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MERKUR - Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken

Über dieses Heft

Das Novemberheft (Nr. 714) beschäftigt sich mit kulturellen Themen: Harry Lehmann erläutert, warum die zeitgenössische Kunst notwendig einer Kritik bedarf, die im Rekurs auf Kategorien der Romantik selber genuiner Teil der Kunst wird; Daniel Hornuff untersucht, was die Theoriekonzeption des "pictorial turn", die mit soviel Vorschusslorbeeren bedachte "Bildwissenschaft", bisher zustande gebracht hat (eher wenig); Ernst Osterkamp analysiert das Frauenbild Stefan Georges, in Werk und Leben, und kommt zu ziemlich finsteren Ergebnissen; Peter Horst Neumann ruft in seinem Privatissimum zur deutschen Nachkriegsliteratur einen völlig vergessenen Schriftsteller so enthusiastisch in Erinnerung, dass nicht nur dessen Gedichte lebendig werden, sondern auch die damalige Zeit – fast ist sie zu riechen und zu schmecken.

Eröffnet wird das Heft mit einem Beitrag des englischen Philosophen und Schriftstellers Roger Scruton, der die narzisstische und menschenfeindliche Architektur, der nicht wenige Größen der Moderne oblagen, beim Namen nennt – ein Plädoyer für das, was nicht nur Scruton als das Wertvollste des westlichen kulturellen Erbes gilt: die Städte Europas.

Noch mehr Hunger auf Kultur? Sanford Schwartz über den rätselhaften figurativen Maler Peter Doig; Richard Klein über die Medientechnologie Richard Wagners; Birgit Recki über eine erfolgreiche deutsche TV-Serie, die ob ihres peinigenden Exhibitionismus den besorgten Betrachter durchaus ins Grübeln geraten lässt.

Und damit die Kunstbanausen nicht ganz leer ausgehen, seien ihnen Volker Gerhardts Philosophiekolumne ans Herz gelegt, Kenan Maliks scharfsinnige Kritik gutgemeinter multikultureller und antirassistischer Ideen, Renatus Deckerts und Theodore Dalrymples Rezensionen und schließlich Rasmus Althaus' kleine Reise durch den Balkan, die wenig Hoffnung macht auf eine friedliche Zukunft in diesem ethnischen und staatlichen Durcheinander.

Nächste Ausgabe

Das Jahr geht zu Ende, da kommt man ins Grübeln und denkt auch gerne über das Älterwerden oder gar das Sterben nach: Im Dezemberheft (Nr. 715) besorgen das Konrad Adam, Friedrich Pohlmann und David Wagner.

Eröffnet wird das Heft mit einem Essay des amerikanischen Politologen Robert J. Lieber über die Verfallstheorien der Vereinigten Staaten, die seit gut zweihundert Jahren blühen und fast ein eigenes Genre geschaffen haben. Wird jetzt das alte Lied vom Niedergang endlich wahr (wie nicht wenige hoffen), durch die Finanzkrise und einen Zusammenbruch der US-Ökonomie? Hoffentlich nicht, sagt Gustav Seibt, aber selbst einem alten Amerika-Freund wie ihm sind die acht Bush-Jahre recht sauer geworden. Mit Kapitalismus und Krise beschäftigen sich außerdem Michael Stolleis' Rechtskolumne, die Rezensionen von Wolfgang Kasper und Hans-Peter Müller, nicht zu vergessen ein Roman Gottfried Kellers, den Patrick Eiden dringlich zu lesen empfiehlt.

Der dritte Schwerpunkt des Heftes handelt von Russland: Dina Khapaeva über die Unmoral und Asozialität der postsowjetischen Gesellschaft; Ulrike Ackermann über die westlichen Reaktionen auf den Georgienkonflikt; Detlev Schöttker streift durch Moskauer Archive auf der Suche nach dem traurigen Schicksal deutscher Exilschriftsteller.

ROBERT J. LIEBER
Das alte Lied vom Niedergang.
Was ist neu an den neuen Verfallstheorien der Vereinigten Staaten?

DINA KHAPAEVA
Geschichte ohne Erinnerung.
Zur Moral der postsowjetischen Gesellschaft

KONRAD ADAM
Am liebsten nie?
Lebensschutz als Lebenspflicht

FRIEDRICH POHLMANN
Unsere alternde Gesellschaft

DAVID WAGNER
Für neue Leben

ULRIKE ACKERMANN
Soziologiekolumne.
Sehnsucht nach Neutralität

MICHAEL STOLLEIS
Rechtskolumne.
Juristenträume

WOLFGANG KASPER
Die Kultur des Wohlstands
Gregory Clarks Wirtschaftsgeschichte der Welt lehnt Almosen ab

HANS-PETER MÜLLER
Wem gehört die Welt?
David Rothkopf über die internationale Machtelite

GUSTAV SEIBT
Der amerikanische Freund

DETLEV SCHÖTTKER
Exil als Vakuum.
Spurensuche in Moskau

PATRICK EIDEN
Die Immobilienblase von Münsterburg.
Gottfried Keller unterscheidet guten von bösem Kapitalismus

 

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