedeutung, da sie die zentrale Rolle der Trompete im regionalen Kult verdeutlichen. Es ist naheliegend, dass die Verwendung der Trompete, insbesondere im religiösen Kontext, ihren Ursprung in Nubien hat (Vandier 1967:70).

Die älteste bekannte Darstellung eines trompetenähnlichen Blasinstruments in Ägypten datiert möglicherweise bereits auf das Alte Reich. Ein Relief im Grab des Kagemni, das etwa um 2.300 v. Chr. entstanden ist, zeigt einen Mann, der am Bug eines Bootes steht und einen konischen Gegenstand an den Mund hält. Leider ist das Relief und insbesondere das abgebildete Objekt teilweise stark beschädigt, sodass keine klare Detailerkennung möglich ist.

Die erste gesicherte Abbildung einer Trompete stammt hingegen erst aus dem Neuen Reich (circa 1.550–1.070 v. Chr.). Im Totentempel der Königin Hatschepsut, datierend um 1.467–1.445 v. Chr. in Deir el-Bahari, ist auf einem Relief ein Trompetenspieler während einer Militärparade abgebildet. In späteren Darstellungen finden sich regelmäßig Trompeter, oft begleitet von einem Trommler. Darüber hinaus finden sich Trompeter sowohl im militärischen Kontext als auch in den Darstellungen der Aufrichtung von Obelisken und als Begleiter bei religiösen Prozessionen. 

Derzeit sind lediglich zwei originale ägyptische Trompeten bekannt (s. Abb.). Diese stammen aus dem Grab des Tutanchamun, das 1922 von dem britischen Ägyptologen Howard Carter ( 1874 - 1939)  1922 im Tal der Könige in West-Theben entdeckt wurde. Das Grab, in dem sich diese  ältesten erhaltenen Blechblasinstrumente das befanden, ist das  bislang einzige, nahezu intakte Pharaonengrab (KV62). Es handelt sich um  eine etwa 58 cm lange Naturtrompete aus Silber und eine etwa 50 cm lange Trompete aus vergoldetem Bronze. Gemeinsam mit diesen Blechblasinstrumenten wurden auch die zugehörigen Transportvorrichtungen aus bemaltem Holz gefunden. 

Die beiden Trompeten des Tutanchamun, namentlich "CG 69850" und "CG 69851", bestehen aus Silber beziehungsweise Bronze oder Kupfer (Abb.1). Die Silberne Trompete "CG 69850" weist eine Dekoration mit Lotusblüten auf, wobei einige der ursprünglichen Motive später modifiziert wurden. Neu hinzugefügte Darstellungen zeigen die Gottheiten Amun-Re, Re-Harachte sowie Ptah. Auch die Bronzetrompete CG 69851 umfasst diese Götter, ergänzt durch ein Abbild des Königs (vgl. Manniche 1991:76). Die dekorativen Elemente der Trompeten verdeutlichen deren militärische Relevanz, da die abgebildeten Gottheiten wohl Divisionen der ägyptischen Armee repräsentierten, die entsprechend nach diesen Göttern und dem König benannt waren. Die silberne Trompete ist, ähnlich der Trompete aus Musawwarat es Sufra, durch einen sanften Übergang von der Röhre zum Schalltrichter gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu verfügt die Bronzetrompete über einen schärferen Übergang. Ihr Schalltrichter ist kürzer, jedoch etwas breiter als der der Silbertrompete.

Beide Instrumente wurden samt ihren Mundstücken entdeckt, in die der Schalltrichter eingeführt war. Es ist zu beachten, dass es sich dabei nicht um Mundstücke im modernen Sinne handelt, sondern vielmehr um zylindrische Rohre, die an ihrem oberen Ende durch einen Ring verstärkt sind. Dieser Ring ermöglicht dem Trompeter ein problemloses Ansetzen an den Mund, ohne das Risiko einer Verletzung durch den scharfen Rand der dünnwandigen Instrumente (Manniche 1991: 75). 

Jede Trompete ist mit einem hölzernen Kern versehen, der der Form der Trompete entspricht. Diese Kerne dienen dem Schutz der Instrumente vor Beschädigungen, wenn sie nicht in Gebrauch sind. Sie sind zudem mit Lotusblüten dekoriert. Die Lotusblüte, die als Symbol der Wiedergeburt verstanden wird, verdeutlicht die Funktion der Trompeten als Grabbeigabe. Sie fördern die Wiedergeburt des Königs (Manniche 1991: 79), indem sie ein bedeutendes Ereignis ankündigen und die Aufmerksamkeit der Götter darauf lenken. Somit erfüllen die Trompeten des Tut-Anch-Amun zwei wesentliche Funktionen: Sie fungierten sowohl als Militärinstrument als auch als rituelles Instrument im Totenkult (Manniche 1991: 79).

Nach mehr als 3000 Jahren wurden die Trompeten des Tutanchamun im Jahr 1933 erneut zum Erklingen gebracht (Manniche 1991: 75). Im Jahr 1939 erfolgte die Erstellung einer Aufnahme im Ägyptischen Museum in Kairo für BBC Radio. Hierbei kam ein modernes Mundstück zum Einsatz, was bedauerlicherweise die Silbertrompete beschädigte. 

In einem weiteren Versuch im Jahr 1941 wurde anstelle der beschädigten Trompete eine Replik verwendet, die um 7 mm kürzer war und dadurch einen leicht höheren Ton erzeugte als das Original. Bei diesem Experiment wurden keine modernen Hilfsmittel in Anspruch genommen. Hans Hickmann (1961: 120) dokumentierte die gespielten Töne dieser Instrumente (vgl. Abb. 2). Aufgrund der relativ kompakten Bauweise der Trompeten des Tutanchamun kann ein Trompeter lediglich zwei Töne von akzeptabler Klangqualität und ohne übermäßige Anstrengung erzeugen. Trotz der unterschiedlichen Längen weisen die Trompeten vergleichbare Proportionen auf. Das Verhältnis der Gesamtlänge beider Trompeten zum Durchmesser des Schalltrichters beträgt ungefähr 5,4 : 1.

Die übliche Blastechnik dieser Instrumente ermöglichte die Erzeugung von zwei Tönen, was für Signalinstrumente ausreichend ist,  die Scheneb jedoch nicht als Musikinstrument, sondern eher als Blechblasinstrument qualifiziert. Ihr Klang musste äußerst schrill gewesen sein, da  der  antike griechische Schriftsteller Plutarch (altgriechisch Πλούταρχος Ploútarchos, latinisiert Plutarchus; um 45 - um 125 n. Chr.) den Ton  der Scheneb mit dem Geschrei eines Esels verglich

Eine weitere Trompete wurde im kuschitischen Tempelkomplexes von Al-Musawwarat as-sufra (arabisch المصورات الصفراء al-Musawwarāt as-sufrāʾ, al-Muṣawwarāt aṣ-ṣufrāʾ, auch Musawwarat es Sufra; meroitisch Aborepi; altägyptisch jbrp, jpbr-ˁnḫ), im heutigen Sudan gelegen,  entdeckt und stammt aus der Zeit um 200 v. Chr.

Literatur: Idelsohn,  Abraham Zevi. Jewish Music - Its Historical Development.  New York: Henry Holt & Company, 1929, S. 10f; Wulstan; David. "The Sounding of the Shofar". In: The Galpin Society Journal, Vol. 26, Mai 1973, S. 29–46; Billig, Daniela. "Die Trompete aus dem Statuentempel II D von Musawwarat es Sufra", Mitteilungen der Sudanarchäologischen Gesellschaft zu Berlin e.V., Heft 11 (2001, S. 72-79; Wulstan, David. "The Sounding of the Shofar". In: The Galpin Society Journal, Band 26, Mai 1973, S. 29–46, hier S. 30; Kirby, Percival R. "Trumpets of Tut-Ankh-Amen and Their Successors". In: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland. Band 77, Nr. 1, 1947, S. 33–45, hier S. 35, 37.
 

Abb. 1: Die Trompeten des Tut-Anch-Amun mit ihren
Holzkernen (ans Hickmann 1961:121).
Abb. 2: Die Töne der Bronzetrompete und der Silber
trompete (aus Hickmann 1961:120)

"Tutankhamun's Trumpets played after 3000+ Years"

Im Jahr 1939 initiierte die BBC eine herausragende musikalische Übertragung aus dem Ägyptischen Museum in Kairo, die international auf bemerkenswerte Resonanz stieß. Rund 150 Millionen Zuhörer verfolgten fasziniert das Wiedererwachen der "Trompeten Tutanchamuns" – ein Ereignis, das nach mehr als 3.000 Jahren zum ersten Mal erlebbar wurde. 

Nur zwei Jahrzehnte zuvor wurde das  Grab des Königs Tutanchamun  von dem bekannten Archäologen Howard Carter entdeckt. Den Verantwortlichen war an diesem besonderen Sonntagabend bewusst, dass sie mit dieser Rundfunkübertragung Geschichte schrieben. Rex Keating, der Moderator der Sendung, reflektiert in seinen Memoiren über diesen prägnanten Moment: "Ich gestehe, dass ich das vereinbarte Handzeichen für den Bruchteil einer Sekunde verzögerte, nur um diesen Moment ein wenig auszukosten  – denn ich wusste, dass so etwas nie wieder geschehen konnte".

Am 4. November 1922 machte Howard Carter   die Entdeckung seines Lebens: Er fand  im Tal der Könige reich ausgestatteten Grabkammern  samt seiner Mumie: das bislang einzige intakte Pharaonengrab, die Gruft des Tutanchamun. Viele Geheimnisse nahm Tutanchamun mit ins Grab, doch einige konnten gelüftet werden. 

Neben dem Thron des Pharaos und verschiedenen Schreinen stellten die Wissenschaftler auch den prachtvollen Sarkophag sowie die goldene Totenmaske Tutanchamuns in den Mittelpunkt ihrer Funde. Allerdings bestand nicht jeder Schatz in dieser letzten Ruhestätte aus Gold. Im Vorraum des Grabes wurde eine altägyptische Trompete aus Kupfer und Bronze, eine sogenannte Scheneb, freigelegt. In der zentralen Kammer fand man eine zweite Scheneb, gefertigt aus Silber. Diese beiden Instrumente aus dem Grab des Tutanchamun gelten nicht nur als die einzig erhaltenen Trompeten  aus dem alten Ägypten, sondern auch als die ältesten Trompeten weltweit. 

Im Rahmen der BBC-Übertragung, die nationale und globale Zuhörerschaften von ca. 150 Millionen Menschen anzog, sprach Moderator Keating zunächst mit Alfred Lucas, einem der letzten Überlebenden der Carter-Ausgrabung, über die Bedeutung dieser Trompeten. Alfred Lucas erklärte: "Sie ähneln stark denen, die an den Wänden anderer Grabkammern abgebildet sind und wurden vor allem, aber nicht ausschließlich, für militärische Zwecke eingesetzt.“ 

Der Militärtrompeter James Tappern, der den "Prinzen Albert eigenen elften königlichen Husaren" angehörte, wartete darauf, die beiden Trompeten nach über drei Jahrtausenden erneut zum Klingen zu bringen. Kurz bevor Tappern die erste Trompete an seine Lippen führte, fiel jedoch unerwartet das Licht im Museum aus. Die Übertragung aus dem Museum wurde im schummrigen Kerzenlicht fortgesetzt. Im Dämmerlicht gab Keating das Zeichen für den Einsatz des Trompeters. Der Moderator erinnerte sich: "Ich senkte meine Hand, dann ertönte sie, laut und klar: Die silberne Stimme aus der ruhmreichen Vergangenheit Ägyptens erschallte in allen vier Himmelsrichtungen des Erdenrunds."

"Tutankhamun's Trumpets played after 3000+ Years"

 

Zu den herausragenden Artefakten aus dem Grab des Pharaos Tutanchamun zählen zweifelohne die zwei kunstvoll gestalteten Trompeten – eine aus Silber und die andere aus Bronze. Im Jahr 1939 gelang es der BBC, den Klang dieser Trompeten weltweit an 150 Millionen Zuhörer zu übertragen, wodurch die Ausstrahlung symbolisch „in alle vier Himmelsrichtungen“ reiste. Während der Plünderung des Ägyptischen Museums in Kairo im Jahr 2011 wurde eine der Trompeten entwendet, konnte jedoch erfolgreich wiederaufgefunden werden. Das Grab des Königs Tutanchamun wurde am 16. Februar 1923 von dem bekannten Archäologen Howard Carter entdeckt.

 

Literatur: Idelsohn,  Abraham Zevi. Jewish Music - Its Historical Development.  New York: Henry Holt & Company, 1929, S. 10f; Wulstan; David. "The Sounding of the Shofar". In: The Galpin Society Journal, Vol. 26, Mai 1973, S. 29–46; Billig, Daniela. "Die Trompete aus dem Statuentempel II C von Musawwarat es Sufra". In: Der Antike Sudan. Nr. 11, 2001, S. 72–79; Kirby; Percival R. "Trumpets of Tut-Ankh-Amen and Their Successors". In: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland. Band 77, Nr. 1, 1947, S. 33–45;  Schreiber, Sylvia. "Klänge aus der Grabkammer. Die Trompeten des Tutanchamun", 16.04.2025, BR Klassik, auf br-klassik.de, abgerufen am 21.06.2026; Peer, Simone, "Tutanchamun. Die Geheimnisse um den jungen Pharao",  02.10.2024, auf ardalpha.de, aufgerufen am 21.06.2026;

Die Trompete aus dem kuschitischen Tempelkomplexes von Al-Musawwarat as-sufra

Abb 3.: Trompete aus Tempel IID, Musawwarat es Sufra (aus Hintze 1962: 455).

Das Feldtagebuch der Grabung in Musawwarat es-Sufra (Sudan) verzeichnet am Montag, den 1. Februar 1960, den Fund einer "eisernen Tempeltrompete“ im sogenannten "Statuentempel“. Es wurden stark oxidierte Metallteile mit einer Dicke von 2-2,5 mm entdeckt. Die Rekonstruktion zeigt ein Fragment der Trompete, das einen Schalltrichter sowie einen Abschnitt der Schallröhre umfasst. (s. Abb. 3).

Die Schallröhre weist eine zylindrische Form auf, verjüngt sich konisch und erweitert sich schlussendlich zum Schalltrichter. Informationen zum Mundstück der Trompete sind nicht dokumentiert. Das Instrument war an einer nicht mehr erhaltenen Schweißnaht gefertigt. Der Benutzungszeitraum des Tempels II D, in dem das Instrument gefunden wurde, wird laut Hintze (1963: 71) auf 200 v. Chr. bis zur Zeit Christi datiert. Die Trompete befand sich "in Fußbodenhöhe ... an der Nordseite des Altarblocks“ (Hintze 1962: 455). Daher lässt sich annehmen, dass sie aus der ersten Benutzungsperiode stammt. Es sind keine weiteren Instrumente dieser Art aus der napatanischen und meroitischen Periode des Reiches von Kush erhalten geblieben.

Wie bereits dargelegt, steht die Gesamtlänge beider Trompeten des Tut-anch-amun in einem Verhältnis von ungefähr 5,4:1 zur Länge des Schalltrichters. Unter der Annahme, dass ein ähnlicher Proportionskanon für das Instrument aus Musawwarat es Sufra angewendet wird, beträgt die Gesamtlänge dieser Trompete im Originalzustand etwa 75 bis 86 cm. 

Der Grundton dieses Instruments ist in der Tat tiefer im Vergleich zu den Grundtönen der Trompeten des Tutanchamun. Durch diesen tieferen Grundton war vermutlich die Erzeugung einer größeren Anzahl von Tönen möglich.  Der Schalltrichter misst zwischen 14 und 16 cm in der Länge. 

Aufgrund des aktuellen Erhaltungszustandes lässt sich die exakte Länge leider nicht mehr bestimmen.

Auf der Stele des Trompeters Hory aus der Zeit Ramses II. (Pelizaeus-Museum Hildesheim, Stele 397, Fundort Tell Horhet) ist eine Trompete abgebildet, die aufgrund ihrer Proportionen ebenfalls eine Länge von etwa 80 cm gehabt haben dürfte (vgl. Hickmann 1961:123). 22) Hickmann 1950: 353; Manniche 1975: 32; Manniche 1991: 17.

Weder aus Ägypten noch aus dem Kuschitischen Reich sind weitere Belege für Trompeten vorhanden, die tiefere Einblicke in die Proportionsgesetze ermöglichen könnten. Dennoch ist es unbestritten, dass Trompeten in der Regel über eine Schallröhre verfügen, deren Länge das Maß des Schalltrichters erheblich übersteigt. Die Trompete aus dem Tempel II D von Musawwarat es Sufra war im unversehrten Zustand zweifellos signifikant länger als die dokumentierten 36 cm.

Die Funktion der Trompeten

Die frühesten trompetenähnlichen Instrumente sind in Grabstätten des alten ägyptischen Reiches dokumentiert, insbesondere im Grab des Kagemni in Saqqara (PMIII2, 521-525), einem altägyptischen Wesir unter Pharao Teti (6. Dynastie). Auf einem Relief ist eine Figur abgebildet, die sich an der Vorderseite eines Bootes befindet und einen leicht konisch geformten Gegenstand an den Mund führt; der Erhaltungszustand des Objekts ist jedoch stark beeinträchtigt. Die Interpretation dieser Abbildung sowie die Funktion des Instruments werden in der Fachliteratur unterschiedlich diskutiert. Hickmann (1950:351) argumentiert, dass die Trompete im Rahmen des Totenkults Verwendung fand. In diesem Kontext könnte der Trompeter in der Totenbarke mit seinem Signal die Ankunft im Jenseits verkündet haben. 

Alternativ besteht die Möglichkeit, dass es sich um eine Darstellung einer tatsächlichen Jagdsituation handelt, in der Wasservögel gejagt werden (Manniche 1991: 17). In diesem Szenario würde der Trompeter das Instrument spielen, um die Wasservögel aufzuschrecken, die dann erlegt werden können. Aufgrund des unzureichenden Erhaltungszustands bleibt unklar, ob es sich tatsächlich um eine echte Trompete oder um einen Vorläufer handelt, der möglicherweise als eine Art Megaphon verwendet wurde (Manniche 1975: 33).

Die erste gesicherte Darstellung einer Trompete lässt sich auf die Zeit des Neuen Reiches zurückdatieren. Das Neue Reich umfasst im Alten Ägypten die Zeit von 1550 bis 1070 v. Chr. (18. bis 20. Dynastie) und ist neben dem Alten Reich die wohl bekannteste Epoche der Pharaonenzeit. 

Im Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari aus der 18. Dynastie, dem am besten erhaltene Tempel in Deir el-Bahari am Westufer des Nil in Theben, begegnet man der Trompete erstmals in einem militärischen Kontext, insbesondere im Rahmen einer Parade (Manniche 1975: 33). 

Diese Epoche war durch umfangreiche militärische Feldzüge gekennzeichnet und markierte die maximale Ausdehnung des ägyptischen Reiches, was der Militärsphäre eine zentrale Rolle verlieh. Dies erklärt die häufige thematische Präsenz militärischer Aspekte in der Kunst dieser Periode. 

Soldaten werden oftmals von Trompetenklängen begleitet. Typischerweise tritt die Trompete in Kombination mit der Trommel auf (Manniche 1991: 74), wobei letztere häufig von nubischen Soldaten gespielt wird. Diese Instrumentalkombination verdeutlicht die spezifischen Funktionen der beiden Musikinstrumente. Die Trompete, ausgestattet mit ihrer markanten Richtungseigenschaft und den hohen, durchdringenden Tönen, erweist sich als besonders effektiv zur Erzeugung von Signalen. Ihre Hörbarkeit über das Geräusch von Schlachten hinweg ermöglicht die Übermittlung von Nachrichten und militärischen Befehlen über längere Distanzen. Im Gegensatz dazu dient die Trommel der Etablierung eines gleichmäßigen Schritttempos und reguliert die Geschwindigkeit der Soldaten.

In einer Darstellung im Totentempel von Ramses III. in Medinet Habu wird die Militärtrompete während eines Kampfes abgebildet. Der Totentempel des Ramses III. ist ein im 12. Jahrhundert v. Chr. durch König (Pharao) Ramses III. (um 1221–1156 v. Chr.) im altägyptischen Ort Tahut, heute Medînet Hâbu, errichtetes Millionenjahrhaus, ein vor allem der gottähnlichen Erhebung des Königs dienender Kultbau. Die Tempelruine befindet sich innerhalb einer nicht mehr vollständig erhaltenen Umfassungsmauer eines Tempelkomplexes, zu dem neben dem Haupttempel Ramses’ III. noch ein Amun-Tempel, die Grabkapellen der Gottesgemahlinnen des Amun aus der 23. bis 26. Dynastie und ein Heiliger See gehörten. In dieser Dartellung  ist der Angriff auf eine syrische Festung (Hölscher 1984) dokumentiert. Der Trompeter, positioniert auf dem Dach der belagerten Anlage, übermittelt auf diese Weise die Befehle an seine Truppen. 

In den Reliefs des Neuen Reiches treten die beiden Instrumente auch in anderen Kontexten auf. Im Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari wird die Ankunft zweier Obelisken durch die Musik von Trompete und Trommel untermalt. Es ist möglich, dass während des Entladens dieser Monolithen Trompete und Trommel eingesetzt wurden, da sie einen reibungslosen Ablauf fördern und für einen synchronen Beginn sowie einen geregelten Arbeitsrhythmus sorgen (Manniche 1991: 81). 

Darüber hinaus erscheint die Trompete im Totentempel von Ramses III. in Medinet Habu  in der Gefolgschaft von Höflingen und Soldaten an der Seite des Königs (PM 112, 493, 499). Die Präsenz des Königs wird durch das Spiel der Trompete hervorgehoben. 

Die zunehmende Bedeutung der Trompete wird auch durch einen Titel belegt, der ab dem Neuen Reich dokumentiert ist. In Papyri wird der Titel  "djd m snb" erwähnt, was auf die Verwendung der Trompete zur Übermittlung von Botschaften hindeutet (Spiegelberg 1917: 92). Dieser Titel könnte möglicherweise auf Megaphone als Ursprung der Trompete verweisen und verdeutlicht ihre Funktion als Kommunikationsmittel (Hickmann 1966: 773).

Seit dem Neuen Reich spielt die Trompete eine bedeutende Rolle in religiösen Kontexten. Häufig sind Trompeten, in Kombination mit Trommeln, in Prozessionen zu beobachten, wie beispielsweise im Luxortempel, wo eine Darstellung des Opetfestes aus der Zeit von Tutanchamun festgehalten ist. Der Luxor-Tempel (altägyptisch Ipet-reset) ist eine Tempelanlage im heutigen Luxor in Ägypten. Er wurde zur Zeit des Neuen Reichs (1550 bis 1070 v. Chr.) errichtet und "südlicher Harem des Amun von Karnak" genannt. Er war dem Gott Amun, seiner Gemahlin Mut und ihrem gemeinsamen Sohn, dem Mondgott Chons, geweiht. Der Tempel steht seit 1979 zusammen mit dem Karnak-Tempel und der thebanischen Nekropole auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Hier ist auf der Westwand ein Trompeter zu sehen, der den Zug der Barken von Mut und Chons von Karnak zum Nil koordiniert, wobei er sich zur Prozession gedreht hat, um besser gehört zu werden. Ihm folgen ein Trommler, Priester und Wedelträger. Auf der Ostwand wird die Barke von einer Gruppe tanzender Nubier begleitet, unter denen sich ebenfalls ein Trompeter befindet. Dies deutet auf die festliche Trompetenmusik während der Prozession hin. Die Rolle der Trompete beschränkt sich jedoch nicht nur auf Prozessionen und Feste; sie ist auch ein wichtiges Element im Totenkult. 

Ein Siegelabdruck aus der 18. Dynastie aus Buhen sowie das  Sargfragment Berlin 12650 (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Inventarnummer Berlin AM 12650; s. Abb. 4),  ein Artefakt aus der römischen Epoche des alten Ägypten  zeigen einen Trompeter, der vor Osiris spielt. Dieses Sargfragment ist vor allem in der Musikarchäologie von Bedeutung. Das Fragment zeigt einen Trompeter, der vor dem thronenden Gott Osiris spielt.  Der Musiker hält das Instrument (vermutlich eine altägyptische Trompete) mit der linken Hand direkt in Richtung des Gottes ausgerichtet. Die Szene liefert wichtige ikonografische Belege für die Rolle von Trompetern im ägyptischen Tempelpersonal und bei kultischen Ritualen. 

Weitere Hinweise auf Tempelkapellen, in denen Trompeter und Tempeltrompeten einbezogen sind, finden sich in den Tempeln des Taharqo in Sanam und Kawa. Taharqa (auch Taharka, Taharqo, Tiharka oder Tarakos) war der 5. Pharao (König) der kuschitischen 25. Dynastie in Ägypten. Seine Regierungszeit ist von 690–664 v. Chr. anzusetzen. Er ließ im 7. Jahrhundert v. Chr. im heutigen Sudan zahlreiche Amun-Tempel errichten oder erweitern. Die Tempel in Sanam und Kawa spielen dabei eine archäologische Schlüsselrolle, da sie den weitreichenden Einfluss und die religiösen Praktiken der "Schwarzen Pharaonen" belegen.

 

Abb. 4: Sargfragment Berlin 12650 (aus Hickmann 1966:771).

Die sogenannte  "Musicians wall“ („Musikerwand")  aus dem Amun-Tempel von Kawa  (Abb. 5) zeigt eine Prozession mit einer Tempelkapelle, die aus jeweils zwei Trompetern (Nr. 7-9), Trommlern (Nr. 10-12), Sängern und Harfenisten (Nr. 11-15) besteht. Dahinter folgen drei Personen mit Objekten (Nr. 16-18), die möglicherweise ebenfalls Blasinstrumente repräsentieren, während eine alternative Interpretation nahelegt, dass es sich um Keulen handeln könnte.

 

Abb. 5: Kawa, Tempel T, Musikerwand (aus Macadam 1955: Plate XIV).

Die Musiker Nummer 8 und 9 sind Trompeter. Der erste Trompeter positioniert ein Instrument an seinen Lippen (Nr. 8) , wobei die beiden Blöcke, auf denen  sich das Instrument befunden hat,  an dieser Stelle beschädigt sind.  Das  Instruments selbst ist nicht mehr eindeutig zu erkennen.  Der zweite Trompeter (Nr. 9)  präsentiert seine Trompete mit dem Schalltrichter nach unten.  Er hält die Trompete in der rechten Hand, während das Mundstück nach oben ausgerichtet ist, was ihm die unkomplizierte Führung des Instruments zum Mund ermöglicht. In der linken Hand führt er ein weiteres Instrument, dessen Mundstück nach unten zeigt. Derzeit spielt er jedoch nicht. Die Trompeter leiten die Darbietung, -  „each carrying two trumpets which no doubt emitted notes of different pitch” ("wobei jeder von ihnen zwei Trompeten trägt, die unverkennbar Töne in unterschiedlichen Tonhöhen erzeugen";  Macadam 1955: 77). Dies erweist sich als vorteilhaft, um die begrenzte tonale Vielfalt der Naturtrompete auszugleichen und so ein breiteres Klangspektrum zu ermöglichen.

Die Tatsache, dass eine Trompete mit dem Mundstück nach oben und die andere mit dem Mundstück nach unten gehalten wird, lässt eine alternative Interpretation plausibel erscheinen. Es ist wahrscheinlich, dass das Instrument in der linken Hand des Trompeters als Schutzvorrichtung für die Trompete dient, vergleichbar mit den Schutzkernen, die bei den Trompeten des Tutanchamun bekannt sind (vgl. Abb. 4; Manniche 1991: 78). 

Obwohl das aktuell gespielte Instrument nicht erhalten ist, lassen die Inschriften darauf schließen, dass hier Trompeten abgebildet sind. 

Im vorliegenden Relief wird eine klare Unterscheidung zwischen Trompeten und Weihrauchständern vorgenommen, da letztere ebenfalls bei der Person Nr. 7 in der Prozession abgebildet sind. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich die Proportionen der Weihrauchständer von denen der Trompeten unterscheiden; sie sind in der Breite ausgelegt, wobei insbesondere der Standfuß größer als der Schalltrichter der Trompeten erscheint. Zudem scheinen die Trompeten eine ähnliche Mensur wie die erhaltenen Originale aufzuweisen. Ein zusätzlicher Hinweis auf die Verwendung der Trompete im Tempel findet sich in Kawa. In der Inschrift Kawa III, datiert auf das  "Jahr 8 des Taharqo", werden eine goldene und eine silberne Trompete als Bestandteile der Tempelausstattung erwähnt. Demzufolge ist zu konstatieren, dass in Kawa Trompetenmusik in Verbindung mit anderen Instrumenten im Kult verwendet wurde.

In  Al-Musawwarat as-sufra wird eine Trompete innerhalb des Kontexts einer Tabuszene thematisiert (Abb. 6). Al-Musawwarat as-sufra (arabisch المصورات الصفراء al-Musawwarāt as-sufrāʾ,  al-Muṣawwarāt aṣ-ṣufrāʾ, auch Musawwarat es Sufra; meroitisch Aborepi; altägyptisch jbrp, jpbr-ˁnḫ) ist der moderne Name eines großen Tempelkomplexes im heutigen Sudan. Der Ort liegt in der Butana rund 190 Kilometer nordöstlich von Khartum, rund 20 Kilometer nördlich von Naqa und rund 29 Kilometer südöstlich des Nils.
Der Löwentempel ist ein rechteckiger, 14,21 m langer, 9,13 m breiter und 4,7 m hoher Tempel mit Pylon und sechs Säulen. Von König Arnekhamani errichtet und Apedemak gewidmet, enthält der Tempel Inschriften in ägyptischen Hieroglyphen und Darstellungen von Elefanten und Löwen sowie Reliefs von Apedemak, der als dreiköpfiger Gott auf den Außenwänden dargestellt ist

Im als "Löwentempel" bezeichneten Tempel II C zeigt die nördliche Innenwand im unteren Bereich eine Ansammlung von Rindern, umgeben von Lotus- und Papyruspflanzen. Innerhalb dieser Darstellumng mit Rindern ist eine Tabuszene zu erkennen, in der ein Rind durch ein Tuch verhüllt ist, während drei Männer in unmittelbarer Nähe positioniert sind. Es ist plausibel, dass sich hinter dem Tuch eine vierte Person befindet. Diese Darstellung könnte möglicherweise das Trinken von Milch aus dem Euter illustrieren (Hintze 1963:65). Die lebensspendende Milch könnte in diesem Tabukontext symbolisch mit Leben oder Wiedergeburt assoziiert werden. 

Eine zusätzlich dargestellte Person, die der Szene zugewandt ist, hält einen langen Gegenstand an den Mund, wobei die Körperhaltung darauf hindeutet, dass es sich um eine Trompete handeln könnte. Diese Handlung wird akustisch durch das Spiel der Trompete begleitet oder hervorgehoben.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Funktion der Trompete äußerst vielfältig ist. Sie findet Anwendung (a) im Militär, (b) bei offiziellen Anlässen, (c)  in Begleitung von Herrschern,  (d) bei Festlichkeiten und Prozessionen, (e) im Totenkult sowie (f)  in bestimmten Tabuszenen. 

Unbestreitbar wurde die Trompete  in all diesen Kontexten aufgrund ihrer signifikanten Signalwirkung eingesetzt. 

Neben der Wahrnehmung koordinierender Aufgaben kündigt die Trompete durch ihre Klänge außergewöhnliche Ereignisse an und zieht die Aufmerksamkeit der Menschen sowie der Götter auf sich. Der Kontakt zu Gott wird häufig durch Musik und Klang hergestellt (Assmann 1991: 212). 

Bei der Trompete aus dem Tempel von Al-Musawwarat as-sufra  ist es wahrscheinlich, dass diese im religiösen Kontext  verwendet wurde. 

Die dargestellten Beispiele verdeutlichen, dass die Trompete im religiösen Kontext hauptsächlich zur Verehrung von Amun und Osiris diente (Manniche 1975: 35). Für welchen Gott die Trompete im Tempel IID von Al-Musawwarat as-sufra gespielt wurde, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Literatur:  Billig, Daniela. "Die Trompete aus dem Statuentempel II D von Musawwarat es Sufra", Mitteilungen der Sudanarchäologischen Gesellschaft zu Berlin e.V., Heft 11 (2001, S. 72-79; Assmann, J. Stein und Zeit. Mensch und Gesellschaft im Alten Ägypten, München;, 1991; Fischer, H.G. (1988): "The Trumpet in AncientEgypt", in: Pyramid Studies and other Essays presented to J.E.S. Edwards, London:, 1988, 101-109: Gerullat, I.  Zeugnisse der materiellen Kultur des Reiches von Kusch - Kleinfunde aus der Grabung der Humboldt-Universität zu Berlin in Musawwarat es Sufra (mit einem Beitrag zu den Opferbecken im meroitischen Gebiet), unpubl. Mag. Arbeit, Berlin, 1999;  Hannig, R. (1995): Die Sprache der Pharaonen. Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch, Mainz 1999; Hickmann, H.  La trompette dans l'Egypte ancienne, CASAE 1, Le Caire, 1946;  Hickmann, H. (1949): Catalogue general des antiquites egyptiennes du Musee du Gaire. (CG 69201-69852), Instruments de Musique, Cairo, 1949; Bader, Bettina, 'Egypt and the Mediterranean in the Bronze Age: The Archaeological Evidence', The Oxford Handbook of Topics in Archaeology (online edn, Oxford Academic, 2 Oct. 2014), https://doi.org/10.1093/oxfordhb/9780199935413.013.35, accessed 22 June 2026;  Hickmann, H. "Die kultische Verwendung der altägyptischen Trompete", in: Welt des Orients V, Stuttgart, 1950: 351-355;  Hickmann, H.  Musikgeschichte in Bildern. Ägypten, Leipzig, 1961; Hickmann, H. Stichw. “Trompeteninstrumente”. B. “Geschichte der Trompeteninstrumente”. I. Vor- und Frühgeschichte.Altorientalische Hochkulturen, Antike. Außereuropäische Trompeteninstrumente, in: MGG 13, Kassel, 1966, 772-776;  Hintze, F. "Vorbericht über die Ausgrabungen des Instituts für Ägyptologie der Humboldt-Universität zu Berlin in Musawwarat es Sufra, 1960-61", Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 11 (1962):441-488;  Hintze, F. Musawwarat es Sufra. "Vorbericht über die Ausgrabungen des Instituts für Ägyptologie der Humboldt-Universität zu Berlin, 1961-1962 (Dritte Kampagne)", Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt Universität zu Berlin, Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 12 (1963): 63-77; Jansen-Winkeln, Karl.  "The Chronology of the Third Intermediate Period: Dyns 22–24". In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83).  Leiden / Boston: Brill,  2006,  S. 234–264; Ludwig Borchardt: Zur Geschichte des Luqsortempels. In: Adolf Erman, Georg Steindorff (Hrsg.): Zeitschrift für Ägyptische Sprache und Alterthumskunde. Vierunddreissigster Band. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1896, S. 122–138, auf archive.org, abgerufen am 22.06.2026; Hintze, F. et al. Musawwarat es Sufra. I, 1. Der Löwentempel, Textband, Berlin, 1993; Hintze, F. et al.  Musawwarat es Sufra. I, 2. Der Löwentempel, Tafelband, Berlin; 1971;  Hölscher, U. Das hohe Tor von Medinet Hahn. Eine baugeschichtliche Untersuchung, OsnabrücK, 1984;  Macadam, M.F.L. TheTemples of Kawall, 2 Vols., London, 1955; Manniche, L. "Ancient Egyptian Musical Instruments", MÄS 34, München, 1975;  Manniche, L.  Music and Musicians in Ancient Egypt, London,  1991; PM II2=Porter, B. & Moss, R. Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings, Vol. II: Theban Temples, Oxford 1972;  PM III2=Porter, B. & Moss, R. Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings, Vol. III.2: Memphis. Saqqära to Dashur, Oxford 1981;  Sachs, C.  Die Musikinstrumente des Alten Ägypten, Berlin, 1921;  Spiegelberg, W. "Varia 1. Ein Titel des Neuen Reiches", ZÄS 53 (1917):91-92; Vandier, J. Ouadjet et l'Horus leontocephale de Bouto. Apropos dcun bronze du Musee de Chaalis, in: Fondation Eugene Piot. Monu ments et Memoires publies par lAcademie des Inscriptions et Belles-Lettres 55, Paris; 1967, 7-75; Wegner, M. Das Musikleben der Griechen, Berlin 1949;  Wenig, St.Die Tempel von Musawwarat es Sufra. Ausgrabungen der Humboldt- Universität zu Berlin im Sudan (Ausstellung in der Urania Berlin, 16. September-12. Oktober 1996), Berlin 1996;  Wolf, W. Das schöne Fest von Opet, Leipzig, 1931; Ziegler, C. Catalogue des Instruments de musique egyptiens au Musee du Louvre, Paris, 1979.

Schofar

Der  Schofar, auch bekannt als das Schofarhorn (aus dem Hebräischen שׁוֹפָר, Plural Schofaroth), wird in der aschkenasischen Tradition als 'schaufor' und in der sephardischen als 'sophar' bezeichnet; im Jiddischen lautet die Bezeichnung 'shoyfer'.

Dieses antike Naturhorn, das vorwiegend im Vorderen Orient verbreitet ist, gehört zu den am häufigsten im Tanach erwähnten Musikinstrumenten. Das Blasinstrument, gefertigt aus dem Horn eines Widders oder eines Kudu, findet seinen Ursprung in der jüdischen Religion und wird seit biblischen Zeiten bis heute unverändert zu rituellen Zwecken verwendet. Der Schofar ist das einzige antike Instrument, das bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Synagogen genutzt wird und zählt zu den liturgischen Instrumenten. Er wird, ähnlich einem Blechblasinstrument, nach dem Prinzip der Polsterpfeife gespielt.

Die Herkunft des Namens "Schofar" bietet unterschiedliche Deutungen. Im Midrasch "Wajikra Rabba“ argumentieren unsere Weisen, dass "Schofar“ vom Wort für "schön“ stammt: 

"G’tt sprach zu Israel: ‚In diesem Monat sollt ihr eure Taten mit dem Schofar erneuern, verschönt eure Handlungen (schafru maasechem)‘.“ 

Rabbi Chaim ben Joseph Vital, hebräisch: רָבִּי חַיִּים בֶּן יוֹסֵף וִיטָאל (geboren 1542/43 bzw. 5302/3 in Safed, Palästina; gestorben 1620 bzw. 5380 in Damaskus) einer der einflussreichsten Kabbalisten Palästinas seiner Zeit, zitiert in seinem Buch "Pri Etz Chaim" (ca.  c.1572  – c.1578  n. Chr. in Safed) im Namen seines Lehrers, des Kabbalisten Arisa’l (Rabbi Jitzhak Luria Aschkenazi) eine andere Erklärung, und zwar, dass dieser Name von "Schoferet" stammt, abgeleitet ist, was so viel wie „ausgehöhltes Rohr" bedeuten könnte. Rabbi Chaim ben Joseph Vital war Anhänger und Ausleger der Kabbala Isaak Lurias, aber auch sein früherer Lehrer Rabbi Moshe Cordovero prägte sein Wirken.

Am jüdischen Neujahrsfest, das zugleich der Tag ist, an dem die gesamte Menschheit vor G’tt gerichtet wird, gebietet die Tora, das Schofar zu blasen (4. Buch Mose 29,1): 

"Und im siebenten Monat am ersten des Monats sollt ihr heilige Versammlung haben; keine Arbeit sollt ihr tun; ein Tag des (Schofar)tons sei es euch."

In der Tora finden sich zahlreiche Gebote, zu denen keine explizite Begründung angeboten wird. Dennoch  waren die Weisen stets bemüht, auch für die komplexesten Gebote Erklärungen zu finden. 

Für das Schofarblasen an Rosch Haschana wird in der Tora allerdings kein Grund genannt. Es ist bemerkenswert, dass das Wort "Schofar“ im besagten Vers nicht unmittelbar erwähnt wird. Stattdessen ist dort lediglich die Rede von einem "Jom Trua“ ("Tag des Klangs"), was die Rabbinen dazu anregte, den Schofarklang als den gesuchten Klang zu interpretieren. 

Der prominente Gaon, Rabbiner, jüdischer Philosoph und Exeget, Saadia ben Joseph Gaon (hebräisch רַב סְעַדְיָה בֶּן יוֹסֵף גָּאוֹן bzw. arabisch سعيد بن يوسف الفيومي, geboren 882 im oberen Ägypten; gestorben 942 in Sura / Babylonien), arabisch Saʿīd bin Yūsuf al-Fayyūmī),  listet zehn Gründe für dieses Gebot auf. 

Einer der bekanntesten Gründe ist die Aufforderung zur Wachsamkeit und Erschütterung, wie es der Prophet Amos formuliert (3,6): "Wenn das Schofar in der Stadt ertönt, schreckt das Volk nicht auf?"

An Rosch Haschana beginnen die zehn Tage der Umkehr, die bis Jom Kippur andauern. Während dieser Tage sind die Juden  angehalten, Teschuwa zu praktizieren:  ihr Handeln zu reflektieren, die schlechten Taten zu bereuen und sch auf zukünftiges Wohl zu konzentrieren. Hierbei spielt der eindringliche Klang des Schofars eine unterstützende Rolle. Das Schofar wird gemäß den in Torah und Talmud festgelegten Mitzwot geblasen, unter anderem während des Morgengebets an Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest. Mizwot (Einzahl: Mizwa) sind die 613 göttlichen Gebote und Verbote des Judentums, die in der Torah (den fünf Büchern Mose) stehen. Sie regeln das Verhältnis des Menschen zu Gott sowie das ethische und soziale Zusammenleben.

Ein weiterer wesentlicher Grund für das Schofarblasen ist die Erinnerung an die „Akeda“, die Erzählung von der „Bindung“ aus dem 1. Buch Mose, als G’tt Abraham aufforderte, seinen Sohn Isaaks zu opfern. Abraham war bereit, den himmlischen Willen zu erfüllen, jedoch hielt G’tt im entscheidenden Moment die Opferung von Isaak  auf. Stattdessen wurde ein Widder geopfert. 

Das Schofar erinnert  demnach an die beabsichtigte Opferung Isaaks durch Abraham im Auftrag Gottes. Anstelle Isaaks wurde jedoch ein Widder geopfert, dessen Hörner als symbolische Reminiszenz an das stellvertretende Sühneleiden Israels dienen (1. Buch Mose, Kapitel 22). 

Die Klänge des Schofars, das aus einem Widderhorn gefertigt ist, sollen G’tt an die Verdienste von Abraham und Jizchak erinnern und während des himmlischen Gerichts beistehen. "

Während der Eroberung Jerichos unter Josua waren es sieben "Hallposaunen", die den Einsturz der Stadtmauern einleiteten (Jos 6,4). 

Jos 6,4  "4 Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen."

Aus dem Brauch, das Schofar zur Salbung eines Königs zu blasen, entwickelte sich ein symbolisches Ritual, das Gottes Anerkennung als König, Beschützer und Richter feierlich bekräftigt. Es dient außerdem dazu, von einer gedankenlosen Lebensweise zu einem besinnlichen Leben aufzurütteln.

Ebenso sind präzise Anweisungen bezüglich der Tonfolge und Blasweise des Schofars für den Abschluss von Jom Kippur, dem Versöhnungstag, dokumentiert.

 

 

Der Schofar wird aus einem Horn gefertigt, wobei die mundstücksähnliche Öffnung zum Anblasen mit den Lippen in der Regel durch das Abtrennen der Hornspitze und einer anschließend etwas kesselförmigen Formgebung entsteht. 

Das einfach gebogene Widderhorn, das traditionell von den aschkenasischen Juden verwendet wird, weist kein Mundstück auf. Im Gegensatz dazu kann es bei den sephardischen Juden mit einem einfachen Mundstück ausgestattet sein. 

Gemäß dem Talmud Jeruschalmi soll das Mundstück des Schofars, das für das Neujahrsfest verwendet wird, äußerlich, jedoch keinesfalls im Inneren, mit Gold überzogen sein. Spätere Regelungen untersagen es zudem, das Mundstück mit Gold oder Silber zu verzieren. 

Das Horn des Kudus zeichnet sich durch seine längere, spiralförmige Struktur aus. Sowohl der Kudu, eine Art Antilope, als auch der Widder waren ursprünglich in Kanaan heimisch, sind heute jedoch vornehmlich in Südafrika anzutreffen. Dort wird aus dem Kuduhorn das Querblas-Instrument Phalaphala hergestellt. 

Grundsätzlich kann der Schofar aus dem Horn jedes koscheren Tieres gefertigt werden, auch wenn dieses nicht rituell geschlachtet wurde. Eine Ausnahme bildet jedoch das Horn von Rindern: Aufgrund ihrer Assoziation mit dem Goldenen Kalb ist das Horn einer Kuh oder eines Ochsen nicht zulässig. Im Jahr 2011 existierten in Israel drei Unternehmen, die Schofaroth produzierten.

Der Schofar im Tempel von Jerusalem wurde bei zahlreichen Anlässen zusammen mit der geraden Metalltrompete, der Chazozra, verwendet. In der Zeit nach der Bibel erlangte der Schofar an größerer Bedeutung, da aufgrund der Trauer über die Tempelzerstörung Musikinstrumente aus der Liturgie verbannt wurden. Der weltliche Gebrauch des Schofars nahm jedoch ab, obwohl die Wiedervereinigung Jerusalems im Jahr 1967 gefeiert wurde. 

Es gibt vier grundlegende Signaltöne: 

1.  Eki‘a (ein langer Ton): "Der König kommt" ;

2.  Schewarim (drei kurze Töne): "Gott, erbarme dich (Gnade)";

3.  Eru‘a (neun bis zwölf sehr kurze Töne, die wie Weinen klingen): "Ein gebrochenes Herz";

4. Eki‘a gedola (ein besonders langer Ton, bis man die Luft anhalten muss): "Der HERR kommt wieder."

 

Literatur: Rabbiner Elischa Portnoy. Schofar. Ein Klang, der alle Mauern sprengt.Zur Geschichte und Bedeutung des heiligen Instruments am Neujahrsfest (11.10.2024), auf  juedische-allgemeine.de, abgerufen am 22.06.2026; Braun, Joachim. "Biblische Musikinstrumente". In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band 1, Kassel: Bärenreiter 1994, Sp. 1503–1537, hier Sp. 1523–1525; Friedmann, Jonathan L. and Joel Gereboff (Hrsg.). Qol Tamid: The Shofar in Ritual, History, and Culture, Claremont (CA). Claremont Press 2017; Wulstan, David. "The Sounding of the Shofar". In: The Galpin Society Journal, Vol. 26, Mai 1973, S. 29–46.

Karna

Die Karna, abgeleitet aus dem Arabischen und Persischen (کرنا karnā), Hindi (कर्णा karnā), Tadschikischen (карнай karnai, auch als karnaj bekannt), Usbekischen (karnay) sowie Kasachischen (керней kernei), stellt eine aus Metall gefertigte Naturtrompete dar. Die ersten historischen Erwähnungen dieses Instruments sind im biblischen Buch Daniel dokumentiert. 

Im Mittelalter war die Karna Teil der Militärmusikkapellen Persiens und fand auch im indischen Mogulreich Verwendung in den Repräsentationsorchestern, insbesondere in den naqqāra-khāna. Gegenwärtig wird dieses Instrument weiterhin in der Zeremonialmusik Zentralasiens und Nordindiens unter dem gleichen Namen eingesetzt.

Seit dem Mittel des 3. Jahrtausends v. Chr. sind in Mesopotamien und dem Alten Ägypten Trompeten nachgewiesen, die als Signalinstrumente bei Zeremonien, kriegerischen Auseinandersetzungen und Arbeitsprojekten dienten. Diese Instrumente waren in der Lage, einen oder zwei Töne in einem spezifischen Rhythmus zu erzeugen. 

Der Begriff "Karnā" leitet sich von dem aramäischen Wort qarnāʾ, dem hebräischen Begriff qeren und dem akkadischen Wort qarnu ab. 

Der Begriff Karnā  bezog sich auf eine bis zu zwei Meter lange konische Trompete, die gelegentlich S-förmig gebogen war. Die Trompetentypen nafīr und karnā fanden in Iran bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts Anwendung, zusammen mit verschiedenen Trommeln und anderen Perkussionsinstrumenten, in sogenannten naqqāra-khāna. Heutzutage ist die karnā in Usbekistan und Tadschikistan eine lange, weitgehend zylindrische Metalltrompete, während sie in Nordindien als gerade, konische Metalltrompete vorkommt, die entweder lang und dünn oder kurz und weit sein kann.

Die in dem Buch Daniel erwähnte „qarnā“ könnte in Übereinstimmung mit bekannten Darstellungen aus dem Partherreich visualisiert werden. Ein um 160 v. Chr. entstandenes Relief von der Hauptstadt Hatra zeigt eine Vielzahl von Blasinstrumenten, darunter die Panflöte, ein Doppelrohrblattinstrument, ein zweirohriges Blasinstrument vom Typ des Aulos sowie eine Trompete. Diese Trompete, etwa 50 Zentimeter lang, bestand aus Ton und wies eine weite zylindrische Röhre mit einem breiten trichterförmigen Schallbecher auf, jedoch ohne Mundstück. 

Die Parther verwendeten die Trompete bei Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen. In der aramäischen Übersetzung der Bibel (Targum) wird das hebräische Wort für den lauten, anhaltenden Ton des Schofar in Hesekiel  7,14  mit „qarnā“ übersetzt: "4 Lasst sie die Posaune nur blasen und alles zurüsten; es wird doch niemand in den Krieg ziehen, denn mein Zorn ist entbrannt über all ihren Reichtum."

Dieses hebräische Wort "qarna" fand in der altgriechischen Septuaginta die Entsprechung „salpinx“, anstelle des verwandten altgriechischen Begriffs „keres“ für „Tierhorn“, und in der lateinischen Vulgata wurde es als „tuba“ wiedergegeben. 

Somit wurde das im Hebräischen mehrdeutige Wort „qeren“, das nur einmal im musikalischen Kontext verwendet wird, eindeutig als eine Art Trompete interpretiert und in den genannten Sprachversionen überliefert.

In der Antike konnte das griechische Wort „bukane“ ebenso wie "qarnā" sowohl ein Hirteninstrument, in Form eines Kuhhorns, als auch ein militärisches Signalhorn bezeichnen. Der römisch-jüdische Historiker Flavius Josephus, der etwa zwischen 37 und 100 n. Chr. lebte, bezeichnete die im Tempel gespielte „bukane“ als eine Erfindung des Propheten Mose. Er beschrieb sie als ein gerades Blasinstrument aus Silber, das eine etwas dickere Röhre als der „aulos“ aufwies und mit einem Mundstück sowie einem Schallbecher, ähnlich der „salpinx“, ausgestattet war. 

Obwohl diese eher vage Beschreibung auch auf Rohrblattinstrumente zutreffen könnte, werden die beiden Blasinstrumente auf den Bar-Kochba-Münzen  (s. Abb.) häufig als Trompeten interpretiert, die möglicherweise Vorläufer der mittelalterlichen arabischen „nafīr“ darstellen. Darüber hinaus erkennen einige Autoren an, dass eine Verdickung am Mundstück auf Kegeloboen hinweisen könnte. Der verwandte lateinische Begriff „bucina“ bezeichnete ebenfalls sowohl ein Tierhorn von Hirten als auch eine metallene Signaltrompete des Militärs.

Literatur: Rashid, Subhi Anwar. "Mesopotamien". Werner Bachmann (Hrsg.): Musikgeschichte in Bildern. Band II: Musik des Altertums.   Leipzig:Deutscher Verlag für Musik  1984, S. 124, 160;  Braun, Joachim. Music in Ancient Israel/Palestine. Archaeological, Written, and Comparative Sources. Grand Rapids (Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company, 2002;  Merchant, Tanya. "Karnā". In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 3, Oxford/New York: Oxford University Press,  2014, S. 115f.; Montagu, Jeremy. Musical Instruments of the Bible.  Lanham: Scarecrow Press, 2002, S. 56f.

Die Harmonie der Psalmen

Die Psalmen sind ein zentraler Bestandteil biblischer Musik und dichten zur gleichen Zeit. Diese Texte, die oft zur Anbetung und Meditation verwendet werden, laden dazu ein, in gesungene Form gebracht zu werden. Hier untersuchen wir einige der bekanntesten Psalmen und deren musikalische Adaptionen, die Generationen inspiriert haben.

Musikalische Festtage im Alten Testament

Biblische Feste wie das Passah oder die Laubhüttenfest haben nicht nur eine tiefe religiöse Bedeutung, sondern auch eine reiche musikalische Tradition. In diesem Abschnitt werden wir die einzigartigen musikalischen Elemente dieser Feiertage erkunden und aufzeigen, wie sie die spirituelle Erfahrung der Gläubigen vertiefen.

Neue Testament und die Musik der Anbetung

Das Neue Testament ist ebenfalls reich an musikalischen Bezügen, von der Geburt Jesu über seine Lehren bis hin zu den frühen Kirchenliedern. Hier beleuchten wir die Entwicklung der musikalischen Anbetung im frühen Christentum und die Texte, die bis heute in den Kirchen gesungen werden.

Die Bedeutung von Musik in biblischen Erzählungen

Musik wird in vielen biblischen Erzählungen als eine kraftvolle Form der Kommunikation dargestellt. Ob es sich um David handelt, der vor Saul spielt, oder um die Feierlichkeiten nach der Befreiung aus Ägypten – in diesem Abschnitt betrachten wir die transformative Kraft der Musik in den biblischen Geschichten und deren tiefere Bedeutungen.

Die Klänge der Antike: Musikinstrumente in der Bibel

In dieser Sektion werden die verschiedenen Musikinstrumente beschrieben, die in der Bibel erwähnt werden. Dazu zählen Flöten, Harfen, Zithern und Trompeten, die eine bedeutende Rolle im religiösen und sozialen Leben des alten Israel spielten. Ihre Verwendung wird im Kontext von Anbetung und Feiern erläutert.

In der Bibel werden vier Arten von Instrumenten aufgeführt, die auf alle Fälle zum Tempelorchester gehörten: Trompeten, Harfen, Saiteninstrumente (hebr. nevalím) und Zimbeln. Zwar entsprach das nicht einem vollständigen Orchester nach modernen Maßstäben, aber es sollte auch kein Sinfonieorchester, sondern eine Begleitung zum Gesang im Tempel sein. Eine derartige Kombination von Instrumenten erfüllte diesen Zweck voll und ganz (2Ch 29:25, 26; Ne 12:27, 41, 42).

In Verbindung mit den Trompeten nennt die Bibel folgende Zeiten, wo die heiligen Instrumente gespielt wurden: „An eurem Freudentag und in euren Festzeiten und an den Anfängen eurer Monate sollt ihr über euren Brandopfern und euren Gemeinschaftsschlachtopfern die Trompeten blasen“ (4Mo 10:10). 

Nachdem die Tempelmusikordnung eingeführt worden war, schlossen sich wahrscheinlich bei diesen und anderen besonderen Anlässen die übrigen Instrumente den Trompeten an. Darauf sowie auf den musikalischen Ablauf scheint die Beschreibung der Geschehnisse hinzuweisen, als König Hiskia den heiligen Dienst wiederbelebte, nachdem er den Tempel gereinigt hatte: 

„Zu der Zeit, als das Brandopfer seinen Anfang nahm, setzte das Lied Jehovas ein und auch die Trompeten, nämlich unter der Leitung der Instrumente Davids, des Königs von Israel. Und die ganze Versammlung beugte sich nieder, während das Lied erscholl und die Trompeten schmetterten – all dies, bis das Brandopfer beendet war“ (2Ch 29:27, 28). 

Dass die Trompeten „unter der Leitung der Instrumente Davids“ standen, lässt darauf schließen, dass die Spielweise der Trompeter die anderen Instrumente ergänzte und sie nicht in den Schatten stellte. Die gesamte Menge der Musiker hatte ihren Standort „östlich vom Altar“ (2Ch 5:12).

Harfen: Symbol der Freude und Anbetung

Die Harfe ist eines der ältesten Musikinstrumente, das in der Bibel mehrfach erwähnt wird. Sie gilt als ein Symbol der Freude und der Anbetung, oft verbunden mit musikalischen Feiern und religiösen Zeremonien. Die Harfen wurden nicht nur zur Anbetung, sondern auch zur Unterhaltung eingesetzt und waren ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in Israel.

Zithern: Vervollständigung des musikalischen Spektrums

Die Zither, ein weiteres wichtiges Instrument in biblischen Zeiten, ergänzte die Harmonie der Harfen und Trompeten. Ihr melodischer Klang war ideal für Anbetungsszenen und festliche Anlässe. In der Bibel wird sie oft in Verbindung mit Lobpreisungen erwähnt und spielte eine wesentliche Rolle bei Kultfeiern.

Trompeten: Rufe zur Anbetung und kriegerische Klänge

Die Trompete war ein kraftvolles Instrument in der biblischen Musiktradition. Sie wurde nicht nur zum Versammeln der Menschen für religiöse Anlässe, sondern auch in Kriegszeiten eingesetzt. Trompeten klangen als Signale und motivierend in verschiedenen Lebensbereichen, was ihre Bedeutung in der biblischen Erzählkunst unterstreicht.

Die kulturelle Bedeutung der biblischen Musikinstrumente

Die in der Bibel erwähnten Musikinstrumente sind mehr als nur Klangkörper; sie tragen zur kulturellen Identität des alten Israel bei. Jedes Instrument hatte seine eigene Funktion und Bedeutung, die von den sozialen und religiösen Kontexten abhingen, in denen sie verwendet wurden. Diese Instrumente erzählen Geschichten von Anbetung, Freude und Gemeinschaft, die bis heute nachhallen.

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